Aachen: Kirchengeläut in der Domstadt wird leiser

Abgeschaltet : Wegen zu lauter Glocken um Mittagsruhe gebracht

Nicht nur Beschwerden von Bürgern führen dazu, dass Aachens Kirchen seltener läuten. Der traditionelle „Angelus“ und das Geläut vor Messen sind spürbar auf dem akustischen Rückzug.

Das neue Kapitel, das die katholische Kirche einläutet, kommt künftig häufiger ohne Glocken aus. Das Geläut in der Kaiserstadt ist auf dem akustischen Rückzug – was gleich mehrere Gründe hat. Im Umfeld von Aachens höchster Pfarrkirche St. Jakob genügte zum Beispiel zuletzt die Beschwerde eines Nachtarbeiters, der nach seiner Schicht regelmäßig um seine mittägliche Ruhe gebracht wurde, um den sogenannten „Angelus“ (Engel des Herrn) sozusagen stummzuschalten.

„Es gibt keine Läutordnung, die für das gesamte Bistum Aachen gilt“, erklärt dazu Anja Klingbeil von der Pressestelle des Generalvikariats. „Jede Pfarrei und Gemeinde hat eine eigene Ordnung, wann und wie oft geläutet wird. Traditionell ist das meistens morgens, mittags und abends sowie zu besonderen Anlässen der Fall. Der Angelus strukturiert den Tageslauf mit dem dreimaligen Beten des ,Gegrüßet seist du, Maria’. Er erinnert an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus.“, erläutert sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Im Rheinland geläufig ist dabei folgender Ablauf: zunächst drei Pulse à drei Schläge, die jeweils durch eine Pause von zehn bis 20 Sekunden getrennt werden. In den Glockenpausen sollten Gläubige beten. Darauf schließt sich dann ein ein- bis fünfminütiges Nach- oder Ausläuten an. Im Aachener Jakobsviertel ist dies nun auf Geheiß der Gemeindeleitung vorbei, wie die Pfarrgemeinschaft am Montag bestätigt. Geläutet wird um 12 Uhr aber nach wie vor – nämlich um die Uhrzeit wie zu jeder vollen Stunde von 6 bis 22 Uhr anzuzeigen. Für die Viertelstundenschläge wird in St. Jakob dann nach wie vor die älteste Glocke der Stadt, die Jakobusglocke aus dem Jahr 1401, angeschlagen; für den eigentlichen Stundenschlag daneben eine Glocke aus dem Jahr 1502. Um 12 Uhr sind dies demnach vier Schläge als Zeichen der vollen Stunde und zwölf Schläge für die eigentliche Uhrzeit. Einzelne Pfarren im Aachener Stadtgebiet führen aber zusätzlich die Tradition des Angelus fort.

Grundsätzlich gilt: Es wird weit weniger geläutet als früher. Was nicht nur daran liegt, dass jeder Bürger eine Uhr am Handgelenk und inzwischen ein Smartphone in der Tasche hat. „Niemand ist mehr darauf angewiesen, dass die Uhrzeit aus den Kirchtürmen kundgetan wird“, heißt es aus dem Generalvikariat. Allerdings führen Katholikenschwund und Priestermangel seit Jahren dazu, dass es im ganzen Bistum Aachen immer weniger Gottesdienste gibt. In früheren Jahren wurde etwa in St. Jakob sonntags zu den Messen um 7.45 Uhr, 9 Uhr, 10 Uhr, 11.30 Uhr und 19 Uhr geläutet – teils minutenlang im „Vollgeläut“. Heutzutage gibt es sonntags noch noch zwei Messen: die Eucharistiefeier um 11.45 Uhr und um 13 Uhr den Gottesdienst für die afrikanische, französischsprachige Gemeinde. Dann wird geläutet.

„Wie oft an den Kirchen im Bistum Aachen die Glocken geläutet werden, dazu gibt es keine zentrale Statistik. Deswegen ist auch ein Vergleich zu früheren Jahren schwierig“, erklärt Anja Klingbeil. Dass die katholische Kirche – nicht nur aufgrund von Klagen und Beschwerden – auch akustisch auf dem Rückzug ist, bleibt indes für viele traditionell christliche Glaubensleute ein schwerer Schlag.

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