Aachen: Bürgerstiftung Lebensraum widmet sich dem Thema Armut

Armut bekämpfen : Polarisierung der Städte führt zu immer größer werdendem Ungleichgewicht

Was sind die Faktoren für Armut und wie kann man diesen entgegenwirken? Dem gingen nun die Bürgerstiftung Lebensraum und die Offene Tür D-Hof auf den Grund.

Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen lud im Rahmen des Projektes Offenen Aachen – Für Demokratie-Menschenwürde-Vielfalt in die Nadelfabrik zu zwei Vorträgen ein, die sich mit eben diesen Inhalten auseinandersetzten. Andreas Reiners, Professor für Soziologie und Sozialpolitik an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen, Schwerpunkte Soziale Ungleichheit, Armut, Sozialpolitik, Sozialraumanalyse, referierte über die Ursachen und Hintergründe von Armut und sozialer Polarisierung in den Städten. Anhaltende Langzeitarbeitslosigkeit, Entsicherung der Arbeitsverhältnisse und Polarisierung der Einkommen führen laut Reiners dazu, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde.

Die Leiharbeit habe sich in Aachen von 2003 bis 2016 mehr als verdoppelt und auch die Teilzeitbeschäftigung sei um 66 Prozent gestiegen. Ferner betonte Reiners, dass der Niedriglohnbereich in Deutschland der größte in Westeuropa sei. Die Erwerbsarmut habe sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. „Soziale Polarisierung zersetzt sozialen Zusammenhalt der Städte, untergräbt materielle Grundlagen von Teilhabe und Demokratie“, so Reiners. Doch was können Gegenkräfte auf kommunaler Ebene sein? Der Professor plädierte für die Stärkung der Förderung des „Gemeinwohls“, um sozialer Polarisierung entgegenzuwirken.

Auch zivilgesellschaftliche Gruppen zeigten erhebliche Bereitschaft zur gemeinsamen Verantwortung für die Stadtgesellschaft. Des Weiteren sprach sich Reiners dafür aus, Städte wieder als Orte der Produktion zu stärken, kommunale Verantwortung für öffentliche Güter zurückzugewinnen und „kollektive Wirksamkeit“ in benachteiligten Vierteln zu stärken.

Wie man Armut im Alltag und somit in der Praxis begegnet, machte Sandra Jansen, Supervisorin Dipl. Sozialpädagogin und seit 2006 Leiterin der Kinder- und Jugendeinrichtung Offene Tür D-Hof deutlich. Generell betonte sie, dass Armut Ursachen hat, auf die die betroffenen Menschen nur wenig Einfluss haben. Sie wirkt sich negativ auf Bildungschancen, Gesundheit und Lebensdauer, gesellschaftliche Teilhabe und Lebenszufriedenheit aus. Armut gefährdet auf diese Weise die Menschenwürde der Betroffenen.

Ausgewogene Ernährung

Im Brennpunktstadtteil Driescher Hof wächt mehr als jedes dritte Kind in Armut auf. Jansen und ihr Team reagieren mit zahlreichen Angeboten rund um die Gesundheitsförderung von jungen Menschen darauf. „Wir können an der Armut nichts ändern, aber wir können die Folgen dessen abfedern. Mit der Offen Tür und den beiden Ganztagsschulen haben wir bis zu 300 Besucher pro Tag in unserer Einrichtung“, so Jansen.

Seit 2014 rücken die Verantwortlichen unter anderem die Gesundheitsförderungen stark in den Mittelpunkt ihres Handelns. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung gepaart mit ausreichend Bewegung sind die Schwerpunkte. „Mit „Let’s move“ ist es gelungen, einen systematischen Ansatz zur Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in unserer Einrichtung zu implementieren. Dabei geht es im Wesentlichen um gesunde und leckere Ernährung, Spaß an der Bewegung und naturnahe Angebote im eigenen Garten“, betonte Jansen. Was beide Referenten deutlich machten: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander und die Probleme, die damit einhergehen, können nur gelöst werden, wenn man gemeinsam mit notwendiger Unterstützung vorgeht.

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