Aachen lässt Altkleidercontainer auf 20 städtischen Flächen zu

20 Standorte für gemeinnützige Sammler : Stadt gibt Altkleidercontainern eine zweite Chance

Knall auf Fall hatte die Stadt Anfang des Jahres alle Altkleidercontainer aus dem öffentlichen Straßenraum verbannt, nun kehren sie in kleinerer Stückzahl und an exklusiv ausgewählten Standorten zurück.

Auf 20 städtischen Flächen dürfen das gemeinnützige Bündnis „Aachen Fairwertet“ und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nun doch wieder insgesamt 60 Sammelcontainer aufstellen, um eine sinnvolle Weiterverwertung sicherzustellen.

Spätestens Ende nächster Woche sollen alle Container stehen, wie Dietrich Roth, Geschäftsführer der Wabe-Werkstätten, angekündigt. Die Wabe hat gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche sowie den Maltesern die Initiative „Fairwertet“ gegründet, um mithilfe der Kleidersammlung soziale Projekte zu fördern. Erfreut können die „Fairwertet“-Verfechter nun mitteilen, dass zusätzlich auch vier neue Stellen für Langzeitarbeitslose geschaffen werden. Sie sollen sich als Beschäftigte des Inklusionsunternehmen LF-Werkstätten um die regelmäßige Leerung der Container und die Sauberhaltung der Standplätze kümmern. Pfarrer Redmer Studemand hat am Erfolg keine Zweifel. Die bisherigen Erfahrungen an kirchlichen Standorten seien „supergut“. „Das läuft prima.“

Gerade mal 36 Standorte vor Kirchen und sozialen Einrichtungen hatte „Fairwertet“ bisher im Angebot. Viel zu wenig, wie sich Anfang des Jahres drastisch zeigte. Damals musste das DRK auf einen Schlag rund 100 Sammelcontainer am Straßenrand abbauen, weil die Stadt keine Konzessionen mehr vergeben wollte und die Sammler stattdessen auf private Flächen verwies.

Die sind bislang allerdings schwer zu finden. Das Nachsehen hatten somit auch die Bürger. Denn sie mussten oftmals lange suchen, um abgelegte Klamotten in die Weiterverwertung zu bringen. Vieles landete dann auch in den Containern gewerblicher Sammler, was wiederum die gemeinnützigen Organisationen ärgerte.

So schritt alsbald auch die Politik ein, aus deren Reihen der Druck auf die Verwaltung wuchs, der Initiative „Fairwertet“ und auch dem DRK entgegenzukommen. Die dürfen nun zwar weiterhin ihre Container nicht im öffentlichen Straßenraum, dafür aber auf „privaten Flächen, die der Stadt gehören“ aufstellen. Dazu zählen etwa eine Reihe von Parkplätzen, Flächen in der Nähe von Bezirksämtern oder Schwimmbädern sowie die Recyclinghöfe Brand und Eilendorf. Das sei „ein erster Schritt“, über den er froh sei, sagt Roth. „Aber wir sind noch nicht da, wo wir mal waren. Es würde uns freuen, wenn es noch mehr Unterstützung von der Stadt gäbe.“

Denn die einstigen 100 Parzellen können durch die nun bereitgestellten 20 Stellflächen nicht mal ansatzweise ausgeglichen werden. „Wir suchen daher dingend weitere private Aufstellflächen“, sagt Holger Brantin in seiner Funktion als Sprecher des Katholikenrats. „Mit uns zu kooperieren, ist soziales Engagement“, bekräftigt er. Denn tragbare Kleidung werde noch an Bedürftige abgegeben, andere Sachen gehen zur Kleiderbrücke nach Bethel, die Einnahmen kommen sozialen Zwecken zugute. Wer seine Kleidung also in die weiß-blauen „Fairwertet“-Container wirft, tut Gutes und unterstützt zudem vier neue Arbeitsplätze. Wobei die Sammler darum bitten, nur guterhaltene Ware zu spenden, da alles andere mühselig aussortiert und als Müll entsorgt werden muss.

Einstweilen läuft auch der neue Vertrag zwischen der Stadt und den gemeinnützigen Sammlern nur bis Ende kommenden Jahres. Man wolle mit den neuen Partnern zunächst Erfahrungen sammeln, heißt es seitens der Stadt. Derweil geben die „Fairwerter“ die Hoffnung nicht auf, aus dem befristeten Vertrag noch eine dauerhafte Lösung zu machen. „Sonst stehen wir danach womöglich wieder vor der gleichen Situation wir Anfang 2019“, fürchtet Roth.

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