Aachen: Karneval bei der Stadtpuppenbühne Öcher Schängche

Wenn die Puppen närrisch werden : Schängche ist ein Karnevalsjeck

Es ist die kleinste Bühne, die es im Aachener Karneval gibt, und vielleicht doch die größte. Am Wochenende gab die Stadtpuppenbühne ihre ersten drei von fünf Vorstellungen unter dem Motto „Vür fiere met et Schängche Fastelovvend“.

Otto Trebels, Leiter der Stadtpuppenbühne, begrüßte das Publikum am Freitagabend zur 23. Ausgabe des Schängche-Karnevals. 700 Gäste können bei den fünf Vorstellungen dabei sein, mehr Platz bietet der Theatersaal in der Barockfabrik nicht. Etwa 550 Karten gehen an die Mitglieder des Förderkreises „Öcher Schängche“, die beim Verkauf bevorzugt werden.

Was früher einmal ein Vorabinformation war, ist inzwischen das Ritual zu Beginn des Programms: Der Saal stimmt mit ein, wenn Otto Trebels auf Öcher Platt die allgemeine Belehrung über Rauchverbot, Handynutzung und die Toiletten im Untergeschoss vorträgt. Es ist Mitmach-Karneval in der von der ersten Minute an. Dosen mit Käsewürfeln machen die Runde. Es folgen Püffelchen, Muzen und Frikadellchen. Leise zischen die Sektkorken. Die Zuschauer haben es sich gemütlich gemacht.

Und dann passiert etwas Unerwartetes. Die Verlosung findet gleich zu Anfang statt. Das Losglück fällt auf die gute Seele des Stauferkellers, Heimstatt des Öcher-Platt-Vereins. Christel Leuchtenberg, die mit ihrem Mann Gerd in der ersten Reihe sitzt, gewinnt zwei Karten fürs Erwachsenenstück „De Fraulü vajjene Maat“.

Dessen Kulisse ist auch der Rahmen des Karnevalsstücks, in das die Beiträge des Ensembles und der externen Akteure eingebettet sind. Die kleine Geschichte geht so: Altweibertreiben in der Kaiserstadt. Schängche (Peter Reuters) und Gretchen (Gabi Herschbach) turteln verliebt um den Eäzekomp, Tant Hazzor (Elfriede Schultz) ist darüber empört. Nieres und Veries sind, es war nicht anders zu erwarten, voll. Kaiser Karl (Dirk Chauvistré) betritt die Szene, ihm behagt das närrische Treiben in seiner Pfalz überhaupt nicht.

Doch seine Meinung fällt im Fastelovvend nicht ins Gewicht. Anders sieht das bei der Prinzengarde aus, die Prinz Tom I. (Müller) bei jeder der fünf Vorstellungen zum Schängche begleitet. Es sind aber nicht nur die rund 30 Männer mit Tanzmarie, die auf der zehn Quadratmeter kleinen Bühne schwer wiegen. Es sind am Freitagabend vor allem die Worte von Dirk Trampen.

„Karneval, den wir brauchen“

Die Prinzengarde selbst hat sich inzwischen eher einen Ruf als Partyveranstalter im Öcher Karneval gemacht. Ihr Kommandant schlägt andere Töne an, als er zunächst Christel Leuchtenberg in der ersten Reihe anspricht: „Sie geht hier nie wieder weg, sie bleibt das ganze Jahr hier sitzen. Du hast dich nicht verändert in den letzten 40 Jahren“. Was Prinz Tom als Witz aufzufassen scheint, ist Trampen ernst gemeint. „Tom, du hast das nicht verstanden“, erklärte er seinem diesjährigen Prinzen. „Das ist der Karneval, den wir brauchen. Die Tradition, die unsere Stadt nach vorne bringt.“ Trampen beendet sein Grußwort geradezu schwärmerisch: „Hier erlebst du, was Begeisterung für den Karneval heißt.“ Tom I. pariert brillant: „Das Publikum in der Puppenbühne ist der Grund, weshalb ich überhaupt Prinz werden wollte!“ Souverän nimmt Puppenbühnenleiter Otto Trebels die Lobeshymnen entgegen: „Dirk, du hast vollkommen recht“. Genug der Worte.

Das Publikum 15 Minuten lang bei voller Aufmerksamkeit zu halten, gelingt Aachener Premium-Komödianten wie Resi Schumacher und Albert Henrotte spielend. Dabei kommt es weniger darauf an, über was sie sprechen, sondern wie sie das auf Öcher Platt sagen. Das haben sie mit ihrer Szene von der Lichterkette schon bei der Thouet-Preisverleihung bewiesen.

Singende Ensembles wie Tästbild und De Pöngche wissen inzwischen, dass sie ihr Publikum in der Puppenbühne erst dann von den Stühlen reißen, wenn sie die altbekannten Aachener Stimmungslieder bringen. Hans Montag gelingt das mit dem Klassiker „Wer einmal in Aachen war“. Der Männerchor Capella à Capella stellte sich zum Begleitgesang hinter Dirk von Pezold, den Grandseigneur des Karnevalsgesangs, auf. Mit Mannslü (Grönemeyers „Männer“ in der Version von Paul Drießen) statt My Way und nur einem bisschen Lennet Kann hat von Pezold den Geschmack des Publikums getroffen.

Heimatgedichte und Lieder

Die Puppenspieler selbst bringen sich in die Karnevalsvorstellungen mit Heimatgedichten und Liedern ein. Der kreativste Kopf dabei ist Paul Drießen, Generalmusikdirektor des Ensembles. Er dichtet und komponiert eigene Stückchen wie das, was Veries (alias Albert Baurmann) vortrug: vom „Schatz, deä drägt sing Heämet e si Hazz“. Elfriede Schultz und Dirk Chauvistré stimmten gemeinsam „Et tröckt mich noeh heäm noeh ming Kejserstadt“ an. Bei allen Stücken hat Ägid Lennartz die Begleitung am Keyboard übernommen.

Aus dem Pech&Schwefel-Kabarett haben sich die Figuren Herr von Stenz (ebenfalls Paul Drießen) und Busenwunder Titti (alias Alexandra Renardy) inzwischen im Öcher Puppenkarneval etabliert. Das Titti mehr kann als mit ihrem Busen wackeln, zeigt sie im Vortrag mit Frau Knoppholz (Hanna Birmanns) über „Dr enge än dr angere“ von Heimatdichter Jupp Steinhauer. Seinem Nieres hat Paul Drießen zur Melodie von „If I only had time“ ein paar „Theken-Gedanken“ angedichtet. Auf Anna Inkmanns Vortrag als Frau Schwammdrüber warteten die Zuschauer am Freitag vergebens, sie konnte krankheitsbedingt nicht auftreten.

Zwei weitere Vorstellungen gibt das Ensemble der Puppenbühne am nächsten Wochenende. Auf der kleinen Bühne stehen dann wieder die Großen des Öcher Karnevals, darunter Kurt Christ, Willy Schell, das Lichtenbuscher Dreigestirn und natürlich Prinz Tom und die Prinzengarde.

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