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Aachen: Käthe-Kollwitz-Schule freut sich über erfolgreichen Schüler

Flüchtling aus Bangladesch ist jetzt Beikoch : Lalmiah Mohammed gehört zu den besten Azubis im Land

Als Flüchtling kam Lalmiah Mohammed aus Bangladesch nach Deutschland. Seine dreijährige Ausbildung zum Beikoch hat er mit sehr guten Noten abgeschlossen. Geholfen hat ihm auch die individuelle Sprachförderung an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen. Nun will er Koch werden.

Er war 16, als er aus Bangladesch nach Deutschland kam, sprach kein Deutsch und war ganz auf sich allein gestellt. Heute ist Lalmiah Mohammed auf dem besten Weg, seine Ausbildung zum Koch mit Erfolg zu beenden. Die erste Hürde hat er schon genommen. Drei Jahre lang hat er sich zum Beikoch ausbilden lassen, jetzt wagt er den Sprung in die Ausbildung zum Koch. Bei seinen Vorkenntnissen kann er die in nur einem Jahr abschließen. „Und er wird das schaffen“, zeigt sich Hiltrud Köller, Bildungsgangleiterin Fachpraktiker Küche am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg, überzeugt. Immerhin hat Lalmiah die Ausbildung zum Beikoch mit Bravour absolviert: Sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil hat er mit der Note 1 abgeschlossen. „Und das ist etwas ganz Besonderes“, meinen alle, die Lalmiah auf seinem Weg begleitet haben und noch immer begleiten.

Denn ohne Sprachkenntnisse ist eine solche Ausbildung alles andere als ein Kinderspiel. „Viele Flüchtlinge bestehen ihre Prüfungen allein deshalb nicht, weil sie Schwierigkeiten haben, die Fragen zu verstehen“, sagt René de Costa, Bildungsgangleiter Köche. Die nämlich seien oft derart kompliziert formuliert, dass sie zum Teil nicht einmal die deutschen Azubis problemlos verstehen könnten.

Lalmiah ließ sich davon nicht schrecken. Er nahm kurz vor seiner Prüfung sogar Urlaub, um sich intensiv vorzubereiten. „Heute verstehe ich schon sehr gut“, sagt er. Und das hat er letztendlich auch der individuellen Förderung an der Käthe-Kollwitz-Schule zu verdanken. Denn die bot nehmen der fachlichen Ausbildung eben auch eine ganz individuelle Sprachförderung, die die besonderen Anforderungen der theoretischen Ausbildung immer im Blick hatte.

Mit diesem Angebot reagierte die Schule auf den Anstieg von Flüchtlingen vor einigen Jahren. Denn Flüchtlinge haben laut de Costa kaum eine Chance, wenn sie dem Regelunterricht folgen müssen. Der theoretische Teil sei schließlich zum Teil schon für deutsche Schüler ein Problem. „Wer also nur gebrochen Deutsch spricht, hat da keine Chance“, so de Costa. Er würde sich wünschen, dass der Fragenkatalog der Prüfungen in eine einfache, verständliche Sprache übersetzt würde. „Aussicht darauf besteht aber wohl kaum“, meint er. Lalmiah Mohammed wusste von Anfang an, dass es ohne gute Deutschkenntnisse nicht geht, und hat sich entsprechend „reingehängt“.

Landesbestenehrung im November

Ehrgeizig, engagiert und ausdauernd: So beschreiben ihn seine Lehrer. Ganz offensichtlich sind Sie sehr stolz auf ihn, und im November begleitet ihn Hiltrud Köller zur Landesbestenehrung nach Hagen: Denn dort wird Lalmiah Mohammed offiziell für seine Leistungen geehrt. Er selbst ist dankbar für die Chance, die er in Deutschland bekommen hat. Dabei war schon sein Start im neuen Land vom Glück begleitet. Er wurde bei seiner Ankunft 2014 vorübergehend in einem Hotel in Stolberg untergebracht und knüpfte dort Kontakt mit dem Besitzer. Als Lalmiah später einen Ausbildungsplatz suchte, bot ihm genau dieser Hotelbesitzer einen an. Und an der Käthe-Kollwitz-Schule bekam er neben der herkömmlichen Ausbildung eine individuelle Sprachförderung.

Heute ist Lalmiah Mohammed 21 Jahre alt, hat den Führerschein gemacht, beendet die Ausbildung zum Koch bei Generali in Aachen und besucht weiterhin das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg. Deutschland schätzt er vor allem auch wegen seiner Regeln und Gesetze. „In Bangladesch kann man ohne Führerschein Auto fahren, und es gibt keine Versicherungen oder Krankenkassen“, sagt er. Und natürlich unterscheidet sich auch das Essen ganz wesentlich. „In Bangladesch wird sehr scharf gewürzt“, sagt er, aber genau das hat er sich inzwischen abgewöhnt. „Lachs mit selbstgemachten Kroketten“ ist das Gericht auf seiner deutschen Speisekarte, das er am liebsten mag. In der Küche steht er sehr gern. „Ich habe früher schon meiner Mutter beim Zubereiten der Speisen geholfen“, sagt er. Und der praktische Teil seiner Ausbildung ist auch der, der ihm wohl am wenigsten Probleme bereitet.

Seinen Lehrern und Betreuern ist anzumerken, wie zufrieden sie mit ihrem Schüler sind. Denn auch die Schule musste vor einigen Jahren auf den starken Andrang von jungen Flüchtlingen reagieren. In diesem Jahr haben laut de Costa 48 Köche ihre Ausbildung begonnen, davon haben 14 den Bedarf einer besonderen Sprachförderung. „Das ist vergleichsweise wenig“, sagt de Costa. Die Neuankömmlinge werden gemeinsam in einer Sprachförderklasse unterrichtet. Insgesamt verzeichnet das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg sinkende Schülerzahlen.

Im Bereich „Gastgewerbe“ gibt es derzeit um die 500 Schüler, die in unterschiedlichen Bildungsgängen unterrichtet werden. Neben Beiköchen und Köchen gehören dazu Hotelfachleute, Restaurantfachleute, Fachkräfte Gastgewerbe und Fachleute Systemgastronomie. Lalmiah Mohammed hat drei Jahre im Hotel-Restaurant in Galmai in Stolberg-Zweifall gelernt, und hat jetzt in Aachen bei der Generali einen Ausbildungsplatz in der Kantine. Und damit ist er laut de Costa sehr gut gerüstet, um später als Koch eine feste Anstellung zu finden. Alle gehen dabei wie selbstverständlich davon aus, dass Lalmiah Mohammed auch die nächste Prüfung erfolgreich absolvieren wird.