Aachen: Gericht verhängt Geldstrafe gegen 24-jährigen Raser

Nächtliches Rennen auf dem Adalbertsteinweg : Gericht verhängt Geldstrafe gegen 24-jährigen Raser

Vor dem Amtsgericht ist am Montag ein 24-jähriger Industriemechaniker aus Aachen zu einer Geldstrafe von 3500 Euro verurteilt worden. Der junge Mann war wegen eines nächtlichen Autorennens in Aachen angeklagt. Sein Auto wurde nun als „Tatwerkzeug“ eingezogen.

Ein Berliner Gericht verhängte am Dienstag erneut gegen zwei Raser in illegalen Autorennen lebenslängliche Haftstrafen wegen Mordes. Bei einem nächtlichen Autorennen in Aachen auf dem Adalbertsteinweg am 30. Juni 2018 wurden nach Aussagen von Polizeizeugen keine roten Ampeln wie in Berlin überfahren, Passanten oder andere Autofahrer kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.

Für Amtsrichterin Katharina Detering beruht das jedoch „nur auf einem Glücksfall“, wie sie in ihrem Urteil gegen den Raser, einen 24-jährigen Industriemechaniker aus Aachen, nachdrücklich bekundete.

Sie verurteilte den Pkw-Fahrer zu einer Geldstrafe von 3500 Euro. Eine Haftstrafe sei hier nicht angemessen gewesen, sagte die Richterin. Doch weitere im Urteil angeordnete Maßnahmen treffen den bislang völlig unbescholtenen Verkehrsteilnehmer hart. Sein bereits vor mehr als sechs Monaten eingezogener Führerschein soll weitere neun Monate in der Schublade der Verkehrsbehörde bleiben, erst dann kann er seine Herausgabe beantragen.

Die weitere Strafe: Sein nicht gerade billiger 300-PS-Bolide Audi S3 Sportback – Neupreis ab 45.500 Euro – wurde nach dem Rennen auf dem Adalbertsteinweg quasi als „Tatwerkzeug“ eingezogen, eine Bestimmung, die der neue Paragraf 315d des Strafgesetzbuches (Verbotene Kraftfahrzeugrennen) ausdrücklich zulässt, wie die Richterin erläuterte. Sie kreidete dem Angeklagten, der in der Verhandlung von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht hatte, ausdrücklich an, dass er kein „von Reue und Einsicht getragenes Geständnis“ (Detering) abgelegt hatte. So gebe es wenig Anhaltspunkte dafür, von einem einmaligen Ausrutscher des Fahrers auszugehen: „Ihm fehlt die charakterliche Eignung für den Straßenverkehr“, sagte die Richterin.

„Der eine provozierte, der andere beschleunigt entsprechend mehr“, beschrieb sie den Ausgangspunkt des Rennens, das mit einem satten Tritt aufs Gaspedal am Steffensplatz startete. Der Konkurrent saß vermutlich in einem Opel Astra, ein „autoaffiner“ Polizist glaubte, den Wagen erkannt zu haben. Bei der wilden Jagd über den nächtlichen Adalbertsteinweg erreichten die parallel nebeneinander rasenden Fahrzeuge Geschwindigkeiten von mehr als 130 Stundenkilometern, hatten die Polizeizeugen mit Blick auf ihren Tachometer festgestellt – der Dienst-BMW kam einfach nicht hinterher.

Die beiden Raser hatten am Kaiserplatz nicht bemerkt, dass einige Meter hinter ihnen auf der Abbiegespur eine Polizeistreife stand – und bereits aufmerksam geworden war. Die Dreier-Crew in dem Polizeifahrzeug konnte nach einer anfangs aussichtslosen Verfolgungsfahrt die Raser nur stoppen, weil diese nach der scharfen Kurve an der Josefskirche das Rennen beendet hatten. Der silberfarbene Kontrahent stand unmittelbar hinter der Kurve und konnte dann unerkannt entwischen, die Polizeistreife hatte nur den Audi mit dem 24-Jährigen ins Visier genommen.

Sein Anwalt wird gegen das Urteil Berufung einlegen, es habe sich keineswegs um ein verabredetes Autorennen gehandelt, sagte Verteidiger Achim Delheid.

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