Aachen: Kundgebung und Fest zum Christopher Street Day

500 Gäste feiern den Christopher Street Day : „Unsere Zukunft ist bunt“

„Wir wollen Spaß haben und offen zeigen, wie wir sind“: Das ist laut Romina Hermesmeyer, Queerreferat Aachen, die Essenz des alljährlichen Christopher Street Days in Aachen. Rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich zunächst zu einer kleinen Kundgebung am Markt, bevor dann alle gemeinsam zum Jakobsplatz wanderten, um dort zu feiern.

Mit bunten Regenbogenfahnen und zum Teil schrägen Outfits zogen die Teilnehmer dabei die Blicke der Passanten auf sich. „Es hat sich schon viel verändert“, meint Romina mit Blick auf die trans- und homosexuelle Community. Es ist demnach noch nicht lange her, da mussten gleichgeschlechtliche Paare damit rechnen, auf offener Straße angespuckt zu werden, wenn sie Hand in Hand gingen.

„Jedes Aufstehen beginnt mit deiner Stimme“, betonte Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt. Sie erinnerte an die Ursprünge des Christopher Street Days: Im Juni vor 50 Jahren kam es in New York zum legendären Stonewall-Aufstand: Afroamerikaner und Lateinamerikaner wehrten sich gegen die Polizeiwillkür und die ständigen Razzien in Kneipen mit trans- und homosexuellem Publikum. Heute zeigen sich Lesben, Schwule sowie Transsexuelle vor dem Aachener Rathaus mit großem Selbstbewusstsein. „Die Welt ist bunt, und es gibt eben mehr als nur eine sexuelle Orientierung“, sagen die Teilnehmer.

„Die Gesellschaft ist vielfältig“, meint auch ScarlettO‘hera: Gemeinsam mit Miss Oranija ist sie das beste Beispiel für die bunte Welt der Travestie. „Ich habe mich schon als kleiner Junge gerne als Frau verkleidet“, sagt ScarlettO‘hera, die in einem engen Glitzeranzug steckt. Beide tragen Schuhe mit extrem hohen Absätzen und ragen aus der Menge heraus. Ihre Leidenschaft, sich zu verkleiden, habe nichts mit ihrer sexuellen Orientierung zu tun, sagen sie einmütig. Sie sind Verkleidungskünstler, die auf der Bühne auch singen. Miss Oranija hat zudem in Weisweiler eine Eventkneipe eröffnet, in der eben diese bunte Vielfalt gefeiert werden soll.

Alle gemeinsam kämpfen für Akzeptanz und Offenheit. Laut Marianne Conradt ist das heute vergleichsweise einfach. „Lassen Sie sich von niemandem das Recht streitig machen aufzustehen!“, meinte sie weiter. Die Musikerin Amy Wald tourt derzeit durch Deutschland, um den Christopher Street Day zu feiern und zu unterstützen. Die Österreicherin hatte im vergangenen Jahr mit ihrer „Single „Liebesleben“ einen ersten, vielbeachteten Erfolg. Bei der Kundgebung vor dem Rathaus stand sie gleichsam in zweiter Reihe hinter ihrer Freundin Valentina Vale, die das Fest gemeinsam mit Elisa Keitsch und Svenja Bridenbach, Knutschfleck e.V., offiziell eröffnete.

Am Jakobsplatz stand dann der Nachmittag ganz im Zeichen eines Bühnenprogramms mit viel Musik. Außerdem präsentierten sich dort Organisationen wie der Verein Knutschfleck, das Queerreferat an den Aachener Hochschulen, Rainbow Sports, die Aidshilfe oder der Jugendtreff Knutschfleck.

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