Aachen: Beratungsstelle "donum vitae" legt Jahresbericht vor

Schwangerschaftsberatungsstelle „donum vitae“ : Die Nachfrage nach Beratung steigt weiter

Die Schwangerschaftsberatungstelle „donum vitae“ hat den Jahresbericht für 2018 vorgelegt. Danach haben im vergangenen Jahr mehr als 1000 Frauen und Paare zu verschiedenen Themen Hilfe und Beratung gesucht.

„Ich hatte mir selbst einen Endpunkt gesetzt. Ich wollte entweder ab meinem 40. Geburtstag oder nach dem achten Befruchtungsversuch aufhören und mich mit der endgültigen Kinderlosigkeit abfinden.“ Mit diesen Zeilen wird eine 39-jährige Frau im Jahresbericht 2018 von „donum vitae“ zitiert. Die Frau hatte in der Schwangerschaftsberatungsstelle Hilfe gesucht. „Beratung nach Kinderwunsch“ ist nur eines von vielen Anliegen, mit denen sich Frauen und Paare an „donum vitae“ wenden.

Die allermeisten Themen, die auf den Tisch kommen, sind solche, über die man nicht einfach so spricht: eine ungewollte Schwangerschaft, ein unerfüllter Kinderwunsch, die Sorge, ein krankes oder behindertes Kind zu bekommen, die Trauer um ein totgeborenes Kind. „Hier ist Raum für diese Tabu-Themen“, sagt Gesa Zollinger. „Hier kann alles beredet und beweint werden.“ Seit November 2018 ist die 34-Jährige Vorsitzende des Regionalverbands Aachen-Stadt und Aachen-Land von „donum vitae“ und legte nun gemeinsam mit den Beraterinnen Martina Hartmann und Heidi Dirks den Jahresbericht 2018 der anerkannten Schwangerschaftskonfiktberatungsstelle vor.

Die neue Vorsitzende ist Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin und im Hauptberuf Geschäftsführerin der Freiwilligen Sozialen Dienste im Bistum Aachen. Die Arbeit mit und für Frauen liegt ihr nach eigenen Angaben sehr am Herzen. „Donum vitae macht sich stark für Familien in Krisen und Notsituationen“, sagt Zollinger. Im Vorstand möchte sie mit daran arbeiten, die Rahmenbedingungen der Beratungs- und Präventionsarbeit auch künftig abzusichern. Angesichts großer Nachfrage werden die Finanzen allerdings immer knapper.

1045 Frauen und Paare haben im vergangenen Jahr bei „donum vitae“ Rat gesucht. 2448 Beratungsgespräche wurden geführt. In 453 Fällen ging es um eine allgemeine Schwangerschaftsberatung, in 261 Fällen um die Konfliktberatung nach Paragraph 219 mit Beratungsnachweis. Allein 85 Frauen und Paare kamen in die Räume an der Franzstraße in Aachen, um sich zu Familienplanung und Verhütung beraten zu lassen. Die Beraterinnen informieren dann auch über finanzielle Unterstützung, die beantragt werden kann. Zunehmend genutzt wird laut Jahresbericht der Verhütungsmittelfonds, den Stadt und Städteregion für Menschen mit geringem Einkommen eingerichtet haben. 39 Frauen und Männer haben 2018 daraus Unterstützung erhalten. 33 weitere Anträge aus der Stadt Aachen konnten allerdings nicht bewilligt werden, weil kein Geld mehr im Topf war. „Eigentlich müsste eine finanzielle Hilfe für diese Menschen doch möglich sein“, überlegt Heidi Dirks.

Auch bei der Präventionsarbeit mit jungen Menschen übersteigt die Nachfrage die Kapazitäten. 969 junge Leute wurden in 80 Gruppenveranstaltungen erreicht, 436 Jugendliche besuchten die Jugendfilmtage zum Thema Sexualität und Partnerschaft. „Anfragen für 33 Gruppen mussten wir aber ablehnen, weil wir die Honorarkräfte dafür nicht finanzieren können“, bedauert Martina Hartmann.

Seit Jahren schon kümmert sich „donum vitae“ auch um die Beratung vor, während und nach pränataler Diagnostik. Hier gab es im vergangenen Jahr 24 Beratungen. Die vorgeburtliche Diagnostik rückte in jüngster Zeit verstärkt in den öffentlichen Fokus. Im April diskutierte der Bundestag, ob die Kosten für Bluttests auf Trisomien bei Schwangeren von den Kassen übernommen werden sollen. Der Test, der seit 2012 angeboten wird, erkennt am Blut der Mutter, ob das ungeborene Kind eine Trisomie, wie etwa das Down-Syndrom, hat. Deutlich zugenommen hat mit 40 Beratungen auch die Nachfrage nach Unterstützung nach Fehl- und Totgeburt, plötzlichem Kindstod und Schwangerschaftsabbruch.

Die Beratung bei Kinderwunsch suchten im vergangenen Jahr zehn Frauen oder Paare auf. „Ein ganz neues Thema, auch für uns, sind Solomütter, die bewusst ohne Partner Kinder bekommen möchten und sich damit auseinandersetzen“, sagt Hartmann. Übrigens: Die 39-jährige Frau, die bei „donum vitae“ Beratung suchte, wurde beim sechsten Befruchtungsversuch schließlich schwanger. Die Beraterinnen haben sie auch in der Schwangerschaft weiter begleitet.

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