Aachen: Beratungsstelle RückHalt-M hat jetzt einen Beirat

Anlaufstelle für männliche Opfer : Hilfe für Männer, die missbraucht wurden

Tatkräftige Unterstützung bekommt jetzt die noch recht junge Beratungsstelle für Männer, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden. RückHalt-M ist in Ergänzung zum Pendant für weibliche Opfer nun die Anlaufstelle für Männer.

„Dieses Angebot war schon lange überfällig“, meint Agnes Zilligen, Geschäftsführerin RückHalt e.V.. Männer tun sich nach Meinung der Experten besonders schwer, darüber zu sprechen, wenn sie sexuell missbraucht werden. Bei RückHalt-M können sie zwischen weiblichen und männlichen Gesprächspartnern wählen und bekommen neben der psychologischen Beratung alle erdenklichen Informationen sowie Unterstützung beim Erstellen von Anträgen.

„Solche Angebote speziell für Männer sind deutschlandweit bislang noch die absolute Ausnahme“, betont Agnes Zilligen. „Das Projekt ist ein Experiment und ein Wagnis, weil die Finanzierung bislang nur über Spenden abgesichert ist“, sagt sie weiter. Und das sollte so nicht sein, meint Reinhard Gawlak, einer der drei neuen Beiräte. Er will vor allem auch dazu beitragen, die Finanzierung auf sichere Beine zu stellen. „Das müsste doch möglich sein“, sagt er. Prof. Marianne Genenger-Stricker (Katho) sieht ihre Aufgabe im Beirat vor allem auch in der Vernetzung zwischen Lehre und Praxis. „Denn männliche Opfer sexualisierter Gewalt finden bislang in der Gesellschaft einfach nicht statt“, sagt sie. Das Problem in die Öffentlichkeit zu rücken und das Hilfsangebot bekannter zu machen, halten alle drei Beiratsmitglieder für die dringlichste Aufgabe.

Peter Schlimpen will das RückHalt-Team vor allem mit seinen beraterischen und therapeutischen Kenntnissen unterstützen. „Männer leiden unter immer wiederkehrenden Schamgefühlen, wenn sie missbraucht wurden“, sagt er. Auch sie seien entsprechend schutzbedürftig, auch wenn das oft nicht so gesehen werde, meint Marianne Genenger-Stricker ergänzend. Ihrer Meinung nach gibt es nicht nur eine Lücke im Finanzierungssystem, sondern auch eine ganz große Lücke in der Forschung, was die männlichen Opfer sexualisierter Gewalt betrifft.

Nach einer schon älteren Studie finden 50 Prozent der Missbrauchsfälle im familiären Umfeld statt. Und schon das zeige, wie schwierig eine wissenschaftliche Betrachtung sei, meint Genenger-Stricker. Sie hofft, dass die gewonnenen Erkenntnisse in die Lehre einfließen, damit künftige Lehrkräfte auch den Missbrauch von Jungen als Möglichkeit im Kopf haben und entsprechende Hinweise dann auch richtig deuten können. Insgesamt zeigt sich der neue Beirat optimistisch. Und Agnes Zilligen freut sich gemeinsam mit den Beratern Said Giancoli und Bettina Cyriax über die kompetente Unterstützung.

Im ersten Jahr haben sieben Männer das Beratungsangebot von RückHalt-M in Anspruch genommen. Sieben Fachkräfte haben Rat gesucht, und 27 Angehörige von weiblichen Opfern haben ebenfalls um Unterstützung angefragt. Zilligen ist mit diesem Ergebnis sehr zufrieden und hofft darauf, dass das Angebot bei den betroffenen Männern noch bekannter wird.