Aachen: Bürgerforum diskutiert vor allem über Radverkehr

Brand : Ein Stadtteil voller Verkehrsprobleme

Brand steht vor einem Verkehrskollaps – den Eindruck konnte in der Tat gewinnen, wer der jüngsten Sitzung des Bürgerforums beiwohnte.

„Das Bürgerforum ist ein Ausschuss des Stadtrats“, vergisst Vorsitzende Lisa Lassay, Ratsfrau der Grünen,  die kommunalpolitischen Zusammenhänge den Zuhörern nie zu erklären. Seit geraumer Zeit tagt das Forum nicht mehr im Rathaus, sondern kommt zu den Bürgern. Dieses Mal nach Brand. Die Brander sollten mitreden – und sie machten geradezu spektakulären Gebrauch davon: Mit sage und schreibe 235 Besuchern war die Mensa der Gesamtschule in der Rombachstraße voll besetzt.

Aufwertung für Radfahrer

Eröffnet wurde mit einem Horror-Videofilm. Sein sperriger Titel: „Aufwertung der Freunder Landstraße für Rad- und Fußverkehr.“ Auf der  stark befahrenen Ein- und Ausfallstraße aus der und in die süd-östliche Aachener Region strampelt bei regennassem Wetter ein Radler in knallroter Outdoor-Jacke Richtung Stolberg – und zurück. Er überlebt. Er musste sich schmalsten Gehweg, wo überhaupt vorhanden, mit Fußgängern teilen, an einer langen Bushaltebucht runter vom Rad, an quer und regelwidrig geparkten Autos sein Rad schieben, sich an einer mittemang postierten Ampel vorbeischlängeln, vorbei an Gehwege buschig versperrende Hecken, er musste die Straßenseite wechseln, er musste, wo weder schmaler Weg noch sonst etwas ist, rauf auf die gefährliche Landstraße.

„Einer kam durch“ wäre nach einem Klassiker der passendere Filmtitel. Als Produzent des kurzen Streifens zeichnet der Arbeitskreis „FahrRad in Aachen-Brand“ verantwortlich, mit der Stadtteilkonferenz Brand denn auch Antragsteller, die Freunder Landstraße für „alle“ Verkehrsteilnehmer mit sicheren Rad- und sicheren Fußwegen neu aufzuteilen. „Das ist ein Unding, so geht es nicht weiter, das wollen wir ändern“, fasste Hauptdarsteller und „FahrRad“-Sprecher Gereon Hermens seinen Vortrag zusammen.

„In diesem Jahr geht die Planung auf den Weg“, versprach Tobias Larscheid vom städtischen Verkehrsmanagement. Weil „uns allen klar ist, dass ein Umbau eine Zeit dauern wird“, so Gereon Hermes, machte „FahrRad“ Vorschläge für eine „kurzfristige Übergangslösung 2020“, unter anderen: Josefstraße als Fahrradstraße ausweisen; Zweirichtungsradweg zwischen Josefsallee und August-Körver-Weg; Rampe statt Treppe als Zugang zu einem Discounter Richtung Kleinbahnstraße; einige Gehwege für Radler in beide Richtungen freigeben; Haltestelle modernisieren.

Das Bürgerforum hat keine Entscheidungskompetenz. Die Politiker empfahlen aber einstimmig, die Vorschläge von „FahrRad“ in den Fachausschüssen vorzustellen und zu diskutieren. Zudem soll die Verwaltung in der Bezirksvertretung Brand am 3. Juli über „kurzfristig zu realisierende Maßnahmen“ berichten.

Nicht von der verkehrlichen Dramatik wie die Freunder Landstraße, dennoch seit Jahrzehnten ein Dauerthema und gefährlich für Fußgänger und Radfahrer stellt sich die Situation in der Grachtstaße dar. Eine schmale Straße, die sich vom Wohnviertel Schroufstraße durchs Indetal hochzieht zur kleinen, zu Brand gehörenden Ortschaft Krauthausen. Ebenfalls video-unterstützt erläuterte Franziska Leuchter ihren Antrag, die Grachtstraße zwischen Indeweg und Komericher Weg für den Kfz-Verkehr zu sperren.

Leuchter argumentierte sehr gut und couragiert, auch mit Blick auf den Naturschutz. Andere Bürger befürchten jedoch, bei einer Sperrung werde Krauthausen von Brand „abgenabelt“. Das Bürgerforum leitete den Antrag „zur abschließenden Beschlussfassung“ an die Bezirksvertretung Brand weiter.

Anwohner der Nordstraße

Ein drittes „dickes“ Brander Verkehrsproblem stand an und wird Bürger wie Politiker wohl noch lange und immer drängender beschäftigen: Durch den Ausbau des Gewerbeparks Brand, ehemals Camp Pirotte, wird für die Anwohner der Nordstraße die Situation immer unerträglicher, insbesondere im Bereich zwischen den Straßen Brander Heide und Erftstraße. Sechs Varianten liegen mittlerweile auf dem Tisch, wie die Einmündung der Straße Gewerbepark Brand in die Nordstraße besser geordnet werden könnte. In der lebhaften Diskussion machten Anwohner weitere detaillierte Vorschläge. Auch hiermit soll sich erneut die Bezirksvertretung Brand befassen. 

Mehr von Aachener Zeitung