Aachen: Große zehn Minuten für Lina Götsch im Rathaus

Kindertag im Aachener Rathaus : Eine Zweijährige wird Oberbürgermeisterin

Den 100. Mini-Rollstuhl hat Detlef Jackels aus Jüchen-Hochneukirch als Gründer des Vereins „Linas Rollis“ jetzt versandfertig gemacht. In den eineinhalb Jahren, seitdem der Großvater der behinderten Lina Götsch, ehrenamtlich Mini-Rollstühle baut und mittlerweile in zehn Länder verschickt, hat er große öffentliche Aufmerksamkeit und Würdigung erzielt.

Die Medien reißen sich mittlerweile um Detlef Jackels und vor allem um dessen liebenswürdige, stets strahlende Enkelin Lina, die auf ihre positive Art die beste Botschafterin für dieses einzigartige Hilfsprojekt ist. Und nun wird die Zweijährige sogar Oberbürgermeisterin von Aachen – wenn auch nur für zehn Minuten am 9. April bei einer Zeremonie zum Kindertag im Aachener Rathaus.

Auf den Verein „Linas Rollis“ war ein türkisch-stämmiger Mitarbeiter des ebenfalls in der Behindertenhilfe tätigen Vereins „Hand in Hand in Aachen“ aufmerksam geworden. Der hat den „Kindertag“ aus seiner türkischen Heimat schon seit Jahren in Aachen etabliert. Und nun sollen Lina bzw. ihr Großvater als Sprecher die zehnminütige „Amtszeit“ als Stadtoberhaupt von Aachen bei der Feierstunde zielführend nutzen, um der Stadt sogar einen Auftrag zu geben. Jackels wird die Gelegenheit nutzen, um auf die gesellschaftspolitische Zielsetzung von „Linas Rollis“ hinzuweisen, was er im übrigen auch beim Landesparteitag der CDU am 4. Mai in Düsseldorf tun will, wohin er ebenfalls eingeladen worden ist. Denn der Großvater der an einem offenen Rücken leidenden Lina baut nicht nur die Mini-Rollis aus Spendengeldern und stellt sie betroffenen Familien kostenfrei zur Verfügung. Er nutzt auch jede Gelegenheit, um auf einen großen Missstand im Gesundheitswesen hinzuweisen: „Nur in Ausnahmefällen gewähren die Krankenkassen bislang Mini-Rollstühle für Kinder unter zwei Jahren“, erfährt er immer wieder durch seine vielfältigen Kontakte zu betroffenen Familien. Dabei sei aber gerade die Phase, in der die Kleinen normalerweise das Krabbeln erlernen, besonders wichtig und müsse gerade auch bei behinderten Kindern mit der passenden Mobilitätshilfe unterstützt werden, weiß Jackels. Seine Enkelin wird nun bald den ersten „richtigen“ Rollstuhl von der Krankenkasse erhalten. Jackels ist aber sicher, dass sich Lina niemals ohne den Mini-Rolli so gut entwickelt hätte, so dass sie im nächsten Jahr sogar in einem integrativen Kindergarten aufgenommen werden soll. Wertvolle Zeit für die Entwicklung und Förderung der Kinder mit Spina bifida, Spinaler Muskelatrophie oder zum Beispiel mit frühkindlichem Schlaganfall gehe verloren, wenn man die Kinder einfach nur im Bettchen liegen lassen. Die frühe Bewegungsförderung, ermöglicht durch den Mini-Rolli, wirke sich auch positiv auf die geistige Entwicklung der beeinträchtigten Kinder aus, wie Jackels betont. Und sein bester Beweis ist die kleine Lina, die auch im Kontakt mit Fremden munter drauf los plappert und ganz wach auf ihre Umwelt reagiert.

Der 53-jährige Frührentner und ehemalige Betriebsleiter will in Aachen aber noch eine zweite Botschaft anbringen. Er wird sich im Namen seiner Enkelin und „Oberbürgermeisterin“ dafür einsetzen, dass die Stadt Aachen die Position einer Inklusionsmanagerin, die es dort gibt, auch weiterhin mitfinanziert. Denn er weiß um die Wichtigkeit, dass gerade auch behinderte Menschen den Sport in ihr Leben ganz selbstverständlich integrieren.

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