Aachen: Benefiz-Party für Rolf Held im Hotel Europa

Benefizaktion für ein echtes Urgestein : Die Südstraße will ihren Helden retten

Wenn man sich so umschaut in seinem kleinen, aber über und über dicht bepackten Lädchen, dann könnte man meinen, dass Rolf Held für – noch – längere Durststrecken gewappnet wäre. Der Eindruck trügt. Denn während sich die obligatorischen Getränkekisten zwischen Tabak, Süßigkeiten und Zeitschriften türmen, steht dem gestandenen Geschäftsmann das Wasser auch in finanzieller Hinsicht bis zum Hals.

Direkt vor seiner Tür stapeln sich lose Bordsteinplatten, Baggerschaufeln und Co. „Seit die Sanierungsarbeiten begonnen haben, ist mein Umsatz auf ein Drittel geschrumpft“, erzählt der 74-Jährige.

Vor 56 Jahren, anno 1962, hat Held den Kiosk im Hause Südstraße Nummer 49 übernommen. Jetzt aber steht der wackere Senior auch „bilanztechnisch“ mit dem Rücken zur Wand, auch wenn wenn er mal einen der verbliebenen treuen Kunden hinterm Tresen begrüßt. Kein Wunder: Seit Frühjahr 2017 buddelt die Stawag direkt vor seinem Schaufenster. Spätestens seit die Fahrbahn zwischen der Einmündung Beethovenstraße und der Reumontstraße im März dieses Jahres zum Start des zweiten Bauabschnitts in Sachen Kanalsanierung aufgerissen worden ist, steht Held auch wirtschaftlich vor dem Abgrund.

Konzentriert Konzertante Aktion

„Als er erfahren hat, dass das Südstraßenfest wegen der Bauarbeiten ausfallen muss, war das auch für ihn eine Katastrophe“, sagt Udo Mays, Betreiber des Szeneclubs Hotel Europa gleich gegenüber. Also hat der umtriebige Gastronom eine konzertierte konzertante Aktion ins Leben gerufen: „An drei Abenden wollen wir im ,Hotel‘ große Partys mit DJs und Live-Bands aus der Nachbarschaft veranstalten, um gemeinsam zu sammeln.“ Sozusagen als Heldenrettung, wie Mays das in einem entsprechenden Appell via Facebook genannt hat. Denn: „Der Mann ist eine echte Institution im Viertel. Ich denke, dass wir hier in der Südstraße zusammenhalten und einander helfen müssen.“

Benefizaktion im „Hotel Europa“ für Aachener Kiosk

Nun ist der freundliche Senior von vis-à-vis beileibe keiner, der gern mal auf die Tränendrüse drückt. Im Gegenteil. Dass es sich seit einiger Zeit mehr schlecht als recht mit einem zusätzlichen Job als Hausmeister über Wasser hält, erfährt man eher am Rande. Dass er gerade erst seinem einzigen Mitarbeiter kündigen musste, schmerzt den 74-Jährigen allerdings sichtlich. Held hatte keine Wahl – und musste seinem Sohn Christian die Papiere geben, wie man so sagt. „Ich hoffe sehr, dass er das Geschäft später trotzdem übernehmen kann“, sagt er. Schließlich ist der 38-Jährige entschlossen, auf kurz oder lang „in die großen Fußstapfen meines Vaters zu treten“. Hier im Viertel sei er aufgewachsen, zur Kita und zur Schule gegangen, habe schon als Kind zuweilen im Geschäft ausgeholfen. Jetzt aber steht erst einmal der schwere Gang ins Arbeitsamt an.

Umso mehr hoffen Vater und Sohn, dass viele Fans (nicht nur!) aus der Nachbarschaft am 26. Oktober, am 3. und am 23. November den Weg ins Haus gleich gegenüber finden - auch wenn die Steine des Anstoßes bis dahin endlich weggeräumt sein dürften. Stawag-Sprecherin Eva Wußing betont, dass die Bauarbeiten bis Ende Oktober komplett abgeschlossen werden sollen. Udo Mays hat das Poster, mit dem er eigentlich fürs diesjährige Südstraßenfest trommeln wollte, inzwischen zur Hingucker-Vorlage für den anstehenden Feten-Hattrick umfunktioniert.

Seit Jahr und Tag eine Galionsfigur der Südstraße:Kiosk-Betreiber Rolf Held. Foto: Heike Lachmann/HEIKE LACHMANN

Partygag mit Symbolik

Es zeigt Rolf Held mit überdimensionalen Kopfhörern auf dem schütteren Scheitel, in Freizeithemd und Shorts, im typischen Retro-Ambiente des Hotel Europa. In seiner Hand hält er einen uralten Lederkoffer mit der Aufschrift „Rolf Held – Solidaritätsparty“. Seine Füße stecken in großen Taucherflossen. Der plakative Partygag hat unversehens eine traurige Symbolik erhalten. Mit Hilfe seiner Nachbarn will Rolf Held sich jetzt wieder freischwimmen. „Wir wollen zeigen, dass Solidarität und Freundschaft hier im Viertel mehr sind als nur Worte“, sagt Udo Mays.

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