Aachen: Aachen beim Städteranking: Schulden top, bei Jobs ein Flop

Aachen: Aachen beim Städteranking: Schulden top, bei Jobs ein Flop

Top oder Flop? Dass Aachen Platz 34 von 50 untersuchten Großstädten im „Städteranking 2009” der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der „WirtschaftsWoche” belegt, kann man gut oder schlecht finden. Und dies gleichermaßen berechtigt.

Platz 34 enttäuscht, wenn man sich erinnert, dass Aachen von der „WirtschaftsWoche” Anfang der 90er-Jahre zur „unternehmerfreundlichsten Stadt” der Republik gekürt worden war. Und dass man noch 2005 Rang 27 der INSM-Rangliste hielt. Oder man freut sich doch: Weil Aachen 2008 auf Platz 49 fast schon die rote Laterne in der Hand hatte.

„Wenn Verschiebungen innerhalb eines Jahres so extrem sind, fragt man sich, was so ein Ranking wert ist”, sagt Dieter Begaß. Trotzdem nimmt der Leiter der Aachener Wirtschaftsförderung die Analyse unter die Lupe. Denn die INSM-Platzierung fußt auf einer Fülle aufschlussreicher Einzelergebnisse. „Da wird wir zum Beispiel festgestellt, dass in Aachen die Beschäftigungsquote älterer Menschen unterdurchschnittlich ist”, erklärt er.

Die Quote stieg von 2003 bis 2008 nur um 4,8 Prozent, während sie in den anderen Großstädten durchschnittlich um 7,5 Prozent wuchs. „Da müssen wir dann ansetzen”, sagt Begaß.

INSM und „WirtschaftsWoche” untersuchen seit sechs Jahren die nach Einwohnern 50 größten Städte Deutschlands nach 96 „sozioökonomischen Indikatoren”. Analysiert werden etwa Arbeitseinkommen, Investitionen und Bildungsniveau. Dann vergleicht man Stärken, Schwächen und deren Entwicklung.

Positive Fakten aus Aachen:

Nur 5,6 Prozent aller Schulabsolventen gehen ohne Hauptschulabschluss ab. Der Durchschnitt der 50 Städte liegt bei 8,2 Prozent - Platz 5 für Aachen.

10,1 Prozent der über 18-Jährigen sind privat verschuldet, bundesweit 12,8 Prozent. Damit rangiert Aachen auf Platz 8.

15,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben einen Hochschulabschluss. Der bundesweite Anteil: 12,4 Prozent - Platz 10 für Aachen.

Zwischen 2004 und 2008 stieg der Anteil privater Schuldner um 0,3 Prozent - 0,7 Prozent weniger als der Durchschnitt (Platz 12).

Das verfügbare Einkommen im Westzipfel verbesserte sich von 2003 bis 2008 um 10,8 Prozent, 2,3 Prozent über dem Durchschnitt - Platz 13.

Negative Erkenntnisse:

2008 hatten 48,6 Prozent der Einwohner (15 bis 64 Jahre) einen Job. Im Durchschnitt der Großstädte liegt die Arbeitsplatzversorgung bei 55,9 Prozent: Platz 49.

Die kommunale Investitionsquote dümpelte 2007 mit 2,6 Prozent dahin. Die Stadt rutscht - bundesweiter Durchschnittswert: 6,1 Prozent - auf Platz 46.

Nur 23,1 Prozent (Durchschnitt 32,7 Prozent) der Unternehmen in Aachen bescheinigen der Stadtverwaltung guten Umgang mit öffentlichen Finanzen. Dieses „Kostenbewusstsein” führt zu Platz 41.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sank in Aachen von 2003 bis 2008 um 2,1 Prozent. Hingegen kletterte der Mittelwert um 0,9 Prozent: viertschlechtestes Ergebnis aller 50 Kandidaten.

Während die Arbeitslosenquote in Aachen von 2003 bis 2008 um 0,4 Prozent abgebaut werden konnte, fiel sie anderswo durchschnittlich um 1,9 Prozent - Platz 44 für die Kaiserstadt.

Die Einschätzung des Hauptgeschäftsführers der Industrie- und Handelskammer Aachen, Jürgen Drewes, fällt folglich durchwachsen aus. „Positiv ist, dass wir wieder auf dem Niveau von 2006 sind. Das ist sicher auf die Leistungen von RWTH, Fachhochschule und das hohe Ausbildungsniveau der Unternehmen zurückzuführen”, sagt er. Aber Drewes mahnt: „Kommunal wird deutlich zu wenig investiert. Und die Existenzgründungsaktivität muss verdoppelt werden.”

Ob sich Aachen im Städteranking wieder nach oben kämpfen kann, sei aber auch von der Entwicklung im Kreis - der künftigen Städteregion - abhängig, betont Drewes. Und hier liege ein statistischer Fallstrick der aktuellen Rangliste. Denn: „Viele Arbeitsplätze entstehen im Umland und fallen damit aus den Werten für Aachen heraus.” Was den einen freut - und den anderen weniger.