Aachen: "Digital City Flag" lässt weiter auf sich warten

Warteschleife : Unkraut wächst, Werbebildschirm fehlt

Die Werbung am Straßenrand wächst. Aus den verwaisten Monofußanlagen am Aachener Straßenrand sprießen jetzt zarte Pflanzen. Derweil lassen die neuen digitalen Werbetafeln des neuen städtischen Werbepartners RBL Media seit Jahren auf sich warten.

Dieser neue „Geschäftszweig“ der Werbefirma RBL Media sollte bald sterben. Er wächst aus der Spitze der Monofußanlage an der Ecke Dresdener Straße / Rottstraße. Es ist ein zartes Pflänzchen – exakt da, wo längst eine digitale Werbetafel modernster Machart flimmern sollte. Die alte Werbetafel, ein querformatiges Plakatwechselsystem, wurde bereits vor Jahren vom früheren städtischen Vertragspartner JC Decaux demontiert. Dann übernahm RBL.

Vor gut drei Jahren tauschte RBL 430 Fahrgastunterstände an Aachener Bushaltestellen aus, danach immer mehr der 130 Stadtinformationsanlagen – also die etwa zwei Meter hohen Werbewände an Haltestellen und am Fahrbahnrand. Bloß die riesigen neuen „Mega-Smartphone-Werbebildschirme“ auf den Standfüßen – 5,75 Meter hoch und mit hochauflösenden hochformatigen Bildschirmen ausgestattet – fehlen nach wie vor. Immerhin 131.200 Euro Mindestpacht pro Jahr bringt der RBL-Vertrag der Stadt ein, plus Umsatzpacht je nach Buchungsinteresse der Kundschaft.

Mehrfach hat RBL bereits angekündigt, dass die Montage der sogenannten „Digital City Flags“ anstelle der früheren „Mega-Lights“ unmittelbar bevorstehe. Passiert ist bislang wenig. Nur hinter den Kulissen wurde fleißig an der neuen digitalen Technik gefeilt und mit der Aachener Stadtverwaltung um Baugenehmigungen gefeilscht. „Bei den City Flags handelt es sich um Monofußanlagen mit digitalen LED-Bildschirmen, die die zuvor aufgestellten Anlagen von JCDecaux ersetzten“, erklärt Monika Clemens aus dem Fachbereich Bauaufsicht, „allerdings nicht zwingend am gleichen Standort und in geringerer Größe.“ Die Art der geplanten Bildschirme ist durch die Werbeanlagensatzung der Stadt nicht allgemein zugelassen. Deshalb waren zusätzlich zu den üblichen Bauvorlagen Lichtimmissionsgutachten erforderlich.

Stumme Zeugen des Ex-Werbepartners JC Decaux: Die Monofußanlagen sollen seit Jahren abgebaut werden. Die alten Plakatwände wurden längst demontiert. Foto: ZVA/Harald Krömer

Eigentlich sollte für jeden der bislang 16 Standorte eine eigene Baugenehmigung mit entsprechenden Gutachten durchgeboxt werden. Zwischen März und Mai 2019 hatte RBL jedoch erst 14 Bauanträge bei der Stadt eingereicht. Diese waren zudem nicht vollständig. „Erst nach Vervollständigung der Unterlagen im Juli 2019 konnte das Beteiligungsverfahren eingeleitet werden, in dem acht Dienststellen zu hören waren“, erklärt Clemens. „Neben der planungsrechtlichen Zulässigkeit wurden die Auswirkungen der Anlagen auf den Verkehr und das Umfeld geprüft“, sagt sie. Zwölf der 14 Anträge wurden inzwischen für folgende Standorte genehmigt: Europaplatz 10, Jülicher Straße 59, Kaiserplatz 11, Dunantstraße vor Hausnummer 4, Mozartstraße 2a, zwei Standorte Vaalser Straße, Turmstraße 10, Breslauer Straße, Dresdener Straße, Jülicher Straße 441, Trierer Straße vor Hausnummer 501.

Die Errichtung von zwei beantragten Anlagen an den Standorten Blücherplatz / Ecke Jülicher Straße und Monheimsallee gegenüber der Bastei wurde abgelehnt. „Am Standort Blücherplatz standen dem Vorhaben denkmalrechtliche Gründe entgegen, am Standort Monheimsallee planungsrechtliche, da das Umfeld dort als Wohngebiet bewertet wird und in einem solchen keine Werbeanlagen dieser Art zulässig sind“, erklärt Bauaufsichtsexpertin Clemens. Für diese beiden Anlagen werden nun Ersatzstandorte gesucht.

5,75 Meter hoch: So sollen die neuen RBL-Monofußanlagen namens „Digital City Flag“ an mindestens 16 Standorten in Aachen aussehen. Foto: RBL Media

Nach anderen Standorten – etwa auch dem RWTH Campus Melaten – sucht RBL noch. „Wir sind in der Endabstimmung, das Verfahren ist langwierig und komplex“, bittet RBL-Geschäftsführer Daniel Lange auf Anfrage unserer Zeitung noch um ein wenig Geduld.

Man wolle die Montage aber in jedem Fall noch dieses Jahr über die Bühne bringen, derzeit sei man auf der Suche nach geeigneten Handwerkern und Baufirmen. „Der Markt in der Baubranche ist stark angespannt, die Suche nicht einfach“, sagt Lange. Schnellstmöglich soll dann der Rückbau der alten Monofüße – inklusive wildem Bewuchs – abgeschlossen und die Installation der neuen „Digital City Flags“ begonnen werden. „Die Fundamente werden bis zum Jahresende im Boden sein“, schätzt der RBL-Chef. Dann folgt der Startschuss für die neue Werbeära in der dunklen Jahreszeit.

Die neuen digitalen Bildschirme, etwa halb so groß wie die früheren bis zu neun Quadratmeter großen „Mega-Lights“, sollen rund um die Uhr leuchten, nachts allerdings gedimmt werden. Dann sollte der neu installierte RBL-Geschäftszweig doch noch aufblühen können.