Aachen: Beim Girls' und Boys' Day schnuppern Jugendliche in Berufs

Girls’ und Boys’ Day : Ein Tag fernab von Rollenklischees

Als Mädchen in die Metallverarbeitung? Als Junge in den Friseurbetrieb? Warum eigentlich nicht? Beim Girls’ und Boys’ Day haben auch in Aachen zahlreichen Jugendliche in ihnen womöglich fremde Berufsbilder reingeschnuppert.

Konzentriert feilt Lina Coenen am Werkzeugtisch an ihrer Metallplatte. Alles muss ebenmäßig sein, hat der Meister einige Minuten zuvor in der Runde erklärt. Schließlich soll sich das Endprodukt sehen lassen können. Jeder will am Ende des Tages eine selbstgemachte Uhr mit nach Hause nehmen.

Ein normaler Handwerksbetrieb, möchte man glauben, wäre da nur nicht Linas Alter. Die Zwölfjährige ist eine von 33 Schülerinnen, die am Donnerstag beim „Girls’ Day“ die Handwerkswelt kennenlernen wollen. Die bundesweite Aktion bietet Mädchen ab der fünften Klasse die Gelegenheit, in Ausbildungsberufe zu schnuppern, in denen bisher meist Männer arbeiten.

Die Handwerkskammer Aachen unterstützt die Aktion seit Jahren mit einem vielfältigen Angebot. In ihrem Bildungszentrum BGE dürfen interessierte Schülerinnen nicht nur für einen Tag Metallbauer, sondern auch Elektrotechniker, Maler und Lackierer sein. Gemeinsam wird gefräst, gemalt und mit Stromkabeln experimentiert.

Seit 2011 gibt es zum „Girls’ Day“ auch das passende Pendant: den „Boys’ Day“. Im Bildungszentrum für Friseure und Kosmetiker der Handwerkskammer testen so auch 15 Schüler ihre Fähigkeiten. Wilhelm Grafen, Geschäftsführer der Bildungszentren der Handwerkskammer Aachen, ist es ein besonderes Anliegen, die jungen Menschen bei der Berufsorientierung zu fördern und sie auch auf neue – vielleicht nicht typische – Wege hinzuweisen. „Wir wollen zeigen, was das Handwerk alles zu bieten hat.“

Lange musste Lina nicht überlegen, um sich zu bewerben: „Mir macht es einfach Spaß, etwas mit der Hand zu machen und nicht immer mit dem Computer.“ Wenn sie sich später für einen Job in der Metallverarbeitung entscheiden sollte, hätte sie laut Andrea Hilger von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren ausgezeichnete Chancen. „Ein Jugendlicher trifft hier auf sechs freie Ausbildungsplätze.“ Da Informationen wie diese bei der Berufsentscheidung nicht unerheblich sein können, steht sie mit ihren Kollegen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an diesem Tag beratend zur Seite.

Für die meisten Schüler liegt die Frage der Berufswahl zwar noch weit in der Zukunft – aber die große Nachfrage zeigt: Es ist nie zu früh, sich damit zu befassen.

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