Aachen: Große Halle auf Gut Neuhaus brennt noch tagelang weiter

Großbrand auf Gut Neuhaus : Nach dem Feuer beginnt die Spurensuche

Nach dem Großbrand am Mittwochabend auf einem Reiterhof an der Lintertstraße brennt die 2500 Quadrateter große Lager- und Voltigierhalle weiterhin aus. Über die Ursache des Feuers gibt es noch keine Erkenntnisse.

Auch am Donnerstag rieseln noch Rußpartikel und auch Splitter einer Photovoltaikanlage, die auf dem Dach des Gebäudes installiert war, im näheren Umfeld herab. Umweltexperten sind vor Ort, um eventuelle Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung auszuschließen. Die Polizei sucht nun auch Augenzeugen, die das Feuer in einer frühen Phase, also gegen 21 Uhr am Mittwoch, aus möglichst kurzer Distanz fotografiert oder gefilmt haben.

Der leichte Regen, der am Donnerstagvormittag über den Trümmern der großen Lager- und Voltigierhalle auf Gut Neuhaus niedergeht, macht auch nicht viel mehr aus als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Wenige Stunden nach dem Großeinsatz der Feuerwehr hat sich der beißende Rauch rings um den Hof an der Lintertstraße längst nicht verzogen. Tief aufatmen können alle Beteiligten allenfalls, weil weder Menschen noch Tiere zu Schaden gekommen sind. Der Feuerwehr bleibt kaum mehr übrig, als die Überbleibsel des Gebäudes kontrolliert abbrennen zu lassen.

Während die letzten Reste der rund 2500 Stroh- und Heuballen, die in der Halle gelagert waren, weiter kokeln und brennen, rollen bereits die ersten Traktoren an, um neue Futtermittel für die verbliebenen Pferde heranzuschaffen. Einige Pferdebesitzer lassen ihre Schützlinge in nahe gelegene Ställe transportieren, etwa auf der Eilendorfer Reitanlage Braun. Die meisten Tiere bleiben jedoch an Ort und Stelle.

Scheune in Aachen lichterloh in Flammen

Rainer Plum erkundet das Terrain an diesem Vormittag per Fahrrad. Der Schock steckt dem Betreiber des Reiterhofs und landwirtschaftlichen Betriebs zwischen Eselsweg und Forster Linde noch ins Gesicht geschrieben. Für ihn und seine Mitarbeiter hat sich am späten Abend des vergangenen Mittwoch ein Alptraum wiederholt – bereits vor fast genau elf Jahren war an derselben Stelle eine ebenso große, rund 2500 Quadratmeter große Halle abgebrannt.

„Gegen 21 Uhr habe ich den Feuerschein von meiner Wohnung aus gesehen, die nur ein paar hundert Meter entfernt liegt. Ich habe natürlich sofort die Feuerwehr angerufen und bin an den Brandort gekommen“, hatte Plum noch am Abend des Großeinsatzes vor Ort berichtet.

Schwierige Schadensbegrenzung: Für Landwirt Rainer Plum wiederholt sich ein Alptraum. Bereits vor elf Jahren war auf Gut Neuhaus eine ebenso große Halle komplett niedergebrannt. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Bis gegen 19.30 Uhr habe noch eine Gruppe des Voltigiercenters Gut Neuhaus mit ihren Pferden in der Halle trainiert. „Sie erzählten später, dass sie verdächtige Geräusche in der Scheune direkt nebenan gehört hätten“, rekapituliert Plum. Kurz darauf seien mehrere unbekannte Jugendliche auf dem weitläufigen Gelände gesichtet worden, die sich eilig entfernt hätten.

Ob es einen Zusammenhang mit den Ereignissen gibt, ist derzeit allerdings völlig unklar. Auch diesmal liegt der Sachschaden nach erster Einschätzung der Polizei mindestens im sechsstelligen, möglicherweise auch im Millionenbereich. Befragungen vor Ort hätten noch keine konkreten Hinweise zur Ursache des Brandes ergeben, betont Polizeisprecher Frank Plum. Zurzeit sei eine nähere Untersuchung des Brandorts angesichts der enormen Hitzeentwicklung durch das schwelende Feuer noch nicht möglich. „Bis dahin könnte durchaus noch eine Woche vergehen.“

Im September 2008 war am selben Standort eine ebenso große Lager- und Reithalle in Flammen aufgegangen. Ebenso wie damals ist auch diesmal ein weites Umfeld durch Ruß-Emissionen in Mitleidenschaft gezogen. Am Donnerstag meldeten sich besorgte Anwohner aus Eilendorf bei unserer Zeitung, weil sich die schwarze Substanz auf ihre Gemüse- und Salatbeete gelegt hatte. „Mit Experten aus dem städtischen Umweltamt und dem Landesumweltamt prüfen wir zurzeit, wie stark die Emissionen sich auf die umliegenden Bereiche auswirken“, erklärte Bernd Büttgens, Leiter des städtischen Pressebüros.

Da sich auf dem Hallendach auch eine große Photovoltaikanlage befunden hat, rieselten Partikel und blau-schwarze Splitter in einem Umkreis von etwa 100 Metern herab. „Wir können aber schon definitiv sagen, dass das Material keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthält, da es sich lediglich um sogenannte Monokristalline handelt“, betonte Büttgens. Die teils scharfkantigen Scherben könnten allenfalls leichte Hautverletzungen verursachen. „Man kann sie aber mit Handschuhen ohne Sorge anfassen und in der normalen Restmülltonne entsorgen.“

Die Fachleute der Umweltbehörden von Stadt und Land benötigten indes voraussichtlich noch einige Tage, um das Ausmaß der Umweltbelastung genau zu ermitteln. „Sicherheitshalber sollten Obst oder Gemüse aus dem heimischen Garten vor dem Verzehr besonders gründlich gereinigt werden“, so Büttgens. Vorsorglich wird zudem empfohlen, auf großblättrigen Salat aus eigenem Anbau zu verzichten.

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