Aachen: „JazzBühne“ begeistert das Publikum

„JazzBühne“ im Aachener Grenzlandtheater : Bühne frei für die „Gitarrenhelden“

Was ist erstaunlicher an diesem Vormittag im Grenzlandtheater Aachen? Ein bis auf den letzten Platz ausverkaufter Zuschauerraum, fünf Könner, die auf der Bühne mindestens so viel Spaß haben wie ihr Publikum, oder das nahezu körperliche Erleben von Musik? Bei der „JazzBühne“ standen am Sonntag „Gitarrenhelden von Django Reinhardt bis George Benson“ im Mittelpunkt.

Der Aachener Saxophonist, Komponist und Musikproduzent Heribert Leuchter hatte hierzu Kollegen um sich versammelt, die – wie er – Meister ihres Fachs sind. Der niederländische Gitarrist Wolf Martini, der zudem mit Eigenkompositionen glänzte, übernahm mit musikalischem Einfühlungsvermögen, charmanter Performance und glänzender Technik den Part des „Gitarrenhelden“. Gleichwertige Mitstreiter waren Simon Oslender (Keyboard/Piano), Steffen Thormählen (Schlagzeug) und Werner Lauscher (Bass).

Das von Intendant Uwe Brandt freundschaftlich-locker moderierte Programm bot all diesen Könnern Raum, um ihre Virtuosität in swingende Klanggemälde einzubringen, immer neue Farben und Formen aufleuchten zu lassen und zudem kraftvoll zuzupacken. Neben bekannten Größen wie der legendäre Django Reinhardt oder Henry Mancini nahmen sie ihre Zuhörer mit in die bewegten Werke eines Wes Montgomery oder Coco Schumann.

Die Gitarre – ein Instrument, das zum Dialog auffordert. Wolf Martini bewies jene Qualität, die ein guter Musiker haben sollte: selbstbewusst, kreativ, experimentell, stets mit dem Blick zu den anderen. Man ist dann richtig gut, wenn man den anderen gleichfalls Soli und Applaus gönnt, gekonnt jongliert und sich dabei sichtlich wohlfühlt. Bei der „JazzBühne“ klappte das, ob nun Steffen Thormählen verzückt und filigran, dann wieder kraftvoll und entschieden den Rhythmus mit seinem Schlagzeug prägte, Werner Lauscher mit seinem warmen Bass für eine solide Basis und wunderbare Akzente sorgte oder Simon Oslender mit atemberaubender Musikalität den Part auf den „Tasten“ ausgestaltete, wo immer er im Einsatz war. Heribert Leuchter am Saxophon blieb dabei eine souveräne Größe, die mit spannender Ausstrahlung jedes noch so schlichte Motiv aufblühen ließ.

Jazz ist für sie alle swingendes Lebensgefühl, eine Sprache, die Selbstständigkeit und Emotionen verlangt. Mit „Coconuts“ und „Carrara“ bewies Wolf Martini, dass er zudem als Komponist stark ist. Diese Stücke repräsentierten im umfangreichen Programm seine Verbindung zum Jazz, heiter, nachdenklich, träumerisch, phasenweise kraftvoll und nachdrücklich. Nichts wurde überzeichnet, alles angedeutet. Django Reinhardts Gipsy-Jazz, filmisches Schwelgen, Poesie wie Sondheims „Send in the Clowns“, die von Gefühlen, aufbrausenden Leidenschaften und den Aromen anderer Länder erzählen. Mit „Mimosa“ von George Benson wehte ein warmer Wind durch das Theater, gab es ein bisschen karibisches Schwingen. Die Gitarre erwies sich als gutes Thema, um über ungewöhnliche Genies zu plaudern oder sogar in den fröhlichen Choral „Danke, für diesen guten Morgen“ einzustimmen, den Uwe Brandt auf seiner kleinen Gitarre zum Start anstimmte.

Ja, auch er ist Gitarrist! Aber zugleich Theaterleiter: Noch bevor der die nächste „JazzBühne“ am 6. Oktober (Tickets ab 24. Juni) ankündigte, wies Brandt auf den Start des Vorverkaufs zur neuen Spielzeit im Haus in der Elisengalerie am 22. Juni hin. Die „JazzBühne“ im Oktober widmet sich „Blue Notes“, dem Plattenlabel für Jazzmusik, das 1939 von den deutschen Auswanderern Alfred Lion und Francis Wolff in New York gegründet wurde.

www.grenzlandtheater.de

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