Aachen: Die Arbeiten am Vegla-Haus verzögern sich wegen Asbest

Asbest im Vegla-Haus: Abrissarbeiten verzögern sich um Monate

Der Abriss des ehemaligen Vegla-Hauses an der Viktoriaallee verzögert sich: In dem Komplex mit der ehemals unverwechselbaren Glasfront werden umfangreiche und komplizierte Arbeiten zur Entsorgung von Asbestmaterialien erforderlich, die nach Mitteilung des Bauherrn, der Aachener Nesseler Grünzig Gruppe, so nicht abzusehen gewesen seien. Momentan arbeiten Experten an einem geeigneten Verfahren.

Wer im Glashaus sitzt, sollte beim Umgang mit Steinen bekanntlich Vorsicht walten lassen – die altbekannte Einsicht treibt die Verantwortlichen für den Abriss des ehemaligen Vegla-Gebäudes dieser Tage in besonderem Maße um. Die Arbeiten zur Niederlegung des exponierten 70er-Jahre-Komplexes mit der einstmals so imposanten grünen Glasfassade im Herzen des Frankenberger Viertels sind vorerst gestoppt. Hintergrund: Inzwischen wurde festgestellt, dass in dem Gebäude in erheblich größerem Umfang als zunächst erwartet asbesthaltige Materialien verwendet worden sind, die nun aufwendig entsorgt werden müssen.

Zahlreiche Haushalte im unmittelbaren Umfeld der großen Baustelle an der Ecke Bismarckstraße/Viktoriastraße haben Mitte der Woche Post vom Bauunternehmen Nesseler Projektidee, alias „np 3 GmbH“, erhalten, das an Ort und Stelle ein großes Wohn- und Geschäftshaus errichten will. Im Zuge der Abrissarbeiten sei der gefährliche Baustoff vor etwa anderthalb Wochen überraschend in Betonverschalungen für Rohrleitungen entdeckt worden, heißt es dort. Zwar seien gefährliche Emissionen keinesfalls zu befürchten. „Aber wir müssen nun klären, mit welchen technischen Verfahren sich die Beseitigung des Asbests am besten bewerkstelligen lässt“, erklärt Hubertus Neßeler, Geschäftsführer der np-3-Muttergesellschaft Nesseler Grünzig.

Ein schwieriges Unterfangen, weil sich der giftige Stoff vor allem in sogenannten Faserringen versteckt, die dereinst in den Betonwänden des Gebäudes installiert worden sind. „Damit haben wir in der Tat so nicht rechnen können, obwohl wir im Vorfeld natürlich umfassende Untersuchungen im Hinblick auf Gefahrstoffe veranlasst hatten“, erklärt Neßeler. „Wir haben halt Pech gehabt. Denn die Abrissarbeiten verzögern sich jetzt um voraussichtlich mindestens zwei, eher drei Monate. Aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.“

Allerdings sei eben noch nicht klar, wie man das Problem nun konkret in den Griff bekommen könne. Ein Patentrezept, so etwas wie eine technische Blaupause zur fachgerechten Entsorgung, gebe es in diesem Fall nämlich nicht. Zurzeit brütet daher das Aachener Gutachterbüro Altenbockum und Blomquist über einer adäquaten Lösung, wie eine Freisetzung von Asbest durch „besondere Sicherungsmaßnahmen“ effektiv verhindert werden kann. „Momentan befinden sich auf dem Gelände bereits etwa 1000 Tonnen Bauschutt, den wir voraussichtlich mit speziellen Kunststoffsäcken entsorgen können“, erklärt Geschäftsführer Klaus Blomquist. „Denn dieses Material ist fest gebunden und sehr kompakt.“ Bis Weihnachten soll dazu gemeinsam mit der Bauaufsicht ein geeignetes Verfahren entwickelt werden. Für die kontaminierten Betongefäße, die sich noch in etwa 3,50 Meter Höhe unter der Gebäudedecke befänden, gebe es allerdings „keine Lösung von der Stange“, so Blomquist. „Wahrscheinlich werden wir die betroffenen Bereiche komplett einkapseln und die Schalungen in einem Unterdruckverfahren entsorgen müssen. Das wird besonders aufwendig, da wir es mit rund 4500 solcher Konstruktionen zu tun haben, die jeweils rund 40 Kilo schwer sind.“

Vor dem kommenden Sommer sei daher mit einem Ende der Abrissarbeiten nicht zu rechnen, erklärt Neßeler. Mit der Errichtung des Neubaus, der unter anderem rund 100 Wohnungen, Praxen, Büros und einen Supermarkt sowie eine Tiefgarage beherbergen soll, könne wohl erst Mitte 2019 begonnen werden. Die Bauzeit für das 70-Millionen-Euro-Projekt veranschlagt Neßeler mit rund zwei Jahren. Momentan sei man unterdessen weiter damit beschäftigt, zum Beispiel Reste von alten Zwischendecken zu entfernen, die von der Problematik nicht betroffen sind. Neßeler: „Wir hoffen jetzt, dass wir vielleicht noch in diesem Monat ein geeignetes Verfahren gefunden haben, um den Abriss schnellstmöglich zu beenden.“

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