Aachen: Das da Theater zeigt "Er ist wieder da"

Theater bringt den Bestseller auf die Bühne : „Er ist wieder da“ im Das Da

Mit der Theaterfassung des Erfolgsromans „Er ist wieder da“ will das Das Da Theater den Finger in die Wunde des Rechtspopulismus legen. Schwarzer Humor ist das richtige Stilmittel.

„AfD – das war doch die Abkürzung für ‚Adolf für Deutschland‘, oder?“ Theaterleiter Tom Hirtz vom Das Da Theater kann und will keine Antwort geben auf die Frage, wie man die aktuellen Zustimmungen für rechtspopulistische Parolen aus der Mitte der Gesellschaft wieder herausbekommt. „Aber den Finger können wir in die Wunde legen – gerne mit schwarzem Humor und den Mitteln der Satire, die vielleicht doch mehr anspricht als der bierernste Zugang.“ Dafür hat er die Theaterfassung des Erfolgsromans „Er ist wieder da“ von Timur Vermes als Erstaufführung nach Aachen geholt. Am Donnerstag, 1. November, ist um 20 Uhr die Premiere.

Dass das Das Da Theater damit einen Nerv getroffen hat, zeigen die aktuellen Vorverkaufszahlen: Alle regulären Vorstellungen sind ausverkauft, die ersten Zusatztermine sind bereits veröffentlicht (siehe Info).

Hirtz, der die Regie übernommen hat, und Bühnenbildner Frank Rommerskirchen lassen Adolf Hitler nach 73 Jahren Ohnmacht genau an dem Ort wieder auferstehen, der 2018 „den denkbar größten Kontrast zu Hitlers Weltbild darstellt“, so Rommerskirchen: dem Holocaust-Mahnmal in Berlin. Die grauen Betonstelen bleiben während der gut zweistündigen Spielzeit immer sichtbar, wandeln sich zugleich in verschiedene Orte des Geschehens: Zeitungskiosk, türkische Reinigung, Fernsehstudio.

Denn auch heute übt Hitler (Klaus Beleczko) mit strammer Haltung und rollender Sprechweise eine Faszination auf die Menschen (in verschiedenen Rollen Felix Freund, Maciej Bittner, Regina Winter, Tine Scheibe, Mehdi Salim und Anke Jansen) aus. „Niemand nimmt ihn ernst, aber alle lassen ihn wachsen“, erläutert Hirtz. Das fängt mit dem belustigten „Ich tu das Facebook“ des Berliner Deutsch-Türken Mehmet zunächst im Kleinen an. Die Macht der Medien wusste der kleine, größenwahnsinnige Despot aber auch schon früher zu nutzen. Und 2018 bieten sich in diesem Feld ganz neue Möglichkeiten. „Alles wird durch die Neuen Medien überall gehört. Stammtischparolen bleiben heute nicht am Stammtisch“, so Hirtz.

Bissig, lustig, unmöglich?: Vermes’ Mediensatire in der Theater-Bearbeitung von Axel Schneider bietet definitiv ausreichend Diskussionsstoff, den die Theaterbesucher bei Bedarf bereits in der Pause miteinander austauschen können. Das ist zumindest Theaterleiter Hirtz’ Hoffnung. Die AfD kommt in Vermes’ Buch übrigens noch nicht vor. Das ist allerdings auch die einzige Anpassung der Buchvorlage von 2011 an das Heute.

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