Aachen: Klauser Krippe begeistert ganz Kornelimünster

Es weihnachtet! : Ein Kunstwerk aus Steinen und Wurzeln

Dieter und Kurt Jung bauen seit Jahren die Krippe in der Klause Kornelimünsters auf. Ein Spaziergang dorthin lohnt, besonders an Heiligabend.

Es gibt diese kleinen familiären Traditionen, die will man einfach nicht aufgeben. Vor allem nicht zur Weihnachtszeit. Das Plätzchenbacken mit Oma, der lecker duftende Entenbraten mit Rotkohl und Knödeln zu Heiligabend und das Aufstellen des Weihnachtsbaumes, auf den die schmucke Spitze immer erst ganz zum Schluss kommt. In einigen Familien haben die Traditionen zur Weihnachtszeit  allerdings noch ganz andere Ausmaße angenommen. So zum Beispiel bei Familie Jung. Neben ihren kleineren Ritualen haben sie nämlich auch ein ziemlich großes – und das gleich seit einigen Generationen: das Aufbauen der Krippe in der Klause.

Auf dass die Höhle hält

Mit Blick über Kornelimünster lässt es sich prima über die Klauser Straße hoch zur Kapelle „Maria im Schnee“ von 1658 wandern. Die kleine Klauser Kapelle lädt ein zu einer kurzen Pause, schließlich ist der Weg bis dorthin nicht ganz unbeschwerlich, führt über einen Anstieg, Laub und auch durch Matsch. Dennoch bietet sich vor allem am heutigen Heiligabend eine gute Gelegenheit zu einer kleineren Wanderung. Denn es lohnt sich, die Klause zu erklimmen: Dieter und Kurt Jung haben im Inneren des alten Gemäuers eine riesige Krippe aufgebaut. Rund zwei Wochen haben sie gemeinsam mit zwei weiteren Familienmitgliedern daran gearbeitet, Wurzeln und Steine geschleppt, Tannenzweige und Laub besorgt, Moos und Figuren drapiert. Sogar einen Bachlauf gibt es. Und auch eine Höhle. Und die hat schon für die eine oder andere kleinere Krise gesorgt.

Dieter und Kurt Jung bauen traditionell die Klauser Krippe auf. Diese Tradition haben sie von ihrem Vater übernommen, und der von seinem Vater. Foto: ZVA/Harald Krömer

Dieter (61) und Kurt Jung (70) haben diese Tradition von ihrem Vater Josef übernommen und der von seinem Vater. Die beiden Krippenbauer schätzen, dass die Krippe erstmals um 1920 aufgebaut wurde. Seit dem Jahr 2000, nach dem Tod ihres Vaters, haben Dieter und Kurt Jung die Aufgabe übernommen. „Es lag meinem Vater immer am Herzen, dass die Krippe weiter aufgebaut wird“, sagt Kurt Jung. Früher, da habe ihr Vater alles allein gestaltet. „Wir haben zwar mal als Jugendliche geholfen, aber meistens hat er alles selbst gemacht“, so Jung weiter. Es war eben Josef Jungs eigene Tradition, für die er sich gerne Zeit nahm. Knapp drei Wochen habe er jedes Mal gebraucht. „Inzwischen ist die Krippe aber viel größer als früher. Ich weiß noch, als ich klein war, stand sie nur in einer Ecke“, so Kurt Jung. Dieser Tage füllt sie beinahe die gesamte rechte Wand aus, steht auf zwei Tischen und einem kleinen Gerüst. Die Steine, Wurzeln, das Holz – fast alles stammt aus dem umliegenden Wald und ist teils so alt wie die Krippe selbst. „Die Steine und Wurzeln heben wir jedes Jahr auf und lagern sie trocken. Tannenzweige besorgen wir im Grünflächenamt. Tannen wachsen hier nicht“, so Kurt Jung. Diesmal hatten die Jung-Brüder sogar noch mehr Glück. Ein Nachbar hat eine alte Tanne gestutzt, und so konnten sie ein paar Zweige abzwacken. Die Figuren, das Jesuskind, Maria, Josef, Schafe und Hirten werden ebenfalls gut gehütet. „Vor zwei Jahren hat meine Nichte sie alle überarbeitet und ausgebessert“, sagt Kurt Jung, sodass auch in diesem Jahr wieder alles wie neu aussieht. Neu ja, aber auch nicht zu neu. „Es soll schon jedes Jahr in etwa gleich aussehen“, so Kurt Jung. Denn die Krippe hat ihre Fans. Viele Menschen kommen zu Heiligabend oder an den Tagen danach rauf zur Klause. „Manche fragen auch vorher schon, ob es sie wieder gibt und falls ja, wann“, so Kurt Jung. Kein Wunder, schließlich ist sie mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Das Lieblingsstück der Brüder ist ganz klar die beleuchtete Höhle. „Vier Stunden haben wir dafür gebraucht. Sie ist nämlich immer wieder eingebrochen“, sagt Kurt Jung und lacht. Im letzten Jahr hat er nur eine Stunde dafür benötigt. Da die Steine und Wurzeln, die sie verwenden, aber nicht nummeriert sind, sondern jedes Jahr neu angeordnet werden, hält die eine Konstruktion eben besonders gut, die andere eher weniger. „Man darf nur nicht aufgeben“, so Jung. Das wollen sie auch nicht. „So lange wir können, machen wir weiter.“ „Es ist einfach eine Familientradition“, so Dieter Jung. Und so schön diese auch ist, eine Krippe im eigenen Heim stellt Dieter Jung nicht auf. „Eine reicht“, sagt er und lacht. Kurt Jung hingegen hat eine. „Das muss sein, das gehört einfach dazu.“ Die heimische Krippe dürfte schneller aufgebaut sein als die in der Kapelle. Und es wird wohl auch wärmer sein. „Aber dieser Winter war harmlos. Wir haben sie auch schon aufgebaut, da waren vorher alle Wurzeln und Steine voller Schnee und teils gefroren“, sagt Kurt Jung. Auch wenn es in diesem Jahr wärmer war, ist es in der Klause recht frisch. Für die Jung-Brüder ist das allerdings kein Problem.

Bei Kaffee oder Kakao

Die Jung-Brüder legen Wert auf jedes Detail. Die Figuren wurden daher vor einiger Zeit von ihrer Nichte überarbeitet. Foto: ZVA/Harald Krömer

Wer sicher sein möchte, ob denn auch wirklich keiner der verwendeten Tische noch zu sehen ist, ob das Wasser fließt und die Höhle hält, der kann der Klauser Kapelle ab heute bis Mariä Lichtmess (2. Februar) einen Besuch abstatten. Neugierige erwartet zudem Glühwein, Kaffee oder Kakao. Zumindest bietet die Familie Jung diese Stärkungen oben an. Und wer möchte, kann eine Spende in den Opferstock werfen. Das Geld kommt krebskranken Kindern zugute. Denn die Jung-Brüder errichten die Krippe wie ihr Vater: ehrenamtlich. Im Hause Jung hat das eine Tradition.

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