Aachen: Beim Frauengesundheitstag geben Experten gute Tipps

Im Centre Charlemagne : Hilfe bei Hitzewallungen, Sodbrennen oder Gelenkschmerzen

„Hilfe, ich brenne!“: Experten haben beim Aachener Frauengesundheitstag im Centre Charlemagne Tipps zum Umgang mit Sodbrennen, Hitzewallungen und Gelenkschmerzen gegeben. Der Aachener Verein LoS e.V. hat die Veranstaltung bereits zum vierten Mal gemeinsam mit dem Luisenhospital organisiert.

Wie gut das aussieht, wenn man sich richtig bewegen kann, zeigen Sophia Maria Kiesel und ihr Tanzpartner Nils Reißer vom TSC Schwarz-Gelb Aachen noch bevor die Diskussion beginnt. Sie bringen den Saal innerhalb von Sekunden auf Temperatur. Auf der kleinen Bühne tanzen sie mit so viel Leidenschaft und Körperspannung, dass vielen Gästen der Atem stockt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von unserem Redakteur Robert Esser. Den Anfang auf dem Podium machte Prof. Dr. Joseph Neulen von der Gynäkologischen Klinik des Uniklinikums. Viele Frauen leiden unter Hitzewallungen, so Neulen, die sie entweder tagsüber, häufig in äußerst unpassenden Situationen, überkommen oder die ihnen nachts den Schlaf rauben. Wenn sich der Hormonhaushalt der Frau verändere, ändere sich nämlich auch die Körpertemperatur der Frau. Darauf reagiere der Körper nachts mit Schwitzen, die Frauen liegen nassgeschwitzt im Bett und erkälten sich schneller als sonst.

Rechtzeitig zum Frauenarzt

„Der Frauenarzt sollte aufgesucht werden, wenn man stark darunter leidet: Etwa tagsüber sehr erschöpft ist und nachts nicht mehr gut schläft“, riet Neulen. Im Ernstfall können Östrogenpräparate helfen. Dies sollte aber genau mit dem eigenen Frauenarzt besprochen werden. Die Probleme könnten nämlich auch von der Schilddrüse verursacht werden oder von einer bisher unerkannten Zuckererkrankung. Außerdem warb Neulen für mehr Bewegung. Durch den abgesenkten Östrogenspiegel im Körper der Frau nehme die Gelenkflüssigkeit ab. Dagegen helfe leichte, angemessene Bewegung.

Zu angemessener Bewegung rät auch Dr. Conny von Hauten. Die Ärztin aus dem Luisenhospital hat häufig mit Patienten zu tun, die zu viel Sport machen oder sich die falsche Bewegungsart ausgesucht haben. „Wir sind für Bewegung gebaut. Es kommt aber auf Art und Menge an“ sagte die Ärztin. Wer etwa Probleme mit der Halswirbelsäule hat, dann viel schwimmen geht und kein geübter Schwimmer ist, wird schnell Probleme bekommen.“

Sportmediziner um Rat fragen

Von Hauten riet dazu, vor dem Wiedereinstieg ins Sportprogramm einen Sportmediziner um Rat zu fragen. So könnten spätere Probleme von Anfang an vermieden werden. Und wenn es doch mal schiefgegangen ist? Bei akuten Sportunfällen, etwa dem umgeknickten Fuß, helfe die Pech-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlegen. „Bei akuten Sachen immer eher kühlen“, rät von Hauten. Bei langfristigen Beschwerden, wie dem schmerzenden Rücken, helfe auf die Schnelle eher das Wärmekissen.

Heiß her ging es auch im Vortrag von Dr. Ron Winograd aus dem Luisenhospital. Er stand Rede und Antwort zu Fragen rund ums Sodbrennen. „Grundsätzlich ist Sodbrennen keine Krankheit. Wenn wir unser Leben dadurch aber nicht mehr so leben können, wie wir das wollen, dann muss man das ernstnehmen.“ Sodbrennen entsteht, weil Magensäure in die Speiseröhre gelangt. Da die Säure im Magen aber einen niedrigeren PH-Wert habe, als die in der Speiseröhre, empfänden viele Menschen dann einen unangenehmen Schmerz oder ein brennendes Gefühl. Bei Beschwerden sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Der kann mit Säureblockern einlenken. Langfristig helfen Gewichtsabnahme und Bewegung, so Winograd.

Auch politische Themen

Auf dem Podium standen auch zwei politische Themen auf dem Programm. Jochen Vennekate vom Bundesverband der Gesundheitsberufe informierte zum Hebammennotstand in der Region. Zwar sei die Versorgung der schwangeren Frauen in den Kliniken sichergestellt. Bei der Nachsorge sehe es aber schon anders aus. „Frauen wünschen sich eine kontinuierliche Betreuung. Hebammen müssen aber oft drei bis vier Frauen gleichzeitig betreuen, damit es sich lohnt.“

Die Aachener CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen machte Werbung für ein Verbot von Plastikbesteck und Plastikpartikeln in Kosmetikprodukten. Zwar sei Europa beim Recyceln gut aufgestellt. Letztlich lande aber immer noch viel zu viel Plastik in den Ozeanen und im Abwasser. „Die meisten Kläranlagen können diese Partikel noch nicht filtern.“

Zum Abschluss konnten die Gäste sich bei den Ausstellern im Foyer zu Fragen rund um Gesundheit, Kosmetik und Ernährung informieren. „Ich komme jedes Jahr. Die Veranstaltung ist wirklich toll“, findet Anita Braunsdorf vom Burtscheider Turnverein. Sie will auch im nächsten Jahr wieder dabei sein.

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