Aachen: Hunderte Schüler demonstrieren für die Rettung des Planeten

Schülerdemo für nachhaltige Entwicklung : Energie sparen, Müll vermeiden, gesund essen

Viele Hundert Schülerinnen und Schüler sind am Mittwoch vors Rathaus gezogen. Ihr Kampf gilt den 17 globalen Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen 2015 ausgerufen haben. Und dafür, fordern die jungen Leute, müsse sich im (Schul-)Alltag einiges ändern.

Papier, Plastik, Restmüll: Der Abfall wird an der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Laurensberg akkurat getrennt. Rücken dann aber die Leute der Putzkolonne zur Reinigung an, dann kloppen sie all den sorgsam getrennten Abfall in eine große Tonne. Schülerinnen und Schüler beobachten das immer wieder und fragen sich einigermaßen fassungslos: „Warum trennen wir denn dann überhaupt den Müll?“ Sie wollen, dass sich was ändert an ihrer Schule. Das verkündeten sie am Mittwochmittag bei einer großen Schüler-Demo vor der Rathaustreppe, und das erklärten sie nachher auch im Gespräch mit Politik und Verwaltung.

Die Mülltrennung an der Gesamtschule in Laurensberg ist nur ein Punkt, den junge Leute in Aachen anpacken wollen im Kampf um die „Global Goals“, die globalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung. Diese Ziele will die Weltgemeinschaft eigentlich bis 2030 erreicht haben. Bis dahin bleiben noch schlappe elf Jahre. Zu den „Global Goals“ gehören zum Beispiel gute Bildung, Gesundheit, Umweltschutz, Geschlechtergleichheit und Frieden. An der 4. Aachener Gesamtschule dreht sich das gesamte Schulleben um die insgesamt 17 Ziele.

Und dafür zog die ganze Schulgemeinschaft am Mittwoch wieder vors Rathaus. Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Sommer bekamen die Schülerinnen und Schüler diesmal Unterstützung. Abordnungen von sechs weiteren Schulen schlossen sich der Demonstration für die „Global Goals“ an. Ein langer, fröhlicher Zug bewegte sich kurz vor Mittag in Richtung Markt. Am Elisenbrunnen waren junge Leute von Heinrich-Heine-Gesamtschule, Viktoriaschule, Alkuin-Realschule, Rhein-Maas-Gymnasium, Hauptschule Drimborn und Gesamtschule Brand zu den Gesamtschülern aus der Sandkaulstraße gestoßen. Auch sie kamen mit Bannern, Plakaten und selbstgebastelten Skulpturen, die auf Umweltsünden hinweisen sollten.

Vor dem Rathaus ging es dann zur Sache. Die Rathaustreppe war zur Bühne umfunktioniert – was übrigens eigens genehmigt werden musste. Von dort verkündeten Sprecherinnen und Sprecher alle Schulen, wo sie Probleme sehen und was sie ändern wollen.

Busfahren muss günstiger werden, fordert die Abordnung der Viktoriaschule bei der Schülerdemo. Foto: ZVA/Harald Krömer

Für das Rhein-Maas-Gymnasium kritisierte Jonas aus der Jahrgangsstufe Q1, dass die allermeisten Fenster sich entweder nicht öffnen oder nicht schließen lassen: „Im Winter heizen wir den Schulhof praktisch mit.“ Und warum, fragte Jonas, „muss denn im Sommer die Heizung laufen? Das hat mir noch keiner erklären können.“

Die Gesamtschule Brand hat sich die Müllvermeidung auf die Fahnen geschrieben und appelliert dafür, weniger Müll zu produzieren und Plastiktüten zum Beispiel gar nicht erst anzubieten. Schüler der Hauptschule Drimborn sind mit der Reinigung in den Klassen nicht zufrieden, die Alkuin-Realschule wünscht sich frisches und gesundes Essen in der Mensa, ein unverpacktes Frühstücksangebot – und Wasserspender für die Schule. An der Viktoriaschule kämpfen sie für mehr Sicherheit für Radfahrer und einen günstigeren Personennahverkehr. 2,80 Euro für ein Einzelticket, das sei viel zu teuer, finden Nele, Vitus und Jinena.

Dass man tatsächlich etwas bewegen kann, haben die jungen Organisatoren von der 4. Gesamtschule bewiesen. Sie hatten sich bei ihrer Demo im vergangenen Sommer für Bioessen in der Mensa eingesetzt – mit Erfolg. „Wir werden Bioessen bekommen“, erklärte Schulleiterin Michaela Winz, die das Engagement der Kinder und Jugendlichen mit Stolz verfolgte. Bei ihrer Demo am Mittwoch stellte die Schülerschaft der Gesamtschule diesmal das Tierwohl in den Mittelpunkt. „Wisst Ihr, wie lange ein Mastschwein lebt?“ fragten sie von der Rathaustreppe. „Es könnte zehn Jahre alt werden, aber es wird nur sechs bis sieben Monate gemästet.“ Die Gesamtschüler fordern Fleisch „von Tieren, die gut behandelt werden“. Dieser Forderung schlossen sich auch die Vertreter der anderen Schulen an, als im Anschluss mit Vertretern aus Politik und Verwaltung beredet wurden.

Hochwertige Bildung und mehr: Junge Leute von der 4. Gesamtschule tragen die „Global Goals“ zum zweiten Mal vors Rathaus. Foto: ZVA/Harald Krömer

In der Runde ging es zum Beispiel ganz konkret darum, wie man Biofleisch für die Schulmensen sicherstellen und die Mittagsmahlzeit dennoch für alle Familien erschwinglich halten kann. Diskutiert wurde auch, unter welchen Umständen in der Mensa auf Plastikbecher für den Kaffee verzichtet werden kann oder wie man die Heizungsanlagen an den Schulen so regulieren kann, dass nicht zum Fenster hinaus geheizt wird. Schuldezernentin Susanne Schwier und Umweltdezernent Markus Kremer sowie Iris Lürken (CDU), Heike Wolf (SPD), Kaj Neumann (Grüne), Leo Deumens (Linke) und Michael Sahm (Piraten) nahmen sich anderthalb Stunden Zeit, um diese Themen intensiv mit den jungen Leuten zu diskutieren.

Bürgermeisterin Hilde Scheidt hatte auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die „Global Goals“-Demo übernommen. „Es ist wichtig, dass Ihr der Politik sagt, was unsere Hausaufgaben sind“, sagte sie vor dem Rathaus. Und: „Protestiert weiter, damit wir aufgeweckt bleiben!“ Einige Hausaufgaben haben Verwaltung und Politik am Mittwoch aufbekommen. Und der nächste Weckruf wird auch kommen. Ganz bestimmt.

Apropos Müll: Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Demo auch genutzt, um entlang der Wegstrecke Müll aufzusammeln.

Mehr von Aachener Zeitung