Aachen: CDU-Fraktionsgeschäftsführerin Marianne Krott hört auf

Marianne Krott : Eine Pionierin geht in den Ruhestand

Vor gut fünf Jahren hat Marianne Krott die Geschäftsführung der Aachener CDU-Fraktion in einer denkbar schwierigen Phase übernommen. Der Vorsitzende abgewählt, die damalige Geschäftsführerin geschasst, die Fraktion zerrissen. Krott sollte retten, was kaum noch zu retten schien. In der Rückschau muss man die Aktion als gelungen bezeichnen. Nun geht die 65-Jährige in den Ruhestand.

„Ich habe meinen bescheidenen Beitrag leisten können“, sagt sie rückblickend und bemüht darum, ihre Rolle bloß nicht zu wichtig zu nehmen. Es ist das Los einer Geschäftsführerin, eher im Hintergrund zu bleiben. Sie hält zwar die Zügel in der Hand, bereitet Beschlüsse vor und sichert den Informationsfluss. In der Öffentlichkeit aber stehen die gewählten ehrenamtlichen Politiker. Der Name Marianne Krott fällt selten in Verbindung mit der CDU.

Dabei hat ihr „bescheidener Beitrag“ mit dafür gesorgt, dass sich die CDU schnell wieder berappelt hat und bei den Kommunalwahlen 2014 erneut stärkste politische Kraft in Aachen wurde. Das schwarz-grüne Kapitel wurde abgehakt, ein schwarz-rotes aufgeschlagen. Parteiinterne Zerwürfnisse dringen selten nach außen und belasten schon gar nicht die Arbeit im Rat. Auch mit dem damals abgesetzten und zwischenzeitlich wiedergewählten Fraktionsvorsitzenden Harald Baal scheint Krott gut zu harmonieren. „Es gibt eine große gegenseitige Wertschätzung“, sagt sie. Wie sie sich überhaupt mit allen Fraktionsmitgliedern gut verstehe.

Dass sie 2013 gebeten wurde, ihren Beamtenposten als Bezirksamtsleiterin in Brand aufzugeben und quasi in die Politik zu wechseln, erklärt sie sich so: „Man hat mich wohl als eine Person wahrgenommen, die Probleme lösen, auf Menschen zugehen und ausgleichend wirken kann.“ Von sich selbst sagt sie, neue Herausforderungen zu lieben. Erst Recht, wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und für ein gemeinsames Ziel zu begeistern.

Im Verlauf ihrer Karriere, die mit dem Eintritt in den Verwaltungsdienst im August 1969 begann, musste sie öfter zeigen, dass sie das kann: sich durchbeißen und manchmal auch dicke Bretter bohren. Doch auch all das sei nur möglich gewesen, weil sie sich immer auch auf andere verlassen konnte. Erfolgreich könne man nur im Zusammenwirken mit anderen sein, ist sie überzeugt.

Es waren damals noch andere Zeiten. In der Stadtverwaltung machten vor allem Männer Karriere, Frauen saßen bestenfalls in den Sekretariaten und erledigten Schreibarbeiten. Hosen durfte man nicht mal im strengsten Winter tragen, erinnert sich Krott, die eine der ersten Beamtinnen bei der Stadt wurde. „Wir waren Exotinnen und echte Pionierinnen.“ Und diese Rolle hatte sie in der Folge noch öfter.

Die gebürtige Hambacherin schaffte zügig den Aufstieg vom mittleren in den gehobenen Dienst und erwarb 1976 den Titel der Diplom-Verwaltungswirtin. Einem breiteren Kreis der Öffentlichkeit wurde sie Anfang 1988 nach ihrer Berufung zur „Bürgerbeauftragten für Frauenfragen“ bekannt. In der damals noch unter Stadtdirektor Heiner Berger sehr konservativ ausgerichteten Verwaltung war das kein Posten, der hohes Ansehen hatte. „Er war kein Freund dieser Stelle.“ Frauenbeauftragte wurden noch vielfach als lästig empfunden. „Das musste man aushalten und beharrlich sein.“

All das, was heute als normal empfunden wird – Teilzeitbeschäftigung, Kita-Betreuung, Erziehungsurlaub für Väter, Frauen in Leitungspositionen – musste noch erarbeitet werden. „Es freut mich, dass vieles davon heute selbstverständlich ist“, sagt Krott, die selbst Mutter eines Sohnes ist. Sie hat das Frauennetzwerk gegründet, die Regionalstelle „Frau und Beruf“ mit aufgebaut und geleitet und Ende der 1990er Jahre auch die erste Aachener Frauenmesse mit ins Leben gerufen. Männer seien seit jeher gut vernetzt, Frauen hätten das erst lernen müssen, sagt sie.

Es war eine Tätigkeit, bei der sie relativ große Freiheiten hatte. Viele hätten es daher nicht verstanden, dass sie 2001 ins Bezirksamt Brand gewechselt ist. Mit seinen rund 18.000 Einwohnern erschien ihr die Arbeit in dem Bezirk reizvoll, weil sie dort eine „Stadtverwaltung im Kleinen“ führen konnte. Im selben Jahr wurde sie CDU-Mitglied. Sie habe sich den Christdemokraten immer schon zugehörig gefühlt, sagt sie. Als Frauenbeauftragte sei es ihr zuvor jedoch wichtig gewesen, parteipolitisch neutral aufzutreten.

Mit dem Notruf aus der Fraktion war es im Jahr 2013 dann endgültig vorbei mit der Neutralität. „Ich wollte der CDU helfen“, erklärt sie den Wechsel vom Brander Bezirksamt auf die Fraktionsflure am Katschhof. Ihre Arbeit übergibt sie nun an ihre Nachfolgerin Elke Eschweiler. Privat könne sie im neuen Jahr dann endlich das tun, wofür sie bisher keine Zeit hatte: einen Chor suchen, in dem sie mitsingen will, mehr Sport treiben und ehrenamtlich als Schöffin arbeiten. „Für mich ist der Ruhestand ein neuer Anfang. Langeweile habe ich bestimmt nicht.“

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