Aachen: Markt der Kunsthandwerker zieht Massen an

Europamarkt Kunsthandwerk in Aachen : Vom glühenden Metall bis zum geadelten Gummi

In die Wunderwelt aus Holz, Glas, Keramik, Stein, Filz, Gold und Silber haben Materialien wie Plexiglas und Gummi Einzug gehalten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt beim 43. Europamarkt Kunsthandwerk und Design mit 300 Ausstellern, der am Wochenende die Aachener Innenstadt beherrscht hat.

Von Regen und kühlen Temperaturen ließen sich die Besucher nicht abhalten. Wenn Schmied Axel Warstat (29) die Glut in der Esse schürt, schickt er einen Schwall Hitze in Richtung Zuschauer. „Nicht Kraft, sondern Technik ist alles, Metall wird zur Knetmasse, die man formen kann, großartig“, schwärmt er. Rauch und Waffelduft liegen in der Luft rund um Dom und Rathaus.

Im Hof bezaubert Puppenvater Detlef Schmelz mit lebensnahen „Pendel Marionetten“ die Neugierigen. In der Nähe werden die Produkte des Bürstenmachers umschwärmt. Wer der Nase nachgeht, wird von Vanille, Ingwer und Weihrauch und leckerer Crêpes verlockt. Die gastronomischen Angebote sind wohldosiert. „Das haben wir so geplant“, betont Beate Amrehn, Organisatorin und Leiterin der „Formgebung“ in der Handwerksakademie Gut Rosenberg. „Uns liegt an der Konzentration auf das Handwerk.“

„Der Markt ist extrem wichtig, man vergleicht sich, knüpft Kontakte“, sagt Dieter Philipp, Präsident der Handwerkskammer Aachen. „Wir sind stolz darauf, dass wir Teilnehmer aus ganz Europa haben.“ Mit der Akademie Gut Rosenberg biete die Kammer Handwerkern die Möglichkeit, Design-Talente zu professionalisieren. Die Initiative der 70er Jahre lebe in der Akademie weiter, wo etwa Serdar Edem (29) Meisterdesigner werden will. Für den Europamarkt hat er raffinierte Boxen geschaffen – aus Metall und Spannseilen aus dem Baumarkt.

Mehr Designideen gibt es in der Aula Carolina, wo Studierende die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit demonstrieren. Beim Unternehmen „Zweifach“ beweisen Metallbaumeister Tobias von Reth und Schreinermeister Paul Schmachtenberg (beide Akademie-Absolventen), wie sich Handwerksbereiche verschmelzen lassen.

Kreativität beflügelt, etwa Mirko Kunz, der Omas Weinfässer in Bacherach aus dem Schuppen holt und zu Wohnaccessoires verarbeitet. Fasziniert vom Material ist Annekatrin Döll, die Taschen aus feinsten Lachs-, Barsch- und Dorschhäuten mitgebracht hat. „Ich achte auf Nachhaltigkeit, die Fische wurden alle gegessen“, versichert sie. Schlichten Gummi adelt Francisca Henneman aus Rotterdam. Sie zaubert aus Industriematerialien luftige Ketten – jede ein Statement. Respekt flößen die Messer mit den zart gemusterten Damaszener-Klingen von Achim Wirtz und seinen Kollegen („Belgian Knife Society“) ein. Größte Sünde: „Die Spülmaschine!“ versichert der Experte.

Wer den Europamarkt besucht, erlebt die Magie des Bogenbaus mit Devid Hörnchen aus Schleiden. „Mehr als ein Sport“, sagt er. „Das intuitive Bogenschießen schult, man braucht festen Stand, wie im Leben.“ Und Erinnerungen an Kindheit werden geweckt – durch Bastelbögen zu Harlekin und Pferdchen. Fertige Papierkunst gibt es auch, zum Beispiel eine Postkarte, die Rapunzel und ihren Prinzen zeigt. Wer an einer Lasche an der Karte zieht, erlebt, wie die Blonde ihren Zopf abschneidet und der Held den Halt verliert. Eine von vielen Ideen auf dem Europamarkt.

Mehr von Aachener Zeitung