Aachen: Drohen Rodungen entlang des Premiumradwegs Venbahntrasse?

Vennbahnradweg : Der grüne Punkt löst Verunsicherung aus

Entlang des Vennbahnradwegs werden reihenweise wertvolle Bäume mit grünen Punkten markiert. Anwohner fürchten Rodungsarbeiten. Die Stadt wiegelt ab. Es gebe nur erste Ideen zur Verbreiterung der Trasse auf vier Meter, heißt es.

Die Sache ist verfahren. Und nicht nur für Naturliebhaber auf zwei Rädern zuweilen eine Gratwanderung. Rund zweieinhalb Meter breit ist der Vennbahnradweg in der Regel. Für viele Radfahrer zu gefährlichen Stoßzeiten im Begegnungsverkehr zu schmal, für Landschaftsfreunde breit genug.

Denn einige Anwohner schlagen jetzt schon Alarm, weil reihenweise Bäume entlang des viel befahrenen Radwegs – nicht nur im Bereich Aachen-Brand – mit grünen Punkten markiert wurden. Man befürchtet dramatische Rodungsaktionen, die unmittelbar bevorstehen.

Nicht jeden Baum fällen

Harald Beckers vom städtischen Presseamt bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung am Montag, dass die Markierungsarbeiten durchaus im Zusammenhang mit Gedanken stehen, die Radfahrroute in Zukunft auf bis zu vier Meter zu verbreitern. Aber er betont: „Es stehen keine Rodungen unmittelbar bevor. Im Gegenteil: Wir haben zwei Planungsbüros beauftragt, um uns einen präzisen Überblick über die Rahmenbedingungen entlang der Trasse zu verschaffen. Die Bäume werden markiert, gezählt, ihre Position genau verzeichnet – es handelt sich erst einmal um reine Kartographierungsarbeiten“, sagt er. Ganz sicher würde nicht jeder Baum, der nun einen grünen Punkt trägt, der Motorsäge zum Opfer fallen.

Millionen Euro teuer

Die Verbreiterung des Vennbahnradwegs ist nicht unumstritten. Was nicht nur an den Kosten liegt. Nachdem Belgien den Zugverkehr auf der Strecke stillgelegt hatte, vergingen Jahre, bis eine touristische Nutzung auf den alten Gleisen realisiert werden konnte. Über 14 Millionen Euro flossen in das Projekt. Über knapp 130 Kilometer führt die Strecke offiziell von Aachen-Hauptbahnhof über Rothe Erde, Brand, Kornelimünster, Walheim und Raeren bis nach Troisvierges in Luxemburg – meist entlang historischer Bahnschienen. Es geht 1011 Meter bergauf, 760 Meter bergab. In der Regel sind die Steigungen – ganz typisch für Eisenbahnstrecken – eher harmlos. Im Juli 2013 feierte man die umjubelte Eröffnung der Gesamtstrecke. Seitdem wächst der Andrang auf dem Fernradweg. Er ist Teil des RAVeL-Netzes, der Réseau Autonome de Voies Lentes, ein Wegenetz für Wanderer, Reitfahrer und Radfahrer.

Mit dem Naturschutz gab es indes immer wieder Konflikte. Da sorgte eine Birkhuhnvorkommen zwischen Walheim und Kornelimünster für Bauverzögerungen. Und auch auf belgischem Gebiet kollidierte das Vorhaben, ein asphaltiertes Band auf und parallel zu Bahngleisen durch die Landschaft zu ziehen, mit einen Schutzgebiet für Braunkehlchen bei Sourbrodt, übrigens mit 563 Metern über dem Meersspiegel die höchste Stelle der Strecke.

Wie die Strecke nun weiter ausgebaut wird, ist völlig offen. „Ab 2020 wird es wohl konkretere Pläne geben über die dann diskutiert werden kann“, sagt Beckers. Denn so einfach ist die Verbreiterung des Radwegs nicht – völlig unabhängig von wertvollem alten Baumbestand, der mancherorts im Wege wäre. „Die Sache ist kompliziert. Teilweise musste die Asphalttrasse sehr aufwendig mit Betonfundamenten abgestützt werden. Das wäre auch bei einer etwaigen Verbreiterung auf vielen Streckenabschnitten nicht unproblematisch“, erklärt er.

Schwierigkeiten an Böschungen

Weitere Schwierigkeiten entstehen auf Streckenabschnitten, die rechts und links steile Böschungen aufweisen, weil das alte Bahngleis mit der Trasse überbaut wurde. Klar scheint, dass die unterschiedlichen Interessen von Naturschützern sowie Radsportlern, Skatern und Wanderern aufeinander prallen werden. Harald Beckers stellt deshalb klar: „Entschieden ist hier noch gar nichts. Es handelt sich lediglich um erste Überlegungen. Uns liegen noch nicht einmal verschriftete Projektskizzen für eine mögliche Verbreiterung, die von vielen Nutzern durchaus erwünscht ist, vor.“

Also wird von Seiten der Stadt in aller Ruhe kartographiert. Zunächst einmal zwischen Philipsstraße und Brander Bahnhof auf Aachener Stadtgebiet. Baum für Baum, Punkt für Punkt. Bis die Debatte über die angedachte Verbreiterung richtig Fahrt aufnimmt.

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