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Aachen: Betrugsmasche mit falschen Polizisten

Betrugsmasche : Wenn der falsche Polizist am anderen Ende der Leitung ist

Wenn spät abends das Telefon klingelt und ein Polizist vor einem möglichen Einbruch warnt, dann sollten die Alarmglocken angehen. Denn so etwas passiert nur, wenn Betrüger in der Leitung sind.

Es war Sonntag, der 16. Dezember 2018, abends, 22.30 Uhr, als das Telefon von Gertrud M. (Name von der Redaktion geändert) klingelte. Der Mann am anderen Ende der Leitung sagte, dass er von der Polizei sei und Gertrud M. sicherstellen solle, dass alle Fenster und Türen in ihrer Wohnung verriegelt seien. Er wolle sie warnen, denn die Polizei habe zwei Personen festgenommen. In deren Unterlagen hätten die Beamten Gertrud M.s Adresse gefunden. „Sie müssen damit rechnen, dass Sie heute Nacht überfallen werden“, sagte der Mann. Er riet ihr, alle Wertsachen zusammenzusuchen, die ein Kollege des Anrufers noch am selben Abend abholen werde.

„Ich war schockiert“, sagt Gertrud M. Aber sie sei auch hellhörig geworden, hatte über solche Maschen bereits etwas gelesen. Sie sagte dem Anrufer, dass sie zurückrufen werde. Dann wählte sie die 110. Bei der Polizei kam ihr Anruf an diesem Abend allerdings nicht an.

Bis zu 70 Anrufe an einem Tag

Die Fälle, in denen es um Betrug durch falsche Polizisten geht, häufen sich. Im Jahr 2018 wurden laut Angaben der Aachener Polizei insgesamt 1185 Fälle aktenkundig, davon 112 vollendete Straftaten (die Senioren erlitten tatsächlich einen Vermögensschaden) und 1073 versuchte Straftaten (es kam nicht zu einem Vermögensschaden). „Es gilt zu beachten, dass bereits ein Telefonanruf, bei welchem sich ein Täter zum Beispiel als Polizeibeamter ausgegeben hat, als versuchte Straftat erfasst ist. Es gab Tage, an denen bis zu 70 Anrufe bei der Leitstelle eingingen, bei denen ein Hinweis auf eine solche Masche erfolgte“, so Andreas Müller von der Pressestelle der Aachener Polizei. Bei den oben genannten Zahlen handelt es sich zudem nicht einzig um die Masche der falschen Polizeibeamten. Auch der Enkeltrick wird dort mitunter aufgeführt.

Vor etwa zwei Wochen warnte die Aachener Polizei aufgrund eines aktuellen Falls erneut vor dem Trickbetrug, der immer absurdere Ausmaße annimmt. Denn Gertrud M. wurde sehr wahrscheinlich am Telefon so unter Druck gesetzt, dass sie selbst den Hörer nicht auflegte. „Es kann schon so gewesen sein“, sagt sie. Denn immer dann, wenn die Opfer sagen, dass sie zurückrufen werden, um sich abzusichern, wird der falsche Polizist so etwas sagen wie: „Das können Sie gern tun, aber Sie müssen sich beeilen. Ich lege jetzt schnell auf und Sie rufen gleich die 110 an.“ Das hat Gertrud M. auch gemacht. An der Leitung war nun ein Herr Obermayer. „Ich habe dort meine Geschichte erzählt. Daraufhin wollte Herr Obermayer mit mir ein Codewort vereinbaren, damit ich nächste Gespräche mit der echten Polizei gleich zuordnen könne“, sagt M. Auch das kam ihr komisch vor. „Das war so beunruhigend“, sagt sie. Daher rief sie zu einem späteren Zeitpunkt zur Sicherheit erneut bei der Polizei an. „Sie waren gar nicht mit uns verbunden“, sagte der Aachener Polizist.

Gertrud M. hatte den Betrugsversuch frühzeitig erkannt. Ihre Wertsachen habe sie nicht rausgegeben, keinen Termin vereinbart. Aber das ungute Gefühl blieb. Und sie hat einen Fehler gemacht: „Die Verbindung ist gar nicht unterbrochen worden“, sagt Andreas Müller über die neueste Variante der Betrugsmasche. Die Opfer blieben durch die Aussagen der Betrüger häufig in der Leitung, der Betrüger tue so, als würde er auflegen, das Opfer wählt die 110. In dem Moment bleibt das Opfer in der Leitung mit dem Betrüger und kann keine Hilfe bei der „richtigen“ Polizei erfahren. „Die Täter rufen per Internet an“, sagt Müller. Im Display der Opfer werde oft die 110 oder eine regionale Telefonnummer angezeigt, doch eigentlich führe die Verbindung häufig in die Türkei. Die Polizei riefe allerdings niemals per 110-Nummer an. Auch ein Codewort würde man nicht vereinbaren. „Wenn es etwas zu klären gibt, würden wir die Menschen ins Präsidium laden“, so Müller weiter. Telefonisch würde die Polizei niemals um Geld bitten oder etwa Wertsachen einfordern. Spätestens daran sollten potenzielle Opfer die Betrugsmasche erkennen können. Wer also den Hörer richtig auflegt und dann erst die 110 wählt, wird richtig weitergeleitet. Wichtig ist aber das Auflegen. „Man sollte auch nicht auf Wiederwahl drücken“, sagt Müller.

Im Telefonbuch gesucht

Doch wie kommen die Betrüger auf ältere Menschen wie Gertrud M.? Sie suchen laut Polizei gezielt nach älter klingenden Namen im Telefonbuch. Dann rufen sie an. „Gerade ältere Menschen haben oft ein großes Vertrauen in die Polizei. Und das wird von den Tätern auf perfide Weise ausgenutzt“, so Andreas Müller. Die Täter befinden sich dann in der Region und setzen sich in Bewegung, sobald das Opfer sich auf die Herausgabe der Wertsachen einlässt. So wie zuletzt eine Seniorin aus Aachen, die Wertgegenstände aushändigte, die angeblich von einem Polizisten im Auto fotografiert werden sollten. Als er auch am Abend nicht wieder zurückgekehrt war, informierte die Seniorin die Polizei. Zu spät. Daher sagt Andreas Müller ausdrücklich: „Man kann nie zu oft davor warnen und nie zu oft darüber sprechen.“ Immer wieder solle man daher ältere Menschen im Bekanntenkreis vor den Trickbetrügern warnen. Gertrud M. hat bislang nichts mehr von den falschen Polizisten gehört. Zum Glück. Dennoch geht ihr der Vorfall nicht mehr aus dem Kopf. Sie warnt ihre Umgebung ebenfalls vor den Trickbetrügern und rät ausdrücklich: „Man muss immer richtig auflegen.“