Aachen: Bauprojekte am Hauptbahnhof verzögern sich weiter

Hauptbahnhof Aachen : Jeder baut auf reichlich Verspätung

Verspätung auf allen Seiten: Rund um den Aachener Hauptbahnhof verzögern sich Investitionen für über 100 Millionen Euro. Die Bauprojekte heißen „Bluegate“, Südausgang, Wohnquartier „Burtscheider Brücke...

Verspätungen ist man am Aachener Hauptbahnhof gewöhnt. Leider nicht nur als Bahnkunde. Sämtliche Projekte auf beiden Seiten der Schienenanlagen kommen – wenn überhaupt – erst deutlich später als geplant in Schwung. Jetzt gibt es den nächsten Rückschlag. Dabei hatte eigentlich (fast) alles schon grünes Licht.

Hbf-Südausgang: Die Stadt Aachen wartet immer noch auf die Unterzeichnung der sogenannten Planungsvereinbarung seitens der Deutschen Bahn. Erst danach kann die europaweite Ausschreibung der weiteren Planungsarbeiten erfolgen. Vorgesehen ist eine Verlängerung des Tunnels zehn Meter unter den Gleisanlagen des Bahnhofs Richtung Kasinostraße und Burtscheider Brücke. Der Weg dorthin soll dann im Rahmen eines Bunkerdurchstichs realisiert werden. Eine oben 25 Meter breite Treppenanlage, ein Aufzug und ein kleiner Vorplatz sind geplant. Nach jahrelangen Verzögerungen sollte Ende des Jahres 2020 endlich Baubeginn sein – so wurde das Projekt im März 2018 der Kommunalpolitik präsentiert. Doch der Baubeginn ist nun mindestens um ein weiteres Jahr verschoben worden, wie das Presseamt der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Zudem wird davon ausgegangen, dass die zunächst kalkulierten Kosten von rund 760.000 Euro überschritten werden. Es warten wegen des problematischen Hauptbahnhof-Untergrunds und des komplexen Bunkerumbaus noch reihenweise Unwägbarkeiten.

„Bluegate“ an der Zollamtstraße: Gewaltige 70 Millionen Euro will die Rüsselsheimer Merkur Development Holding seit Jahren auf rund 11.000 Quadratmetern in ein Hotel mit 160 Zimmern, zwei Appartementhäuser, zwei Bürogebäude, Geschäftszeilen, eine Tiefgarage und ein Fahrradparkhaus investieren. Seit dem großspurigen Abriss des alten Gebäudebestands Ende 2016 verschandelt dort eine Trümmerlandschaft die Umgebung. Zwischenzeitlich wurden Teilflächen wieder als Parkplatz reaktiviert. Zuletzt seien laut Merkur Umplanungen für einen zentralen Mietinteressenten notwendig geworden, außerdem habe sich wegen des allgemeinen Baubooms „der Einkauf der Bauleistungen aufgrund fehlender Verfügbarkeit“ verzögert, wie der Projektverantwortliche Marcus Hientzsch auf Anfrage erläutert. Ursprünglich sollte das Projekt Ende 2018 bezugsfertig sein. Hientzsch betont jetzt: „Wir rechnen damit, dass in diesem Sommer die Baugrube ausgehoben wird.“

„Burtscheider Brücke“ als Wohnquartier: Potente Investoren wollen neben dem Bahndamm (gegenüber von „Bluegate“) nach den Plänen von „kadawittfeld“ und Marcus Vonhoegen 170 Wohnungen für Familien und Studierende realisieren – qualitativ hochwertiges Design, unterschiedliche Geschosshöhen auf vier bis sieben Etagen, 30 Prozent öffentlich gefördert. 5700 Quadratmeter groß ist das Grundstück, das aber nicht komplett bebaut werden soll. Das Planverfahren läuft seit zwei Jahren. Insider lassen verlauten, dass die Bauverwaltung den Projektentwicklern nicht nur in technischen Detailfragen mehrfach neue Vorgaben machen wollte – so dass das ambitionierte Vorhaben als „markante Stadtkante entlang des Bahndamms“ von den Machern vorerst auf Eis gelegt wurde.

Erweiterungsbau Stadtverwaltung: Auf rund 5000 Quadratmetern wird die Stadt Aachen zwischen Zollamtstraße und Lagerhausstraße für mindestens 26 Millionen Euro ein hochmodernes Verwaltungsgebäude errichten und damit die Zentralisierung und Modernisierung des 5300 Köpfe starken Verwaltungsapparates vorantreiben – allerdings zunächst für 220 Mitarbeiter der Fachbereiche Personal und Organisation sowie Umwelt. Baubeginn im Jahr 2020, Fertigstellung 2023. So lautet der Plan, wenn die Politik im Herbst grünes Licht gibt...

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