Aachen: Die Gespräche wegen Anmeldungen gehen weiter

Weiterführende Schulen in Aachen : Wahlverhalten der Eltern sorgt wieder für Überraschungen

Die Gespräche gehen weiter: Offiziell ist der Anmeldezeitraum für die weiterführenden Schulen zwar seit dem 22. März beendet. Final geklärt ist aber noch nicht, welches Kind nach den Sommerferien an welcher Einrichtung die Schulbank drücken wird. Auch dieses Mal haben die Eltern mit ihrem Wahlverhalten viele Fragen aufgeworfen. Wenn auch aus ganz anderen Gründen als noch im Vorjahr.

Denn während die Gymnasien 2018 fast schon überrannt und die Kinder mit Ach und Krach untergebracht wurden, herrschte dieses Mal ungewöhnliche Zurückhaltung. Zwar werden offizielle Zahlen erst im Mai im Schulausschuss präsentiert. Dem Vernehmen nach haben sich allerdings deutlich weniger Schüler angemeldet als erwartet, und zwar nicht nur an Gymnasien.

Zu erklären sei das unter anderem mit einer geringeren Anzahl an Viertklässlern, heißt es aus Schulleiterkreisen. Aktuell besuchen 1776 Jungen und Mädchen in Aachen das letzte Grundschuljahr, wie das städtische Presseamt auf Anfrage mitteilt. Im Vorjahr waren es noch 1839. Allerdings steht auch die Vermutung im Raum, dass sich mehr Kinder als sonst nach Schulen in angrenzenden Kommunen orientiert haben könnten. So wird etwa im Sommer die Gesamtschule Würselen den Betrieb in ihrem Neubau aufnehmen – nicht nur für Kinder, die in Haaren wohnen, dürfte die Fahrt in die Nachbarkommune durchaus eine Alternative sein.

Diese für viele Beteiligten überraschende Entwicklung wurde am Donnerstag auch im Schulausschuss thematisiert – wenn auch zunächst hinter verschlossenen Türen im nichtöffentlichen Teil. Die Entscheidung über den Antrag des St.-Leonhard-Gymnasiums, zum kommenden Schuljahr eine zusätzliche Eingangsklasse einrichten zu können, wurde auf die Maisitzung vertagt. Obwohl aufgrund der Anmeldezahlen nicht nur drei, sondern auch vier Klassen gefüllt werden könnten, sehen die Schulpolitiker weiteren Beratungsbedarf. Denn an anderen Gymnasien sind dem Vernehmen nach durchaus noch Kapazitäten frei.

Nicht ganz unproblematisch wird diese Entscheidung wohl auch dadurch, dass mit der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren langfristig sowieso zusätzliche Räume an Aachens Gymnasien benötigt werden. Ein entsprechendes Gutachten über den konkreten Bedarf soll in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Wie komplex das Anmeldeverfahren an weiterführenden Schulen in NRW mitunter sein kann, betont indes Ralf Gablik, Schulleiter des Einhard-Gymnasiums und Sprecher der Direktoren aller Aachener Gymnasien. Zwar haben Eltern kein Anrecht auf eine bestimmte Schule, wohl aber auf eine bestimmte Schulform für ihr Kind – und zwar unabhängig von der Schulempfehlung der Grundschule. Melden sich mehr Schüler an als Plätze vorhanden sind, dürfen laut NRW-Schulrecht keine Leistungskriterien herangezogen werden. Heißt: Selbst wenn ein Kind eine Realschulempfehlung mit den entsprechenden Noten hat, darf es an städtischen Schulen nicht aufgrund dessen abgelehnt werden. Dafür dürfen Schulleiter andere Kriterien berücksichtigen, etwa das Einzugsgebiet, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen und ob der Schüler oder die Schülerin Geschwister an der Wunschschule hat. Darüber hinaus entscheidet das Los.

Kann der Erstwunsch nicht erfüllt werden, bemühen sich die Pädagogen, zumindest den Zweitwunsch zu ermöglichen. Besprochen wird all dies in der sogenannten Verteilungsrunde, an der in der Regel alle Schulleiter sowie Vertreter der Stadt teilnehmen. „Wir versuchen, immer sofort eine gute Lösung zu finden“, sagt Gablik, der zumindest für seine Schule bestätigt, dass alle Anmeldebescheide mittlerweile verschickt worden sind. Bis alle Viertklässler in Aachen Gewissheit darüber haben, welche Schule sie besuchen werden, dürften allerdings noch einige Gespräche geführt werden.

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