Aachen: Dreiländerübung am Westbahnhof Aachen

Großübung: Drei Länder proben den Ernstfall

Sie probten den Ernstfall, bündelten Einsatzkräfte, spielten ein schreckliches Szenario durch: Rund 450 Einsatzkräfte aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden kamen am Freitagnachmittag am Aachener Westbahnhof zusammen, um das Vorgehen bei einem Zusammenstoß zwischen einem Güterzug und einem Personenzug zu üben.

Mit Verletzten, mit Kunstblut, Rauch, mit allem Drum und Dran.Diese grenzüberschreitende Übung findet in dem Umfang nur alle vier bis fünf Jahre statt, sagt Edda Jäckle vom Einsatzführungsdienst der Aachener Berufsfeuerwehr. Kein Wunder, schließlich bedarf es einiger Vorbereitung. Rund 18 Monate haben verschiedene Teams der Feuerwehr, der Polizei, der Bundes- und Landespolizei, des Rettungsdienstes und der Deutschen Bahn auf die Großübung in der Euregio hingearbeitet – alles unter dem Dach der sogenannten Euregio Maas-Rhein Einsatz- und Krisenbewältigung (Emric).

40 Verletztendarsteller

Das Übungsszenario: Ein Güterzug mit Gefahrgut und ein Personenzug stoßen bei Rangierfahrten zusammen. Dabei gibt es zahlreiche Verletzte, die von rund 40 Verletztendarstellern überzeugend gespielt wurden. Außerdem ist ein Kesselwagen Leck geschlagen. Eine Situation, die die Kräfte in der gesamten Region Euregio Maas-Rhein auf den Plan ruft. Die Aachener Feuerwehr war mit mehreren Löschzügen der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz, die niederländische Feuerwehr unter anderem mit einer Dekontaminationseinheit sowie fünf weiteren Löscheinheiten, die Belgier mit Messtrupps.

450 Rettungskräfte proben in Aachen den Ernstfall

Was für Außenstehende wie der Ernstfall aussah, war intern eine Probe. „Es ist notwendig, das zu üben, was nicht alltäglich ist“, sagt Jäckle. Schließlich treffen nicht bei jedem Einsatz Kräfte aus drei verschiedenen Ländern aufeinander. Da kommen drei Sprachen und drei Gesetzesgrundlagen zusammen. Dafür stellt der Übungshaushalt der Emric die Mittel.

Auf den ersten Blick lief die Übung trotz der diversen Herausforderungen geordnet ab. Die Einsatzkräfte wurden alarmiert, die Bevölkerung und vor allem die Menschen, die in der Nähe wohnen, zuvor in sämtlichen Medien und über die Warn-App Nina auf die Großübung vorbereitet. Dann versammelten sich die Kräfte am Bendplatz, um von einer dort eingerichteten Koordinationsstelle schließlich eingeteilt zu werden. „Würden alle gerufenen Kräfte hierher fahren, wäre es zu voll und unkoordiniert“, so Jäckle.

Ein Szenario, das hoffentlich nie eintritt: Einsatzkräfte aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden probten am Aachener Westbahnhof den Ernstfall - und damit die euregionale Zusammenarbeit. Foto: ZVA/Harald Krömer

Und schon kamen die ersten Kräfte der Bundespolizei, um die Gefahrenzone abzusperren, eilten Feuerwehrleute unter Atemschutz auf die inszeniert verunglückten Züge zu, beschäumten den Zug, der Gefahrengut lagerte, gingen unter Atemschutz in den Personenzug. Sie retteten Menschen, mal leicht verletzt, mal schwer verletzt, allesamt vom Simulationspatienten-Programm der Uniklinik Aachen geschminkt. Sie hatten blutende Wunden, offene Brüche und Schrammen. Schnell wurden sie aus der Gefahrenzone gebracht, denn immer noch konnte nicht ausgeschlossen werden, dass der Gefahrenzug hoch toxische Gase ausstößt.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Kräfte aus der Euregio Maas-Rhein arbeiteten bei der Großübung zusammen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Derweil flogen sogenannte Pumas und Super Pumas, schwarze Polizeihubschrauber, über den Unfallort. „Die Pumas erfassen zum Teil das Unfallszenario filmisch und können die Bilder live per Funkübertragung an die Einsatzkräfte am Boden senden“, sagt Bernd Küppers, Sprecher der Bundespolizei. Sie haben genügend Abstand, um das Szenario zu beobachten und hilfreiche Tipps zu geben. Hinzu kam die Landespolizei, die den Bereich außerhalb des Unfallorts absperrte, Bahnunfallermittler der Bundespolizei, die das Unglück untersuchen werden, um hinterher zu klären, wie es zu dem Unglück kam, um eventuell rechtliche Schritte einleiten zu können. Und Rettungskräfte, die die verletzten Menschen versorgten.

Allesamt taten nur so, als gäbe es ein Unglück. Zwei Drohnen, Kameras an den Masten der Bahnstrecke und in den Pumas nahmen alles auf. Das dient der Analyse. Die erwartet Jäckle in rund zwei Monaten. Dann erst werden die Kräfte der Emric wissen, was gut und was verbesserungswürdig war, in der Hoffnung, dass so ein Unglück nicht zur Realität wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 450 Einsatzkräfte proben Notsituation

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