Aachen: Kinder und Jugendliche vor den Schattenseiten schützen

Auszeichnung : Bündnis für mehr Sicherheit beim Sport

Der Tanzsportclub Grün-Weiß Aquisgrana vom vom Stadtsportbund ausgezeichnet. Das große Engagement für Kinder- und Jugendschutz zeigt bereits Wirkung.

Das Training mit Kindern und Jugendlichen unterliegt einer besonders großen Verantwortung. Sexuelle Belästigungen, Machtmissbrauch, verbale und körperliche Übergriffe gehören zu den Schattenseiten unserer Gesellschaft. Sie können überall dort vorkommen, wo Menschen gemeinsam agieren, also in Familien, Nachbarschaften, Schulen und auch im Sport.

„Sport scheint ein geschützter Raum zu sein“, erläuterte Nadine Frey, Geschäftsführerin des Stadtsportbundes Aachen. „Doch weil im Sport viele Emotionen und Körperkontakt ganz alltäglich sind, macht es den Bereich Sport leider für potenzielle Täter attraktiv.“

Deswegen startete 2013 das Pilotprojekt zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport, das später zum Qualitätsbündnis übergegangen ist. Insgesamt machten sich 20 Vereine für den Kinder- und Jugendschutz stark, der Tanzsportclub Grün-Weiß Aquisgrana Aachen ist einer davon und wurde jetzt im Rahmen des Sommerfestes für die erfolgreiche Teilnahme am Projekt durch den Stadtsportbund ausgezeichnet.

Ziel des Pilotprojektes war es, den Kinder- und Jugendschutz sowie die Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport in den Vereinen fest zu verankern. Ein offener, aktiver Umgang mit diesem Thema, Transparenz und eine klare Positionierung gegen jegliche Form von sexualisierter Gewalt setzen deutliche Signale und schrecken potenzielle Täter und Täterinnen ab. „Wenn das Thema angesprochen wird, verlieren Täter ihren geschützten Raum“, hofft Frey.

Um dies umsetzen zu können, mussten einige Maßnahmen eingeführt werden: „Wenn Vereine neue Übungsleiter einstellen, muss ein Führungszeugnis eingereicht werden und ein Ehrenkodex unterschrieben werden“, so Frey. Geschulte Ansprechpartner agieren in den Vereinen als Vertrauenspersonen und sind dadurch hohen Belastungen ausgesetzt. Deswegen kooperieren die Vertrauenspersonen mit den Fachberatungsstellen, die dann den jeweiligen Fall beurteilen. Außerdem stellt jeder Verein ein Regelwerk für die Jugendarbeit auf. „Das ist natürlich abhängig von der Sportart“, meinte Frey, sodass der Stadtsportbund lediglich Vorschläge unterbreitet.

Jede Menge zusätzliche Arbeit für Mitarbeiter und Ehrenamtler: „Dem Verein wird sehr viel abverlangt“, so Frey, „beachtlich, dass Alexandra Lueg sich dafür einsetzt.“ Doch es lohnt sich: „Es dient dem Schutz der Übungsleiter und der Kinder“, betonte Frey.

Wichtig sei allerdings, dass alle darüber informiert sind, das gelte für Übungsleiter, Kinder und Eltern gleichermaßen. Als Jugendschutzbeauftragte nahm Alexandra Lueg an der zweitägigen Schulung teil. „Wir haben viele Maßnahmen umgesetzt, das Thema angesprochen und alle informiert“, berichtet sie. „Das hat für viele den Blick geschärft.“

Gerade beim Tanzen sei es ein schmaler Grat – der lockere Umgang, Körperkontakt, Küsschen und Umarmungen bei Ehrungen gehören dazu. „Doch nicht jeder mag es“, betonte Lueg. Es sind viele kleine Dinge, auf die vorher keiner geachtet habe. Doch sei das Feedback aller – inklusive der 50 Trainer – durchweg positiv.

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