Aachen: "Cocoon" und "Baristinho" investieren in die Zukunft

Ambitionierte Pläne : Pop-up-Pioniere „Baristinho“ und „Cocoon“ versprechen große Rückkehr

Aus Alt mach’ Neu? Von wegen. Vor anderthalb Jahren haben das Café „Baristinho“ und der Vintage-Laden „Cocoon“ als Pioniere des Pop-up-Storekonzepts auf der Aachener Kleinmarschierstraße Schlagzeilen gemacht. Zum Jahresende ist Schluss. Denn jetzt werden Millionen Euro investiert.

Das Experiment ist geglückt. Womöglich in dieser Form zum ersten Mal in der Aachener Einzelhandelsgeschichte. „Das Geschäftslokal stand Anfang 2017 leer. Und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoge als Eigentümerin der Immobilie hat unserem Konzept etwas zugetraut, so dass wir zu günstigen Konditionen loslegen konnten“, erinnert sich Florian Schüring. Er ist Inhaber von „Cocoon“, ein unkonventioneller Vintage-Laden für Möbel, Lampen und Interieur im industriellen Design. Was etwas Großstädtisches hat.

Buchstäblich daneben richteten Kirsten Heintz und Andreas Heitkamp im gleichen „Shabby-Chic“-Look ihr Café „Baristinho“ ein. Und verwöhnen seit dem 1. Juli 2017 nicht nur wie gehabt auf Wochenmärkten, sondern eben auch stationär eine treue Kundschaft mit Kaffee-Spezialitäten, Suppen, Quiches und Kuchen – alles hausgemacht.

Apropos: Weil in der ehemaligen Modeboutique an der Kleinmarschierstraße 50-52 weder gastronomietaugliche Toiletten noch ein professionelles Abluftsystem oder Fettabscheider installiert waren, mussten Ausnahmeregelungen her. Und die wurden gefunden. Alkoholische Getränke waren tabu, und gekocht beziehungsweise gebacken wurde in der heimischen Backstube. Der Pop-up-Store – das ist schließlich integraler Bestandteil des Konzepts – war ja nur auf überschaubare Zeit angelegt. „Auf einen längeren Mietvertrag zu den üblichen Gastronomie-Konditionen hätten wir uns auch gar nicht einlassen können“, sagt Heintz. Das unternehmerische Risiko wäre viel zu hoch gewesen.

250 Quadratmeter sind vorgesehen

Aber Gewoge-Vorstand Thomas Hübner glaubte an die beiden innovativen jungen Unternehmen. Er machte den Weg frei. Jetzt beginnt die Kernsanierung des gesamten Gebäudes. Dazu zählen nicht nur Räume und Ladenlokal im Erdgeschoss, sondern 800 Quadratmeter Mietwohnfläche in den oberen Etagen. „Im Januar beginnt der umfassende Umbau: neue Fenster, Aufzüge, Balkone – ein großes Vorhaben“, sagt Hübner.

Knapp anderthalb Jahre sind veranschlagt, rund zwei Millionen Euro Investition. Dafür wird allerdings auch das Erdgeschoss fein herausgeputzt. Denn „Baristinho“ und „Cocoon“ sollen zurückkehren. 250 Quadratmeter sind vorgesehen. „Das sind einfach tolle Mieter, die die gesamte Kleinmarschierstraße bereichern. Die Resonanz von Kundschaft und Bürgern ist geradezu überschwänglich“, lobt der Gewoge-Vorstand. Deswegen sei die Fortführung der „sehr lebendigen Nutzung“ geplant. Ein beispielhafter Erfolg auch für andere leerstehende Ladenlokale in Aachen...

Am 31. Dezember 2018 ist also erstmal Schluss, besser: Pause. Auf Wiedersehen sagen wollen die Akteure am Dienstag, 18. Dezember, an der Kleinmarschierstraße ab 16.30 Uhr mit einer öffentlichen „Abschiedsfeier“ inklusive Live-Musik.

2020 geht es dann an selber Stelle weiter: mit großer Gastronomieküche, mit einem breiteren Essensangebot, Wein-Spezialitäten und erweiterten Öffnungszeiten bis in den Abend. Das ist der Plan. Bis dahin zieht „Cocoon“ zurück in die Südstraße 34; und „Baristinho“ zieht – unter anderem – über die Wochenmärkte. So passt der Slogan eben doch irgendwie: „Aus Alt mach’ Neu.“

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