Aachen: Ist der Standort Welsche Mühle in Haaren vom Tisch?

Geplanter Kita-Neubau in Haaren : Verwaltung nimmt weitere Grundstücke unter die Lupe

Wo kann in Haaren eine neue Kindertagesstätte gebaut werden? Die Verwaltung wird hierzu neue Optionen prüfen. Das hat der städtische Kinder- und Jugendausschuss einstimmig beschlossen. An dem zunächst ins Auge gefassten Areal unweit der Welschen Mühle hatte es massive Kritik aus der Bevölkerung gegeben.

Alles auf Anfang: Die Verwaltung wird das städtische Grundstück Burghöhenweg/Am Burgberg in Haaren daraufhin prüfen, ob es als Standort für eine neue Kindertagesstätte infrage kommt. Aber auch weitere mögliche Standorte im Stadtteil sollen unter die Lupe genommen werden. Das hat der Kinder- und Jugendausschuss einstimmig beschlossen. Er folgt damit einer Empfehlung des städtischen Bürgerforums, das nach massiven Protesten aus der Bevölkerung in Haaren vom bis dahin vorgesehenen Standort unweit der Welschen Mühle abgerückt war.

Dass Haaren dringend neue Kita-Plätze braucht, ist unstrittig. Bedenken gibt es jedoch gegen den Bau einer sechsgruppigen Einrichtung ausgerechnet auf einer Streuobstwiese an der Welschen Mühle. Wie die Verwaltung schon fürs Bürgerforum dargelegt hatte, waren im Vorfeld acht denkbare Standorte untersucht worden. Drei kamen in die engere Wahl. Nicht dabei war das Grundstück Burghöhenweg/Am Burgberg und auch nicht das Areal Hofenbornstraße/Auf der Hüls. Über diese beiden Optionen wurde deshalb auch zunächst nicht weiter diskutiert.

Zum Burghöhenweg stellt die Verwaltung fest, dass ein Kita-Neubau dort grundsätzlich möglich sei. Viele Details seien aber noch zu klären, unter anderem die konkreten Eigentumsverhältnisse, die technische Bebaubarkeit, Verkehr und Lärm sowie die Kinderzahlen im Bereich. Für das Grundstück Hofenbornstraße ist laut Verwaltung noch gar nicht geprüft, ob ein Kita-Neubau planungsrechtlich überhaupt möglich wäre.

Für 15 Monate ausgelagert

Beschlossen hat der Jugendausschuss ferner die Sanierung und Modernisierung der Kindertagesstätte am Eibenweg in Haaren. Das Gebäude dort entspricht nicht mehr den geforderten Standards. Die vier Betreuungsgruppen müssen für die wahrscheinlich 15-monatige Bauzeit ausgelagert werden – und zwar gleich an zwei Standorte. Die „Großen“, alle Kinder ab drei Jahre, ziehen in die Pavillons an der Schagenstraße in Brand. Derzeit sind dort noch die beiden „Vorläufergruppen“ der neuen Kita Benediktusstraße (Brand) untergebracht. Für die U3-Gruppe aus dem Eibenweg werden Räume in der Grundschule Am Haarbach umgebaut und hergerichtet.

Einstimmig steht der Kinder- und Jugendausschuss hinter dem Entwurf für die Kindertagesstättenbedarfsplanung 2019/2020. Können die Vorschläge der Verwaltung umgesetzt werden, entstehen in Aachen 84 neue Betreuungsplätze für Kinder über drei Jahren und 71 Plätze für Kleinkinder unter drei. Da die Kinderzahl in Aachen weiter wächst, verbessert sich Aachen bei der Versorgungsquote aber nicht. Im U3-Bereich bleibt es bei gut 46 Prozent, im Ü3-Bereich bei knapp 94 Prozent, erläuterte Kita-Planerin Melanie Olbertz, die das Planwerk erstmals federführend erstellt hat. Neue Kita-Plätze sind mittlerweile fast nur noch über große Neubauprojekte zu schaffen. Und auch da sind die Hürden – siehe Haaren – häufig hoch. Grundstücke müssen gefunden werden, die gute Baukonjunktur verzögert das Bauen und heizt die Preise an, und zu guter Letzt ist auch das nötige Personal immer schwieriger zu bekommen. „Wenn wir jemanden haben, der den Bagger fährt, haben wir immer noch keine Erzieherinnen, die die Kinder betreuen“, umriss Peter Tillmanns (CDU) das Problem.

Erstmals systematisch überbelegen

Erstmals will die Verwaltung im nächsten Kita-Jahr an einigen städtischen Standorten systematisch das Instrument der Überbelegung von Kita-Gruppen nutzen, um weitere Plätze bereitzustellen. Und während Patrick Deloie (SPD) von einer „guten Übergangslösung“ sprach, sind die Grünen auch kritisch. „Ich hoffe nicht, dass das dauerhaft so sein muss“, sagt Hilde Scheidt. „Das Personal arbeitet teilweise jetzt schon am Anschlag.“

Beim Landesjugendamt zur Förderung anmelden wird die Stadt im Rahmen der Planung auch eine „Notkita“ mit insgesamt 60 Plätzen. „Zur Abdeckung unvorhergesehener Betreuungsengpässe“, heißt es im Beschluss des Kinder- und Jugendausschusses. Verabschiedet wird der Kita-Bedarfsplan im März vom Stadtrat.

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