Aachen: Bürgerforum beschäftigt sich mit Bäumen in der Mozartstraße

„Standfestigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt“ : Platanen sind keine Gefahr für die Gasleitung

Wer die Schule schwänzte, gerade als im Fach Biologie die Platane ihren Auftritt hatte, konnte im Bürgerforum Versäumtes nachholen. Der Fachbereich Umwelt präsentierte dort auf fünf Din A4-Seiten allerlei Wissenswertes über die Platane.

Dass die Wissenschaft den Laubbaum lateinisch Platanus acerifolia nennt. Dass ein Platanus-Kabänes 300 Jahre alt werden kann. Dass er 40 Meter hoch und seine Krone 30 Meter breit wachsen können. Fachliteratur wurde zitiert, Gutachten wurden studiert und Spezialisten des Forschungszentrums Karlsruhe bemüht.

So erfuhren die Mitglieder des Bürgerforums unter anderem, dass die Platane mit ihren Wurzeln feste Körper im Boden liebend gerne umschlingt, ein Verhalten allerdings, das „zu Problemen hinsichtlich benachbarter Rohrleitungen führen kann“. Und genau deshalb haben sich die Damen und Herren des Forums so eingehend mit dem Wohlergehen von Platanus acerifolia beschäftigt. Denn ein Anwohner befürchtet, dass neun städtische Platanen in der stark befahrenen Mozartstraße, stadtauswärts links zwischen Beethovenstraße und Reumontstraße, nicht mehr sicher seien. Herabbrechende Äste könnten Fußgänger, Bewohner und drei Häuser gefährden. Noch mehr Angst aber macht ihm die „Gefahr unter der Erde“, wie er im Bürgerforum sagte. Die Wurzeln der alten Bäume könnten die Leitungen für Wasser, Strom und Abwasser zu seinem Haus beschädigen. Am gefährlichsten jedoch sei, dass die Gasleitung zum Haus nur einen Meter vom Stamm einer Platane liege. Was, wenn sie die Gasleitung umwurzele und hin und her bewege?

Die Verwaltung antwortete ausführlich. Auf 80 bis 90 Jahre schätzt sie das Alter der „markanten Platanen“ in der Mozartstraße. Im dicht bebauten Kernbereich der Stadt seien sie „ein besonderes und wesentliches Element zur Verbesserung der lufthygienischen und stadtklimatischen Verhältnisse“. Sie unterstützten das örtliche Grün und seien „von erheblicher ortsprägender Bedeutung“.

Der langfristige Erhalt der neun Platanen liege im öffentlichen Interesse. Wie die städtischen Bäume überall würden auch neun „durch zertifizierte Baumkontrolleure regelmäßig vom Erdboden aus nach dem neusten Stand des Wissens und der Technik“ kontrolliert – Schadensmerkmale habe man nicht gefunden. In den orkanartigen Stürmen der vergangenen Wochen hätten die Bäume „eindrucksvoll ihre Standfestigkeit unter Beweis gestellt“, teilte Jürgen Drautmann vom Fachbereich Umwelt.

Und die Gasleitung? Drautmann verwies auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf und auf Experten, die „dringend davon abraten, alle Straßenbäume, welche sich in Nachbarschaft zu einer Gasleitung befinden, vorsorglich zu entfernen“. In der Mozartstraße gebe es keine Anzeichen dafür, dass von den Wurzeln Gefahr ausgehe. Fazit: „Sollte der Petent den konkreten Nachweis erbringen, dass das Wurzelwerk eine lastabtragende, schadhafte mechanische Wechselwirkung auf die besagte Gasleitung ausübt, so wird von Seiten des Fachbereichs Umwelt unverzüglich über den weiteren Verbleib des Baumes entschieden.“

„Die Gefahr wird verharmlost“, misstraut der Anwohner den Erklärungen. Er verwies auf ein angebliches Gutachten, dass der Regionetz GmbH/Stawag vorliege, die es aber nicht rausrücke. Michael Geber, Geschäftsführer des Bürgerforums, versicherte: „Die Regionetz hat eine deutliche Stellungnahme abgegeben. Danach muss keine Besorgnis bestehen. Eine Gefährdung ist auszuschließen.“ Zudem wolle sie im Sommer einige Leitungen erneuern.

„Sie müssen sich keine Sorgen machen“, versuchte Forumsvorsitzende Lisa Lassay (Grüne) den Anwohner zu beruhigen – allerdings erfolglos.