Aachen belegt Spitzenplatz bei Mietbelastungsquote

„Anspannung des Wohnungsmarktes“ : Aachen belegt Spitzenplatz bei Mietbelastungsquote

Die Stadt Aachen schmückt sich gerne mit Superlativen: Der CHIO – natürlich ein Weltfest des Pferdesports. Der Karlspreis – garantiert die höchste europäische Auszeichnung. Der Karneval – tierisch ernst und für manch einen humoristische Spitzenklasse. Man mag es glauben oder nicht... Fest steht aber, weil mit Zahlen belegt: In Sachen Mietbelastungsquote belegt Aachen einen Spitzenplatz. Ein Negativrekord, der auch so schnell nicht ins Positive zu wenden ist.

Eine „spürbare Anspannung des Aachener Wohnungsmarktes“ weist der aktuelle städtische Immobilienbericht aus, der jetzt von Verwaltung und Politik präsentiert wurde. Bis 2030, so die aktuellen Schätzungen, fehlen rund 10.000 Wohnungen in der Stadt. Vor allem im sogenannten „bezahlbaren Segment“. Was im Umkehrschluss übrigens bedeuten muss, dass es auch ein „unbezahlbares Segment“ gibt. Wer auf die in Aachen geforderten Mieten schaut, wird das sofort glauben.

Die Nachfrage wird also das Angebot weiter deutlich übersteigen, was die Mieten in trauriger Konsequenz weiter in die Höhe treibt. Politik und Verwaltung wollen allerdings keinensfalls dem Treiben der Spekulanten tatenlos zuschauen. Aachen hat laut Christoph Kemperdick, Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement, Instrumente entwickelt, um den Markttendenzen entgegenzusteuern und auf längere Sicht gesehen für eine hoffentlich ebenso „spürbare“ Entlastung zu sorgen.

Quotenbeschluss lautet ein Stichwort: Bei Neubauvorhaben, bei denen Bebauungspläne aufzustellen sind, sollen mindestens 40 Prozent der gebauten Einheiten öffentlich gefördert, das heißt im „bezahlbaren“ Bereich sein. Vom sogenannten Baulandbeschluss erhofft man sich ebenfalls einen aktiven Eingriff in die Preisentwicklung. Wenn größere privaten Flächen als Bauland ausgewiesen werden, ist der Eigentümer verpflichtet, 30 Prozent an die Stadt zu veräußern. Die kürzlich in Form gegossene Wohnraumschutzsatzung wiederum soll Spekulation erschweren und sieht Strafen vor, wenn Wohnraum nicht dem Markt zur Verfügung gestellt oder zweckentfremdet (zum Beispiel als Ferienwohnung) genutzt wird.

Neu und vielversprechend ist die sogenannte Konzeptvergabe. Im Gegensatz zu früheren Vorschriften muss die Stadt ein Grundstück nicht dem Höchstbietenden verkaufen, sondern den Zuschlag bekommt derjenige, der das beste Baumodell hat. Inhalte und Ideen zählen, nicht allein finanzielle Aspekte. Die Kriterien können ganz unterschiedlich sein. Eine spezielle soziale Ausrichtung, architektonische Besonderheiten, ökologische Belange – die Verwaltung will das in enger Absprache mit den Käufern regeln. Ganz aktuell sind solche Projekte in Brand (Karl-Kuck-Straße) und in der Heidbendenstraße (Siegel) in der Diskussion.

Stellten den Immobilienbericht 2019 vor: Andera Gadeib, Volker Schulze-Schwanebrügger (Teamkoordinator Strategisches Immobilienmanagement), Norbert Plum (Bürgermeister und Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses), Christoph Kemperdick (Leiter Fachbereich Immobilienmanagement), Gerd Bussen (stellvertretender Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement) sowie Volker Gadeib. Foto: Harald Krömer

Und noch eine Stellschraube soll den Wohnungsmarkt lockern: Die Stadt wird laut Bürgermeister Norbert Plum, Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses, keine Grundstücke mehr verkaufen, sonder nur noch in Erbpacht vergeben. „Wir wollen unser Tafelsilber nicht verscherbeln.“ Was auch zu einer „Dämpfung der Immobilienblase“ beitragen soll. Mit Investoren soll dann auch über eine Verlängerung der Mietpreisbindung auf bis zu 45 Jahre verhandelt werden, was wiederum eine Art Mietpreisbremse sein kann. Entsprechende Zuschüsse sollen Anreiz genug sein, hofft Plum, der dieses Modell als „bisher einmalig in Deutschland“ einstuft.

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