Aachen baut hunderte Ladesäulen für e.Go, Tesla und Co.

900 Ladestellen für Elektrofahrzeuge : Elektromobilität: Aachen wagt den Quantensprung

Von 90 auf 900: Die Stadt will die Zapfsäulen für Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren verzehnfachen. Dafür gibt es knapp 7 Millionen Euro vom Bund. Viele der Tankstellen sollen auf Betriebsgeländen privater Unternehmen aufgebaut werden.

Woran liegt es, dass bislang nur rund 350 Elektroautos durch Aachen rollen? Liegt es daran, dass es zu wenige Zapfsäulen gibt? Oder gibt es so wenige Zapfsäulen, weil es nur so wenige Autos gibt? „Dieses Problem wollen wir endlich angehen“, sagt Marcel Philipp, Aachens Oberbürgermeister, am Donnerstagnachmittag. Gemeinsam mit Vertretern von RWTH, dem Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Stawag hat er das Projekt „Align“ vorgestellt – die Abkürzung für den sperrigen Titel „Ausbau von Ladeinfrastruktur durch gezielte Netzunterstützung“. Was steckt dahinter?

Das Ganze ist ein Baustein des Aachener Luftreinhalteplans. „Nachdem wir vor zwei Wochen in Berlin die großen Themen in Sachen Luftreinhaltung besprochen haben, werden wir jetzt sehr konkret“, sagt Philipp. Mit Bundesmitteln in Höhe von 6,8 Millionen Euro, um die man sich erfolgreich beworben hat, will die Stadt gemeinsam mit dem Energieversorger Stawag rund 950 neue Ladepunkte für Elektrofahrzeuge aufstellen. Das ist eine Verzehnfachung des jetzigen Werts.

Dass man dabei besonders auf die Aachener Unternehmen, also Mittelständler und andere Firmen, setze, erklärt Wilfried Ullrich, Vorstand der Stawag: „Wir wollen Unternehmen wie beispielsweise Pflegedienste, Lieferdienste oder Taxiunternehmen ansprechen, ob sie für Ladepunkte auf ihren Firmengeländen zu begeistern wären.“ Der Clou für die Firmen: Es würde sie nichts kosten, alles zahlt der Bund.

Das DLR dient in dieser Sache als Projektträger, ist also dafür zuständig, die Anträge der Städte für die Fördermittel des Bundes zu bewerten und die Projekte zu begleiten. „Wir haben uns für Aachen entschieden, weil die Stadt schon im Vorfeld relativ weit in das Thema Elektromobilität eingestiegen ist“, sagt Bernd Bauche vom DLR. Das sei gerade deswegen wichtig, weil der Zeitraum für die Bewerbung so knapp gewesen sei.

Er freue sich sehr, dass die Stadt bereit sei, das Projekt wissenschaftlich begleiten zu lassen, erklärt Professor Rik De Doncker von der RWTH Aachen. Auch für die Stadt ist eine wissenschaftliche Hilfestellung von Vorteil, denn 900 Ladepunkte aufzustellen ist alles andere als trivial. „Wir brauchen mehr als nur Standorte, Zapfsäulen und Ladekabel“, fasst OB Marcel Philipp es zusammen. Unter anderem bei der Betankung von Elektrobussen, die die Stadt ja anzuschaffen plant, müsse man wahrscheinlich noch eine besondere Infrastruktur aufbauen.

Autos als Energiespeicher?

Unter anderem wollen die Forscher herausfinden, ob man die Autos am Straßenrand nicht nur voll betanken kann, sondern ob man sie vielleicht auch als Energiespeicher nutzen könnte. Die Wissenschaftler planen ebenfalls „Business Cases“, also Studien darüber, wie man den Ausbau der Elektromobilität unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten besser nutzbar machen kann. Beispielsweise, so erklärt De Donckers, sind es auch Aachener, die die Ladesäulen bauen und warten. Mehrere Ladesäulen könnten eine Win-win-Situation für die Aachener und die heimische Wirtschaft sein.

Ob all das dazu führt, dass viele Autofahrer bald auf Elektroautos umsteigen? Das ist immerhin das Ziel, um die vielfach kritisierten, schädlichen Stickoxide aus der Aachener Luft herauszuhalten und ein eventuelles Dieselfahrverbot zu verhindern. Axel Costard, Referent des Oberbürgermeisters für den Bereich Emissionsfreie Mobilität, ist optimistisch: „Zwar liegt der Anteil von Elektroautos in Aachen gerade einmal bei 0,3 Prozent.“ Das sind die oben erwähnten 350 Autos. Doch allein im vergangenen Jahr sei die Anzahl um 50 Prozent gestiegen. Und die Hersteller, vor allem auch die aus Aachen, hätten angekündigt, in der Produktion noch nachzulegen.

Wann genau die Säulen in Aachen aufgestellt werden sollen, stehe noch nicht fest, sagt Stawag-Chef Wilfried Ullrich. Man wolle aber sehr schnell mit der Umsetzung beginnen. „Die Elektromobilität wird bald noch sichtbarer in Aachen sein“, sagt auch Marcel Philipp. Und De Doncker ergänzt: „Wir haben hier in Aachen ein Ökosystem für Elektromobilität geschaffen, das wirklich sehr gut ist.“