Aachen: Grüne fordern Beschluss zur Neugestaltung des Theaterplatzes

Innenstadtkonzept : Grüne fordern neue Fakten rund um den Theaterplatz

Mehr als drei Jahre sind ins Land gegangen, seit Samuel Becketts absurder Klassiker „Warten auf Godot“ auf der großen Bühne hinter dem Fröhlichen Hengst gespielt worden ist. Tonnenweise Sprit sind inzwischen weiterhin rings um den klassizistischen Kunsthort durch die Verbrennungsmotoren geflossen.

Die Konzepte zur Neugestaltung des Theaterplatzes schlummern seit etlichen Jahren in den Schubladen der städtischen Planer. Ein Trauerstück, finden die Grünen – frei nach dem Motto „Warten auf Groko“, könnte man in diesem Fall sagen.

Denn: „Es gibt ja längst einen politischen Konsens, die gesamte Fläche des Kapuzinergrabens zwischen dem Theater und dem bald fertiggestellten Hotelneubau gegenüber vom Autoverkehr zu befreien“, zürnt Grünen-Ratsherr Michael Rau.„Es wird allerhöchste Zeit, dass dies nun endlich auch beschlossen wird.“

Für die nächste passende Gelegenheit haben Rau und sein Fraktionskollege Kaj Neumann bereits gesorgt. Allerdings nicht nur sie, wie Michael Servos, Fraktionschef der SPD, betont: Gemeinsam mit der CDU habe man die Verwaltung bereits vor den Grünen veranlasst, das Thema wieder auf den Tisch zu legen. Im städtischen Planungsausschuss am 11. Juli steht das Projekt erneut auf der Tagesordnung (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor). Einmal mehr präsentiert die Verwaltung eine ausführliche Vorlage, welche auch die – ebenso seit Jahr und Tag gewünschte – „Aufwertung“ der Theaterstraße in mehreren Schritten beleuchtet. Sogar die Finanzierung ist theoretisch festgezurrt.

Im Ganzen sind für die Realisierung des Projekts rund 8,84 Millionen Euro veranschlagt. Planungskosten über 1,05 Millionen sind in den städtischen Etats 2020 und 2021 laut Verwaltung zudem vorgesehen. Kurzum: Wenn die Ratsmehrheit mitzöge, könnten jetzt umgehend Nägel mit Köpfen gemacht werden, unterstreicht Neumann. Im Klartext: „Noch in diesem Sommer könnten die Parkplätze auf der gesamten Theaterstraße entfallen.“ Schließlich gebe es genügend Parkhäuser in unmittelbarer Nähe, wie in besagter Vorlage ebenfalls hervorgehoben wird.

„Damit würde der Boulevard-Charakter dieser einst so schönen Promenade zum Theater hin endlich wieder zur Geltung kommen“, meint Rau – so, wie es vor mehr als 100 Jahren der Fall gewesen sei. Statt dessen seien zum Beispiel etliche sogar denkmalgeschützte Mosaike, mit denen die an sich besonders breit angelegten Bürgersteige seinerzeit verziert wurden, buchstäblich unter die Räder gekommen und infolgedessen erheblich beschädigt. Zahlreiche Gastronomen warteten überdies seit Jahr und Tag vergeblich auf grünes Licht, um ihre Tische auch direkt vor ihren Türen platzieren zu dürfen. „Das sollte man ihnen jetzt sofort ermöglichen“, betont Neumann.

Und auch am Theaterplatz könnten rasch neue Fakten geschaffen werden. Nicht von ungefähr erinnern die Grünen (und auch die Verwaltung) in diesem Zusammenhang daran, dass der Bereich links vom Theaterportal (vom Kapuzinergraben aus gesehen) schon 2016 vorübergehend zur Eisbahn umfunktioniert werden sollte. Was allein daran gescheitert sei, dass der externe Investor einen Rückzieher gemacht habe. Anlässlich der „Mobilitätswoche“ im kommenden September werde die Fahrbahn Richtung Elisenbrunnen (der bekanntlich längst Bussen und Radfahrern vorbehalten sei) nun aber tatsächlich kurzzeitig zur Spiel- und Präsentationsplattform umfunktioniert.

Im Ausschuss wollen die Grünen beantragen, dass dieses Experiment wiederholt wird, sobald der nächste Weihnachtsmarkt startet. „Es wäre kein Problem, den Autoverkehr in beide Richtungen nur noch über die rechte Seite des Theaters zum Kapuziner-Karree hin zu führen“, betont Rau. Auch dies sei längst hinlänglich dokumentiert und könne durch entsprechende Markierungen durchaus zeitnah umgesetzt werden.

Allerdings dürften – so oder so – mindestens zwei bis drei weitere Jahre ins Land gehen, bis die erwarteten Fördermittel zur Umsetzung der ersten baulichen Maßnahmen fließen könnten, wissen auch die Grünen. „Wenn die beantragt werden, werden sie mit Sicherheit bewilligt“, betont Rau. Und erwartet jetzt, dass auch die Ratsmehrheit Gas gibt in Sachen dauerhafte Verkehrsberuhigung vor dem Theater. Ob es so kommt, ist freilich offen. Weder Harald Baal, CDU-Fraktionschef und Vorsitzender des Planungsausschusses, noch der planungspolitische Sprecher der SPD, Norbert Plum, waren am Donnerstag für eine Stellungnahme zu erreichen.