Kita-Planung: Aachen braucht mehr Kita-Plätze in der Innenstadt

Kita-Planung : Aachen braucht mehr Kita-Plätze in der Innenstadt

Vor allem in der Aachener Innenstadt müssen weitere Kita-Pätze geschaffen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Die Fachleute schlagen vor, künftig für mehrere Viertel gemeinsam zu planen.

In zehn Jahren, von 2008 bis 2017, sind in Aachen rund 17.000 Kita-Kinder „gewandert“, grob geschätzt etwa 1700 pro Jahr. Diese Zahlen hat der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Schule erhoben. Die kleinen „Wanderer“ sind nicht in Wanderschuhen unterwegs. Vielmehr handelt es sich um Kinder, die von ihren Eltern nicht im eigenen Stadtviertel, sondern in einem benachbarten Quartier in die Kita geschickt werden. Besonders deutlich sind diese Wanderungen in Richtung Innenstadt zu beobachten. Die Folge: Vor allem dort müssen über die vorhandenen Zielvorgaben hinaus weitere Kita-Plätze geplant werden.

Die Verwaltung schlägt deshalb vor, bei der Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten künftig die sechs innenstädtischen Sozialräume zu einem großen Gebilde, einem „Sozialraumcluster“, zusammenzufassen. Das würde die Planung von neuen Kita-Plätzen in der Innenstadt erleichtern, argumentieren die Fachleute. Am 5. November wird sich der Kinder- und Jugendausschuss mit den Vorschlägen befassen.

Die sechs Sozialräume im Innenstadtbereich sind Zentrum/Soers, Hochschulviertel/Hörn, Ostviertel/Rothe Erde, Süd-West, Burtscheid/Beverau sowie Forst/Driescher Hof. Für diesen Bereich stellt die Verwaltung im laufenden Kita-Jahr 2019/20 eine Versorgungsquote bei den unter Dreijährigen von durchschnittlich knapp 45,5 Prozent fest. Sobald bereits geplante Ausbauprojekte fertiggestellt sind, dürfte die U3-Versorgungsquote auf gut 49 Prozent wachsen. Das von der Politik vorgegebene Ausbauziel von 50 Prozent wäre damit so gut wie erreicht – allerdings sagt die Zahl nichts darüber aus, ob für jedes Kind, das einen gesetzlichen Anspruch auf eine U3-Versorgung hat, auch tatsächlich ein Platz vorhanden ist.

Durch Umwandlungen von Ü3-Plätzen und Anbauten an bestehende Einrichtungen lassen sich mittlerweile kaum noch neue Betreuungsplätze für Kleinkinder schaffen. Dieses Potenzial sei so gut wie ausgereizt, stellt die Verwaltung in der Vorlage für den Ausschuss erneut fest: „Neue Betreuungsplätze lassen sich aktuell fast nur noch über Neubauten realisieren.“ Durch ein „Sozialraumcluster“ erhofft die Verwaltung sich mehr Spielraum, wenn es darum geht, Flächen für einen Kita-Neubau zu reservieren oder mit möglichen Investoren ins Gespräch zu kommen. Denn in den Sozialräumen 1 (Zentrum/Soers), 2 (Hochschulviertel/Hörn) und 4 (Süd-West) wird die Zielversorgungsquote von 50 Prozent demnächst bereits überschritten sein. Da hätte die Verwaltung nach der derzeitigem Regelung keine Handhabe, dort Neubauten zu planen.

Um eine U3-Versorgungsquote von 55 Prozent zu erreichen, wären nach Berechnungen der Fachverwaltung 315 neue Kleinkindplätze nötig. Peilt man eine Versorgungsquote von 60 Prozent an, steigt die Zahl der nötigen neuen Plätze sogar auf 645. Um 315 neue U3-Plätze zu schaffen, so rechnen die Fachleute vor, müssten acht neue Kitas mit jeweils sechs Gruppen gebaut werden. Denn neben neuen U3-Plätzen sollen jeweils auch Ü3-Plätze geschaffen werden, damit die Kinder bis zu Einschulung in ihrer Kita bleiben können. Will man eine Versorgungsquote von 60 Prozent erreichen, wären laut Verwaltung 15 neue Kindertagesstätten nötig.

Auch das hat die Verwaltung ausgerechnet: Fast 77 Prozent der Kinder sind an ihrem allerersten Tag in einer Kindertagesstätte jünger als drei Jahre. Fast 40 Prozent sind beim Eintritt in eine Kita zwischen zwei und drei Jahre alt. Und gut zehn Prozent sind sogar jünger als ein Jahr.

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