Aachen-Haaren: Bürger äußern Wünsche, was mit dem Park geschehen soll

Rundgang im Park am alten Friedhof : Von Hundetourismus, Erdwällen und einer Grillhütte, die weg muss

Nach einem Picknick im Grünen unter alten Bäumen spazieren, an Blumenfeldern und Obstwiesen vorbei, auf terrassenförmig angelegten Stufen am Wasser sitzen und zuschauen, wie der Wurmbach Richtung Soers eilt – mit dieser Idylle kann im nächsten Jahr der Stadtbezirk Haaren aufwarten. Vielleicht.

Der „Park am alten Friedhof“ in Haaren soll saniert und aufgewertet werden. 1,8 Hektar groß ist das Areal. Es liegt hinter der Kirche St. Germanus an der Laachgasse zwischen Wurm und Friedenstraße. Wer den Park zum ersten Mal betritt, staunt über seine Weite, das viele Grün und was er alles bieten hat. Zu bieten hätte, denn trotz seiner natürlichen Schönheit wirkt der Park verdreckt, vernachlässigt, ungepflegt, nicht liebevoll behandelt.

Der Fachbereich Umwelt will ihn nicht völlig umkrempeln, aber neu gestalten und fragt: Was an seinem heutigen Zustand ist noch gut, was fehlt, was sollte sich ändern? Karen Roß-Kark, Beate Wendt und Jonas Starkes vom Fachbereich luden zum Spaziergang durch den Park ein, um Ideen und Wünsche der Bürger zu hören.

Schon der Eingang an der Friedenstraße ist lieblos. „Einladend ist anders“, sagt eine junge Frau. Ein schmaler Weg führt an einem potthässlichen Feuerwehrhaus aus rotem Backstein vorbei. Hinter drei schmutzig-grauen Alu-Fahnenmasten ohne Fahnen und einem Pfosten mit sechs schief und krumm hängenden Gebots- und Verbotsschildern liegt mit modrig-faulem Wasser ein sich Brunnen nennendes schäbiges Gebilde, gerahmt von wuchtig-roter Klinker-Quadratur und mit Kieselstein in allen Größen verunziert. „Die Fahnenmasten können weg“, sagt Bezirksbürgermeister Ferdi Corsten. Die Brunnen-Kröte wohl auch. „Eine Sichtachse, eine freie Sicht in den Park“, schlägt ein Herr vor.

Hinter dem Entree-Murks links eine einsame Tischtennisplatte. „Sitzbänke drumrum“, empfiehlt eine Frau. Es folgt bis zu einem Hochkreuz geschichtsträchtiger Boden, der dem Park den Namen gibt: einst der alte Friedhof, noch bis in die 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit Grabbelegungsrecht, heute erinnern nur noch das hohe Kreuz, ein Grabdenkmal wie ein aztekischer Opferaltar und drei weitere alte Grabsteine daran.

Das Spielgelände ist mit Erdwällen unterteilt in Mulden für kleine und größere Kinder. Die Wälle weg oder Schneisen hindurch, schlagen Mütter vor, um die Kleinsten besser beaufsichtigen zu können, wenn sie über die Hügel ins Nachbarterrain kraxeln, um neugierig zu erkunden, was da so los ist. „Ein Klettergerüst käm‘ gut an“, sagt jemand; „eine richtige Schaukel“ wünscht sich ein Junge, mit richtig meint er hoch und noch höher. Erwachsene haben nichts, um sich „vernünftig“ hinzusetzen. Auf einem Erdwall vielleicht ein Picknick-Tisch, „von wo die Mütter alles im Blick haben“?

Die Eingangssituation des Parks am alten Friedhof könnte auch hübscher sein. Foto: ZVA/Andreas Steindl

Kinder und Jugendliche vom Jugendzentrum Regenwurm haben sich vorbereitet. Auf einem bunten Plakat haben sie Wünsche aufgelistet: Toiletten, Basketball, große Rutsche, Schutzhütte, Klettermöglichkeiten, Bodentrampolin, Fußballplatz, Schach/Dame, Wasserspielplatz, Zugang zum Wurmbach.

Die Grillhütte ist das Riesenproblem des Parks – und wohl auch Haarens. Hier werde gedealt und gesoffen. Lärm. Unrat. Jugendliche aus allen Stadtteilen Aachens. „Innen und außen beleuchten“, empfiehlt ein Herr. Zwecklos, sagt der Bürgermeister, alles ausprobiert, jede Lampe werde „mit Steinen ausgeschossen“. Die Grillhütte müsse weg, „davon verspreche ich mir ein anderes Publikum in dieser Ecke“, sagt Corsten.

In die Grill-Ecke soll die Skater-Anlage von vis-à-vis. Die riesige Wiese dahinter solle frei bleiben, für das jährliche Traktorfest und für Vereine, wenn die einen Zeltplatz brauchen. Anwohner beobachten einen „Hunde-Tourismus“: Herrchen oder Frauchen fahre mit dem Wagen vor, Möpp springt raus, läuft und tobt sich aus, die Kacke bleibt liegen.

Die Wurm wird renaturiert. Der Bach soll „erlebbarer, sichtbarer“ (Roß-Kark) werden. Eine Brücke soll übers Wasser führen. Prima, finden die Haarener.

Im Fachbereich Umwelt wird jetzt geplant. Ende des Jahres wird das Ergebnis in der Bezirksvertretung Haaren-Verlautenheide vorgestellt. Karen Roß-Kark und ihre Kollegen hoffen: „Mitte Ende nächsten Jahres können wir den Plan umsetzen.“ Ferdi Corsten, erfahren im kommunalpolitischen Geschäft, dämpft aufkommende Freude: „Kann auch ein Jahr später werden.“

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