Aachen: "LebensWeGe" sucht Erinnerungen an die Notkirche St. Bonifatius

Auf dem Gelände Mataréstraße 14 in Aachen : Wer erinnert sich an die alte Notkirche?

Wer weiß noch etwas über die alte Notkirche St. Bonifatius in Forst, in der in den Jahren 1952 bis 1964 Messen gefeiert wurden? Hat noch jemand alte Fotos? Die Hausgemeinschaft der „LebensWeGe“ an der Mataréstraße möchte solche Erinnerungen an die Notkirche sammeln und am 28. September beim Nachbarschaftsfest präsentieren.

14 moderne Wohnungen hat die „LebensWeGe“, Aachens erstes genossenschaftlich organisiertes Wohnprojekt, 2016 in ihrem Haus an der Mataréstraße in Forst bezogen. Hinten im Garten aber gehört der Genossenschaft auch ein altes, ziemlich heruntergekommenes Gebäude. Es ist baufällig und morsch, hat aber eine interessante Geschichte. Das Haus, das die „LebensWeGe“ seinerzeit beim Grundstückskauf von der Pfarre St. Katharina mit erworben hat, ist die alte Notkirche von St. Bonifatius. Ihre Tage sind wohl gezählt. Deshalb möchte die Wohngemeinschaft nun noch so viel wie möglich über das Haus und seine Geschichte herausfinden.

„Das Gebäude ist echt praktisch“, findet Dagmar Erwert, Genossenschaftsmitglied und Bewohnerin im „LebensWeGe“-Haus. „Es hält zum Beispiel den Autolärm von der Trierer Straße ab“, sagt sie. Offenbar ist das Haus aber auch ein prima Tanzsaal. Als die „LebensWeGe“ ihren Neubau bezog, da haben sie in dem alten, holzverkleideten Bau eine Einweihungsfete gefeiert, die mittlerweile legendär ist. Allerdings treten an diesem Abend auch massive Schäden zutage. „Die Leute haben regelrecht Löcher in den Boden getanzt“, erzählt Erwert.

Aktuell dient das rund 200 Quadratmeter große Gebäude vor allem als große Abstellkammer. Der bauliche Zustand wird aber immer schlechter, und eine Sanierung und umfassende Renovierung könnte die „LebensWeGe“ nicht stemmen. „Deshalb haben wir uns schweren Herzens entschieden, das Haus demnächst abzureißen“, sagt Erwert.

Allerdings wurde den Leuten von der „LebensWeGe“ schon während der Bauzeit klar, dass das alte Haus hinter ihrem Neubau für viele Menschen im Viertel mit Erinnerungen verbunden ist. „Immer wieder kamen Leute vorbei und erzählten, dass sie dort zur Erstkommunion gegangen seien oder ihre Kinder dort hätten taufen lassen“, berichtet Erwert.

Hinten auf der Empore hängen noch Relikte längst vergangener Karnevalssitzungen. Heute dient die Notkirche nur noch als Abstellkammer. Foto: Andreas Herrmann

Bevor irgendwann der Abrissbagger anrückt, wollen sie deshalb Geschichten über die Notkirche sammeln und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Einiges haben ihre Recherchen bereits ans Licht gebracht. Von 1952 bis 1964 wurde das Gebäude als Notkirche rege genutzt. „Sonntags gab es hier zwei Messen und werktags eine“, berichtet „LebensWeGe“-Bewohnerin Maria Feldhaus.

Wolfgang Müller-Lutz, Mitglied der Genossenschaft, hat intensiv recherchiert und ein interessantes Detail ans Licht gebracht. Die Notkirche hatte früher sogar einen hölzernen Glockenturm, in dem die „Schutzengelglocke“ hing. In einem undatierten Zeitungsartikel, den Müller-Lutz gefunden hat, heißt es, Mädchen und Jungen der Schule Zeppelinstraße hätten über Jahre „Groschen um Groschen in die Sparbüchsen gesteckt“, bis sie eine zwei Zentner schwere Messingglocke als Spende für die Notkirche stiften konnten.

Als das Gebäude ab 1964 als Notkirche nicht mehr gebraucht wurde, wurde es über die nächsten Jahre und Jahrzehnte dennoch vielfältig genutzt: als Jugendheim, als Unterrichtsraum, als Raum für Feiern, als Treffpunkt für Vereine.

Nachbarschaftsfest am 28. September

Gerne würde die Hausgemeinschaft von der Mataréstraße von noch mehr Erinnerungen an „ihre“ Notkirche erfahren. Auch Fotos wären sehr willkommen. Wer Informationen, Anekdoten und mehr beisteuern kann, kann sich sehr gerne unter Telefon 0241/56004520 oder E-Mail mail@lebenswege-aachen.de melden. Interessierte können aber auch einfach am Samstag, 28. September, beim Nachbarschaftsfest in der Mataréstraße vorbeischauen. Auf dem Grundstück der „LebensWeGe“, Mataréstraße 14, heißt es von 14 bis 15.30 Uhr „Geschichte und Geschichten der Notkirche von St. Bonifatius“. „Die Quartiersarbeit ist uns ein Anliegen“, sagt Dagmar Erwert. „Wir wollen mit dieser Aktion den alteingesessenen Forstern eine Stimme geben.“

www.lebenswege-aachen.de

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