Aachen: Fünf Jahre "ansprechbar"

Erste Bilanz : „ansprechbar“ bietet Hilfestellung

Seit fünf Jahren ist das Projekt „ansprechbar“ eine Anlaufstelle für Menschen und ihre Sorgen. Pfarrer Hans-Georg Schornstein zieht eine Zwischenbilanz.

Es gibt Tage, da läuft alles wie geschmiert. Und es gibt Tage, an denen man voller Sorgen, Ängste und Ungewissheit aufsteht, nicht in den Tritt kommt oder etwas auf der Seele hat. An solchen Tagen wünscht man sich manchmal ein offenes Ohr, einfach jemanden, der einem zuhört. Das Bedürfnis der Menschen nach intensiven Gesprächen und gemeinsamen Problemlösungen kennt Pfarrer Hans-Georg Schornstein nur zu gut. Und so machte er sich bereits im Jahr 2014 Gedanken darüber, wie man nicht nur die Anliegen gläubiger und kirchlicher Menschen, sondern auch die Sorgen der Leute ganz ohne Verbindung zur Kirche besprechen und auflösen könnte. „Bei meinen Überlegungen kam dann schließlich die ,ansprechbar’ heraus“, berichtet Schornstein. Seit nunmehr drei Jahren Bestandteil des Gesprächsangebotes der Citykirche St. Nikolaus, ist die „ansprechbar“ zu einer beliebten Anlaufstelle für Menschen mit Sorgen und Problemen aller Art geworden.

„Neben unseren anderen regelmäßig stattfindenden Gesprächskreisen in der Citykirche wie dem Weißen Ring, ein Angebot für Verbrechensopfer, freuen wir uns schon seit einiger Zeit, Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeden Glaubens oder Nicht-Glaubens durch ,ansprechbar’ zu helfen“, erklärt Barbara Geis, Pastoralreferentin im Ruhestand und mit Pfarrer Schornstein und dem ebenfalls ehrenamtlich tätigen ehemaligen Gemeindereferent Josef Gerets Mitglied des dreiköpfigen Teams von „ansprechbar“. Ihr Grundanliegen: zuhören. „Das Besondere an unserem Projekt ist es, dass es nicht in den Räumen der Kirche stattfindet. Wir wollen Kirche zu den Menschen bringen – und das, ohne aufdringlich zu sein“, erläutert Schornstein das Prinzip. Und so sind er und seine Kollegen beispielsweise jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr im Café Nobis am Münsterplatz an einem Tisch zu finden. „Wir wollen uns nicht irgendwohin zurückziehen, sondern eine immer zugängliche Anlaufstelle für Menschen mit Kummer und anderen Problemen sein“, so Schornstein.

Dass die am 1. Oktober fünf Jahre alte Idee auf Zuspruch bei den Aachenern stößt, beobachtet Geis immer wieder: „Zu mir kommen Menschen aller Zugehörigkeiten – alte Damen, junge, unsichere Flüchtlinge oder auch Obdachlose. Es gilt, jedem in gleicher Weise zu begegnen und durch das Zuhören den Auftrag, den Jesus uns allen gegeben hat, nämlich die Menschen zu begleiten, auszuführen.“ Und Gerets stellt klar: „Bei uns geht es nicht um das Missionieren. Wir wollen lediglich den Menschen ihre Last abnehmen.“ Bei Themen wie psychischen Problemen, Familienstreitigkeiten oder Berufsorientierung sind auch kommunikative Fähigkeiten sehr gefragt: „Für uns als Nicht-Therapeuten sind die ständige Weiterbildung in der Gesprächsführung und ein ausgeprägtes situatives Denken von großer Bedeutung. Das macht uns in gewisser Weise dann auch zu qualifizierten Gesprächspartnern“, erläutert Schornstein, der momentan als zweiter Pfarrer in der Gemeinschaft der Gemeinden Nordwest tätig ist.

Wichtig sei zudem auch die Unterstützung des Personals der Orte, an denen „ansprechbar“ anzutreffen ist. So finden Interessierte das Seelsorger-Team nicht nur im Café Nobis, sondern auch jeden Freitag von 14 bis 16 Uhr im Café Extrablatt am Markt sowie stets 90 Minuten vor Alemannia-Heimspielen im Klömpchensklub und am Soerser Sonntag in der Budengasse vor. Keines dieser Angebote erfordert eine Anmeldung. Zudem bietet Pfarrer Schornstein zweimal im Jahr eine Eifelsteig-Wanderung von Roetgen nach Kornelimünster an: „Natürlich ebenfalls, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“

Das hauptsächlich durch Mundpropaganda bekannt gewordene Projekt macht allerdings auch Ausnahmen: „Wir kommen je nach Wunsch auch auf Vereinbarung an diskrete Orte“, erklärt Gerets.