Aachen: Das Orgeljahr der evangelischen Kirchengemeinde

Zu Bachs Todestag ein ganz besonderes Konzert

23 Konzerte umfasst das Orgeljahr der evangelischen Kirchengemeinde Aachen, das Kantor Klaus-C. van den Kerkhoff in diesem Jahr wieder zusammen gestellt hat.

Dabei hat er im Lauf der Jahre sehr verschiedene Kategorien ins Leben gerufen: Orgelcafé, Orgel vor Ort, Samstagsmusiken an der Annakirche und natürlich ein ausgefeiltes Programm von Orgelkonzerten ebenfalls an der evangelischen Hauptkirche der Stadt. Neu ist ab diesem Jahr ein Konzert zum Todestag von Johann Sebastian Bach.

Am 27. Juli, dem Vorabend des 269. Todestags des Barock-Meisters, widmet sich van den Kerkhoff dessen Werken. Und zwar in der katholischen Kirche St. Adalbert am Kaiserplatz. „Diese Tradition habe ich mir in Köln abgeschaut und in St. Adalbert vor allem in der Rieger-Orgel auf der Empore eine sehr Bach-geeignete Orgel mit einem schön herben Barockklang gefunden“, erklärt van den Kerkhoff das ökumenische Engagement innerhalb des Orgeljahres.

Denn eigentlich steht die Weimbs-Orgel der Annakirche im Mittelpunkt des Jahresprogramms. Hier werden am häufigsten die Manuale und Pedale bedient – mal von van den Kerkhoff selbst, mal von auswärtigen Gästen. Einer der renommierten Besucher ist Thomas Dahl. Der Kantor und Organist der Hauptkirche St. Petri in Hamburg kennt sich zugleich gut in Aachen aus. Er war bis 1995 Kantor an der Aachener Dreifaltigkeitskirche. Für ein Gastspiel kehrt er am 3. Mai mit einem Programm mit Musik von Nicolas de Grigny, Johann Sebastian Bach, César Franck sowie Daniel Roth nach Aachen zurück und wird sich in der Annakirche auch der Kunst der Improvisation widmen. „Darin ist er wirklich sehr gut“, findet van den Kerkhoff.

Experimentierfreudig sind auch das Saxophonquartett „Pindakaas“ und der auf Alte Musik spezialisierte Organist und Cembalist Léon Berben, die sich am 5. Juli Orgelkompositionen klassischer Meister vornehmen. Am 14. Juni gibt van den Kerkhoff selbst ein Programm, das vor allem sehr gut hörbare Werke des 20. Jahrhunderts umfasst, unter anderem ein 20-minütiges Stück von Jürg Baur, einem Professor für Komposition aus Köln. „Er zitiert darin Chormusik des Renaissance-Komponisten Carlo Gesualdo, die er dann weiterspinnt“, beschreibt van den Kerkhoff.

Im August darf auf die Weimbs-Orgel angestoßen werden: zum 25. Geburtstag. Mit-Initiator des Orgelneubaus, der langjährige Annakantor und Kirchenmusikdirektor Wolfgang Karius, feiert das am 2. August mit einem „Magnificat“ mit Werken von Samuel Scheidt, Jean Adam Guilain, Jean Langlais, Jehan Alain und natürlich dem Meister der Orgelmusik, Johann Sebastian Bach. Am 13. September widmet sich van den Kerkhoff Vertonungen des Vater unser.

Für den diesjährigen Abschluss der Orgelkonzerte in der Annakirche am 4. Oktober konnte van den Kerkhoff den Organisten von Saint-Eustache in Paris, Thomas Opital, gewinnen. Er spielt normalerweise auf fünf Manualen, wird aber auch auf der dreimanualigen Weimbs-Orgel der Annakirche die spektakuläre Sonate von Julius Reubke sowie unter anderem die berühmte Toccata von Charles-Marie Widor zum Besten geben. Die Zuschauer dürfen ihm dabei auf die Finger schauen. „Wie immer beim Eröffnungs- und beim Abschlusskonzert gibt es eine Videoprojektion des Spieltisches an die Kirchenwand“, erklärte van den Kerkhoff.

In der Reihe „Orgelcafé“ kommen Interessierte bereits um 10.15 Uhr bei einem gemeinsamen Frühstück im Gemeindesaal der Annakirche zusammen. Sie bekommen dort nicht nur frische Brötchen von der Initiative „Engagiert älter werden“, sondern auch eine Einführung in das Programm durch den jeweiligen Organisten, bevor das Konzert um 11 Uhr startet. „Natürlich darf man auch ohne Frühstück dabei sein“, so van den Kerkhoff. Die nächste Gelegenheit ist am 24. April. Gunter Antensteiner und Misun Kim-Antensteiner präsentieren vierhändige und -füßige Werke von Mozart und Haydn. Mit den Samstagsmusiken holt van den Kerkhoff Neugierige auf die Orgelempore, damit sie beim Spiel hautnah dabei sind. „Dieses Format eignet sich sehr gut für Familien“, meint van den Kerkhoff. „Wenn Kinder dabei sind, ist eine anschließende Fragestunde programmiert.“

Den Abschluss des Orgeljahres feiert van den Kerkhoff am Silvesterabend. Dann spielt er gleich zwei Mal ein rund einstündiges Programm zum Jahresausklang.

Mehr von Aachener Zeitung