Aachen: Daniel Schumachers schwerer Kampf um einen neuen Rollstuhl

Krankenkasse lenkt ein : Die Angst vor der nächsten Panne fährt ständig mit

Daniel Schumacher macht durchaus nicht den Eindruck eines Mannes, der sich allzu leicht aus der Fassung bringen lässt. Als Mensch mit Behinderung, der permanent auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat er gelernt, manche Hürde auch im Wortsinn auf seine Art zu meistern.

Bevor sein Geduldsfaden reißt, muss wohl einiges zusammenkommen. Doch genau das ist jetzt der Fall. Mehr als ein halbes Dutzend Mal, erzählt der 23-Jährige, hat er sein Gefährt in den vergangenen Monaten in Reparatur geben müssen. Mehrfach war er auf spontane Helfer angewiesen, weil der elektrisch betriebene Untersatz fernab seiner Wohnung im Burtscheider Vinzenz-Heim schlichtweg streikte.

„Offenbar handelt es sich um ein Montagsmodell“, sagt Daniel Schumacher lakonisch. „Mittlerweile traue ich mich kaum noch vor die Tür, weil ich ständig befürchten muss, dass irgendein Teil kaputtgeht. Ein neues und besseres Gefährt wäre natürlich die beste Lösung.“

Leider aber habe die AOK als zuständige Krankenkasse bislang keine Bereitschaft gezeigt, dem Dauerproblem ein effektives Ende zu bereiten. Auf Nachfrage unserer Zeitung stellt man dort inzwischen allerdings baldige Abhilfe in Aussicht. Denn Daniel Schumachers Wege sind weiter mit fatalen Pannen gepflastert, seit sein Rollstuhl – Kostenpunkt: rund 22.000 Euro - vor gerade einmal rund 16 Monaten erstmals zum Einsatz kam. „Bereits nach zwei Wochen war die Rückenlehne defekt“, erzählt er.

Immer wieder auf Hilfe angewiesen

Eine Woche nach der Reparatur gab sie erneut den Geist auf. Bei einer Tour durch Köln brach die Achse. Der weite Weg heimwärts geriet nicht zum letzten Mal zur Tortur. Mal streikte die Technik, als Schumacher mitten im Wald unterwegs war, mal auf dem Weg zu seiner Ärztin. Immer wieder mussten ihm freundliche Passanten aus der Patsche helfen. „Einmal musste ich die Betreuer im Vinzenz-Heim bitten, mir zu Hilfe zu kommen.“ Bald darauf musste das Gefährt neu geerdet werden, weil es plötzlich unter Spannung stand. Schließlich verweigerte die Fußstütze den Dienst; sie ließ sich nicht mehr einstellen.

Der Hersteller, eine Firma aus Malsch bei Heidelberg, nahm eine Generalüberholung vor. Ohne großen Erfolg. Zurzeit steht eine weitere Reparatur an. Ein Steuerungshebel ist hinüber. Die Kosten übernimmt der Produzent, da die Gewährleistungsfrist noch läuft. Schumacher ist derweil mit einem Ersatzgefährt unterwegs, das einwandfrei funktioniert, wie er betont. Da er an einer sogenannten Tetraspastik leidet, einer erheblichen Beeinträchtigung des gesamten Bewegungsapparats, kann er mit einem konventionellen, rein mechanischen Fortbewegungsmittel wenig anfangen.

„Und wenn dieses oder jenes Teil nicht richtig funktioniert, werden meine Schmerzen noch größer als ohnehin schon. Aber bei der zuständigen Hilfsmittelstelle der AOK in Köln wechseln die Ansprechpartner ständig. Ich verstehe einfach nicht, warum die Krankenkasse mir nicht einfach einen neuen Rollstuhl zur Verfügung stellt, damit ich endlich wieder selbstständig unterwegs sein kann.“

Offensichtlich ist man dort inzwischen allerdings bereit, der Misere Einhalt zu gebieten. „Wir können sehr gut nachvollziehen, dass das Vertrauen von Herrn Schumacher in sein Hilfsmittel sehr gelitten hat“, unterstreicht eine AOK-Sprecherin auf Nachfrage. Inzwischen habe man dem Hersteller eine Frist zur „letztmaligen Nachbesserung“ bis zum 14. August gesetzt. „Sollte es danach wieder zu gravierenden Problemen kommen, werden wir von unserem Rücktrittsrecht Gebrauch machen.“ Heißt: Sollten weiterhin schwerwiegende Defekte auftreten, „wird Herr Schumacher einen neuen Elektrorollstuhl erhalten, da wir ihm die ständigen Reparaturen und die damit verbundene Unsicherheit nicht weiter zumuten möchten.“

Neuer Rollstuhl nicht ohne Weiteres möglich

Leider sei es jedoch nicht möglich, sofort ein neues Gefährt zur Verfügung zu stellen, da die Kasse aus rechtlichen Gründen ein letztes Ultimatum stellen müsse. Einen konkreten Zeitrahmen könne man dabei zwar nicht fixieren, heißt es schließlich. Angesichts der permanenten Mängel sei es „uns jedoch ein großes Anliegen, eine für Herrn Schumacher dauerhaft zufriedenstellende Lösung zu finden“.

Daniel Schumacher bleibt also vorerst nur die Hoffnung, dass sein „Montagsmodell“ zumindest mittelfristig intakt bleibt – oder dass es baldmöglichst endgültig reif ist für die Schrottpresse.

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