Aachen: "Insektensommer" des Naturschutzbunds geht in die zweite Runde

Ab 2. August können Beobachtungen gemeldet werden : Gezählt wird alles, was sechs Beine hat

Unter dem Motto „Insektensommer“ hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dazu aufgerufen, Insekten im Feld, Wald und Wiese, in Gärten und auf Balkons zu beobachten und zählen. Am 2. August beginnt nun der zweite Meldezeitraum.

Mitten in Aachen, fast in Sichtweite des Doms, lebt die Ackerhummel. Und die Erdhummel. Und die Westliche Honigbiene. Aufgefallen sind diese Bewohner der City Anfang Juni bei einer „Volkszählung“ der besonderen Art. Im Rahmen der Aktion „Insektensommer“ („Zählen, was zählt“) hatte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum zweiten Mal deutschlandweit dazu aufgerufen, Insekten zu erfassen. Und auch Aachener haben mitgemacht.

Die Datensammlung soll ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt sein. „Jede Meldung zählt“, betont Silvia Teich, Pressereferentin in der Nabu-Bundesgeschäftsstelle in Berlin. Der „Insektensommer“ bringe Menschen dazu, sich mit diesen Bewohnern der Natur zu beschäftigen und zu erkennen, „welch großen Schatz wir da haben“. Mit der Meldeaktion soll auch eine kontinuierliche Erfassung der Insekten etabliert werden. „Valide Daten sind aber erst im Lauf der Jahre zu erwarten“, sagt Teich. „Dazu brauchen wir Vergleichsmaterial.“ Vom 2. bis 11. August geht der Insektensommer nun in die zweite Erfassungs- und Meldephase.

Die Zählerei klingt erst mal einfach. Man sucht sich dafür ein nettes Plätzchen mit Blick ins Grüne. Ideal ist ein sonniger, warmer, trockener und windstiller Tag. In einem Umkreis von höchstens zehn Metern sollte dann eine Stunde lang alles notiert werden, was sechs Beine hat. Zehn Meter rundum, das sind immerhin rund 300 Quadratmeter, und da kreucht und fleucht ganz sicher so einiges. Gezählt werden darf in Gärten und Parks, aber auch im Wald, am Wegrand oder auf dem eigenen Balkon.

An der fuchsroten Farbe und den blauen Halbmonden auf den Flügeln gut zu erkennen: der Kleine Fuchs. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild//Michael Reichel

Idealerweise sollte der Beobachter erkennen, was er sieht. Und da ist die Sache schon nicht mehr ganz so einfach. Immerhin gibt es in Deutschland rund 33.000 Insektenarten. „Bitte geben Sie nur diejenigen Tiere an, die sie bestimmen können“, schreibt der Nabu in seinen Erläuterungen zur Zählaktion. Und: „Es muss nicht die genaue Art sein, auch ‚unscharfe‘ Einordnungen wie Schmetterling, Heuschrecke oder Libelle sind erlaubt.“

Nach acht „Kernarten“ sollen die Beobachter, auch in Aachen, aber besonders intensiv Ausschau halten. Diese Arten kommen – noch – recht häufig vor und sind laut Nabu einigermaßen leicht zu erkennen. Bei den Schmetterlingen sind das Schwalbenschwanz und Kleiner Fuchs, ferner die Ackerhummel, die Blaue Holzbiene, der Siebenpunkt-Marienkäfer, die Streifenwanze, die Blaugrüne Mosaiklibelle und das Grüne Heupferd. Mit dem genauen Blick auf die „Kernarten“ will der Nabu feststellen, ob eigentlich weit verbreitete Arten irgendwo bereits fehlen. Gemeldet werden die Funde im Aktionszeitraum digital auf www.insektensommer.de oder mit der kostenlosen Nabu-App „Insektenwelt“ für iOS und Android, die praktischerweise auch eine Fotoerkennung für 122 Insektenarten bietet.

Wie der Name schon sagt: Der Siebenpunkt-Marienkäfer hat immer sieben Punkte. Foto: Boris Roessler/dpa/Boris Roessler

Aber zurück zu den Aachener Ergebnissen der ersten Zählrunde. Da hat sich zum Beispiel jemand in den Burtscheider Ferberpark gesetzt und offenbar ziemlich genau hingeschaut. Entdeckt wurden dort die Beerenwanze, der Asiatische Marienkäfer oder die Rote Waldameise. In Eilendorf hat ein Teilnehmer seinem Balkon unter die Lupe genommen und unter anderem eine Igelfliege gefunden, eine Sumpfschwebfliege, die Gemeine Florfliege – und 50 Blattläuse. Und auf einem Feld am Steppenberg wurden zum Beispiel der Olivenbraune Zünsler, die Nabis-Sichelwanze und der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer gesichtet.

In der ersten Zähl-Runde vom 31. Mai bis 9. Juni gingen 3622 Meldungen aus ganz Deutschland ein. „Dafür, dass die Aktion noch sehr neu ist, ist das sehr gut“, findet Silvia Teich. Anders als bei der längst etablierten Vogelzählung des Nabu sei es sehr viel schwieriger, Insekten zu bestimmen. „Insekten sind klein, laufen vielleicht weg, und man kennt sie weniger aus dem Alltag.“

Aus Aachen kamen in der ersten Meldephase gerade einmal 16 Meldungen. Da ist also durchaus noch Luft nach oben. „Aus Aachen dürfen gerne noch viel mehr Leute Teilnehmen“, ermuntert Silvia Teich. Die Aktion sei bewusst niederschwellig angelegt, „Man muss nicht jede Insektenart hundertprozentig bestimmen, um teilzunehmen. Naturfreunden, die hier noch etwas unsicher sind, legt Silvia Teich den Nabu-Insektentrainer ans Herz. Das E-Learning-Tool (www.insektentrainer.de) stellt die 16 häufigsten Insektenarten in Deutschland vor. Da erfährt man nicht nur, wie ein Marienkäfer aussieht, sondern auch, dass er im Laufe seines Lebens etwa 5000 Blattläuse verspeist.