Aachen im Rückblick: Der Nahverkehr und seine Tücken.

50 Jahre zurückgeblättert : Die Aseag kommt auch 1969 nicht voran

Es gibt Schlagzeilen, die sind einfach absolut zeitlos. „Aseag will schneller werden“ titelte die Aachener Volkszeitung am 15. August 1969 auf der 1. Lokalseite. In den Aachener Nachrichten hieß es an diesem Tag: „Gebt uns endlich die Bahn frei!“ Ist das 50 Jahre später anders? Eigentlich schon fast erschreckend, wie wenig Problemlösung in fünf Jahrzehnten gelungen zu sein scheint. Blättern wir also einmal zurück, wie der Verkehrsinfarkt zum Ende der 1960er Jahre beschrieben wird. Und wundern wir uns über die Parallelen zur heutigen Zeit...

Dr. Rudolf Gutknecht war offensichtlich ein Mann klarer Worte. Der damalige Chef der Aseag hatte dem Stadtrat einen Maßnahmenkatalog zur „Beschleunigung des Linienverkehrs in Aachen“ vorgelegt. Insgesamt 60 detaillierte Vorschläge, die dem ÖPNV auf die Spur helfen sollten. „Jetzt hat die Stadt Gelegenheit, ihren guten Willen zu zeigen“, zitierte die AVZ den Aseag-Chef. Ein zentraler Punkt damals war: eigene Fahrspuren für die Busse. Das ist in späteren Jahren – übrigens damals auch wieder nur gegen erhebliche Widerstände – zum Beispiel auf dem Adalbertsteinweg und der Jülicher Straße realisiert worden. Eine weitere Forderung war die nach Vorrangschaltungen an Ampeln. Auch die dauerten dann noch viele Jahre, bis sie Normalität wurden.

Einschränkungen

Aber vieles, was im August 1969 so vehement beklagt wird, gilt auch heute noch. Die Verspätungen werden moniert, die zu geringe „Reisegeschwindigkeit“. Dr. Gutknecht sagte: „Seit einigen Jahren ersticken wir in der Flut der Pkw, der Fahrplan steht nur noch auf dem Papier.“ Klar ist den Planern vor 50 Jahren, dass alle Maßnahmen zugunsten des ÖPNV Einschränkungen für den Individualverkehr nach sich ziehen werden. Eine Diskussion, die sich über die Jahrzehnte fortführen wird. Übrigens: Mit keiner Zeile wird in den Zeitungsberichten von 1969 der Radverkehr genannt. Er spielte vor 50 Jahre bei der Verkehrsplanung überhaupt keine Rolle. Die Zeiten ändern sich dann doch...

1969 war auch das Jahr der historischen Bundestagswahl. Im August ist noch nicht absehbar, dass es einen deutlichen politischen Kurswechsel – zur sozialliberalen Koalition – in Bonn geben wird. Alles konzentrierte sich zunächst auf den Wahltermin am 28. September. Ein „Schreiben an die Jungwähler“ druckten beide Zeitungen ab. Unterzeichner waren Oberbürgermeister Hermann Heusch und Stadtdirektor Anton Kurze. „Mit der Vollendung des 21. Lebensjahres sind Sie volljährige geworden“, hieß es darin. Rat und Verwaltung würden Glückwünsche senden. „Die Verantwortung für die Gestaltung Ihres künftigen Daseins liegt nun bei Ihnen.“ Die Jungwähler seien aufgefordert, „am Geschick unserer Stadt, unseres Landes und unserer Bundesrepublik mitzuwirken“. Den Appell, zur Wahl zu gehen, versahen Heusch ud Kurze mit einem eindeutigen Mahnung, oder sollte man sagen Drohung? „Wer sein Wahlrecht nicht nutzt, verletzt seine bedeutendste staatsbürgerliche Pflicht, er verwirkt aber auch das Recht, Kritik am politischen und vaterstädtischen Geschehen zu üben.“

Die Alemannia vor dem Start in die Bundesligasaison 1969/1970: Noch ist Optimismus angesagt. Am Ende stand ein bitterer Abstieg. Foto: ZVA/Krömer, Harald

Aachen ist eine Reise wert, sagen Touristen laut AVZ auch im Jahr 1969. Ein Lob mit Abstrichen. Dass um 22 Uhr die „Bürgersteige hochgeklappt“ werden, sei schon ein Manko, wird ein Gast aus Berlin zitiert. „So weit so gut“, kommentierte der Chronist der AVZ, und gab zu bedenken,: „Aachen ist nicht Rom mit südländischer Geschäftigkeit...“

Alemannia Aachen im August 1969: Wenige Wochen zuvor war die wohl von niemandem erwartete Vizemeisterschaft in der Bundesliga gefeiert worden, jetzt stehen die Tivoli-Kicker vor der nächsten Saison. „Tivoli-Premiere zwischen Bangen und Hoffen“ titelten die Sportredakteure der Aachener Nachrichten am 15. August 1969. Es ging einen Tag später gegen 1860 München. Ein torloses Unentschieden wird dabei herauskommen. „Enttäuschung am Aachener Tivoli“, schrieben die AN am darauffolgenden Montag. Und weiter: „Enttäuschung über ein torloses Bundesliga-Saisonpremierenspiel im allgemeinen und über eine Alemannia, deren vizemeisterlicher Glanz nur noch Objekt wehmütiger Erinnerung ist, im besonderen.“ Am Ende war Alemannia Letzter und stieg ab. Gemeinsam mit – 1860 München.

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