Aachen lockt mit Artistik und Tradition

Weihnachtszirkus in der Stadt : In der Tat eine „Schöne Bescherung“

Die Zeiten, als starke Männer mit Vorschlaghammern auf meterlange Eisenanker einschlugen, wenn ein Zirkus in die Stadt kam, sind vorbei. Heute erledigt diese Arbeit eine kleine Baumaschine mit prägnantem Lärm. Das Zelt wird mit Hilfe einer elektrischen Winde hochgezogen.

Gerade ist das wieder auf dem Bendplatz zu hören und zu sehen. Denn der „Weihnachtscircus Aachen“ schlägt seit Dienstag seine Zelte auf. Zum dritten Mal kommen Künstler aus 18 Nationen nach Aachen, um zwischen 21. Dezember und 6. Januar Alt und Jung mit Jonglage, Artistik, Dressur, Clownerie, Musik und Sandkunst zu begeistern.

Dieses Mal heißt das Programm „Schöne Bescherung“. „Für den Weihnachtscircus verkaufen wir sehr viele Familientickets. Ganze Großfamilien kommen zusammen zur Vorstellung und bringen auch noch die Nachbarn mit, weil alle Zeit haben und weil für jeden etwas dabei ist“, kann sich Pressesprecher Thomas Merz nicht über die Nachfrage beschweren. Zart besaitete Gemüter sollten vielleicht nur bei der spektakulärsten Nummer die Augen schließen: Die „Mesa Brothers“ bauen ungesichert eine siebenköpfige Menschenpyramide auf dem Hochseil. „Da bleibt mir auch jedes Mal fast das Herz stehen“, gesteht Merz.

Material aus England

Bis die Kolumbianer und alle anderen Artisten aber die Proben in dem 42 Meter durchmessenden Zelt aufnehmen können, dauert es noch eine Weile. Denn die 25-köpfige Zelt-Crew aus Großbritannien hat auch trotz der Hilfe der Baumaschine und der Winde einiges zu tun, um das rot-weiße, Chapiteau genannte Hauptzelt, das Vorzelt für die Restauration sowie das Garderobenzelt für die Künstler aufzubauen: 594 Anker setzen, Masten hochziehen, fünf Kilometer Stromkabel verlegen, unendlich viel Zeltplane bewegen, Licht und Ton installieren und nicht zuletzt Sitzplätze für 1200 Zirkusbegeisterte schaffen.

Dafür fahren zurzeit täglich Sattelschlepper von der britischen Insel im Schnitt neun bis zehn Stunden nach Aachen, um das Material vom britischen Zeltverleiher heranzuschaffen. „Der macht sich wirklich Sorgen um einen harten Brexit. Denn dann würden diese Transporte drei Mal länger und entsprechend teurer werden“, berichtet Merz. „Er verleiht seine Zelte im Moment noch innerhalb ganz Europas. Wenn die Zelt-Crew hier fertig ist, reist sie weiter nach Frankreich, um dort den nächsten Zirkus aufzubauen. Ob das nach dem Brexit noch geht, ob die Monteure hier dann überhaupt noch arbeiten dürfen, weiß bislang noch niemand.“

Bendplatz ideal

Optimale Bedingungen fänden die Zirkusmacher aber auf dem Bendplatz. „Der ist der beste Platz für Zirkus in ganz Deutschland! Die Logistik stimmt, es ist alles da, nichts steht im Weg, es gibt genug Parkplätze, trotzdem ist der Platz zentral gelegen. Und der Service durch das Eurogress ist super“, schwärmt Merz. Zudem kämen die Menschen aus einem Umkreis von bis zu 70 Kilometern. „Nicht nur die Aachener nehmen unser Angebot hervorragend an. Die Besucher kommen aus den Niederlanden, Belgien und aus der ganzen Region.“

Auch deshalb wird das dritte Gastspiel des Weihnachtszirkus‘ nicht das letzte gewesen sein. „Im nächsten Jahr sind wir wieder hier“, versprach Merz. „Wir wollen den Weihnachtszirkus in Aachen als Tradition verankern.“ Das ist nach alter Regel jetzt ja bereits passiert.

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