Aachen: "BaseCamp" errichtet exklusives Hostel und Appartements

Hostel und Appartements sollen entstehen : Studenten übernehmen mondäne Bank

Ein durchaus kostspieliges „BaseCamp“ für Studierende entsteht in Aachen an der Theaterstraße 9. Neben einem Hostel in dem mondänen Bankgebäude sollen bis zu 300 Appartements gebaut werden. Vorher werden tausende Quadratmeter abgerissen.

Nur für jüngere Semester: Die womöglich exklusivste Adresse für Studierende in Aachen lautet bald Theaterstraße 9. Im mondänen Suermondt-Palais – im Jahr 1900 erbaut von Bankier Robert Suermondt – errichtet eine britische Holding ein Studentenhostel mit Bar, Kino und Fitnessclub sowie dahinter entlang der Flanke Borngasse Richtung Wirichsbongardstraße bis zu 300 vollmöblierte Studentenappartments.

„BaseCamp“ heißt der Anbieter, man will spätestens zum Wintersemester 2021 vermieten, wie der geschäftsführende „Head of Germany“ Dr. Andreas Junius am Montag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Die Planungen zum Abriss, Um- und Neubau laufen auf Hochtouren.

Graffiti und verdreckte Ecken

Foto: ZVA/Michael Jaspers

Die prominente Immobilie in Theaternähe steht seit Jahren leer. Zuletzt hatte dort eine Versicherung fast 10.000 Quadratmeter Büroflächen angemietet. Inzwischen sind sämtliche Räume verwaist, vor allem der neuere, rückwärtige Teil des zusammenhängenden Gebäude-Ensembles gibt seither ein furchtbares Bild ab: Beschmierte Wände, Graffiti und verdreckte Ecken bestimmen die Szene. Nicht mehr lange. Das „BaseCamp“ entwickelt ein durchaus erfahrenes Unternehmen mit Hauptsitz an der Berkeley Street in London. Man verfügt bereits über „BaseCamp“-Ableger mit jeweils mehreren hundert Wohneinheiten in Kopenhagen, Lyngby (Dänemarkt), Lodz (Polen) sowie in Potsdam und Leipzig. Derzeit entstehen Dependancen in Dortmund, Bochum und Göttingen. Und in naher Zukunft in Aachen.

Bis zu 590 Euro pro Monat sind für ein 23 Quadratmeter großes „Studio Base“ fällig – natürlich inklusive aller vollmöblierten Annehmlichkeiten, Nebenkosten, Designer-Ausstattung, Waschsalon und Hochgeschwindigkeits-Internet. Damit ist man nicht an ortsübliche Vergleichsmieten gebunden.

„Unsere Pläne sehen in Aachen vor, den denkmalgeschützten Bereich mit der wundervollen Front Richtung Theaterstraße zu erhalten und im dortigen Bereich ein Studentenhostel inklusive Rezeption und Bar für kürzere Aufenthalte zu implantieren“, erklärt Junius. „Der hintere Bereich hingegen muss komplett abgerissen werden. Wir stimmen dies gerade im Detail mit der Stadt Aachen ab. Dort wird dann Platz für einen sehr wertigen Neubau und 230 bis 300 Studentenappartements sein“, rechnet er vor.

Das „BaseCamp“-Konzept sieht dabei eine Art kleinen Campus mit vielen Gemeinschaftsräumen vor. Andernorts gibt es zudem Grillplätze und Stationen für Leihfahrräder. Alles modern und im aktuellen Trend: „Dein Ziel ist Dein Abschluss. Unser Ziel ist es, Dein Leben etwas leichter und viel interessanter zu machen“, heißt es auf der Website des Unternehmens. Dass diese exquisite Variante studentischen Lebens ihren nicht gerade günstigen Preis hat, löste in anderen Städten bereits Kritik von Studentenvertretern aus. Für Aachen gilt allerdings, dass studentischer Wohnraum in nahezu allen Preisklassen fehlt. Das hiesige Studierendenwerk zählte zum jüngsten Semesterstart allein 5500 Wohnungsbewerber auf seiner Warteliste.

Abstimmungsprozesse

Junius wäre mit dem Aachener Projekt gerne schon weiter. „Die Abstimmungsprozesse brauchen leider ihre Zeit. Aber sobald die Baugenehmigung vorliegt, sind wir in anderthalb Jahren fertig“, sagt er. So war der ursprünglich anvisierte Termin zum Start des Wintersemesters 2020 nicht mehr zu halten. Derweil ist man aber schon auf der Suche nach den nächsten Standorten. „Interessant sind für uns alle studentischen Hochburgen mit mehr als 25.000 Studierenden. Für Aachen sind wir deshalb an einem zweiten Standort interessiert; wir suchen“, verrät er.

Das prägnante Haus an der Theaterstraße 9 hat eine bewegte Geschichte. Schon ein Jahr nach der Fertigstellung des Gebäudes nach den Plänen von Eduard Linse musste das Bankhaus Suermondt liqidiert werden. Danach zogen diverse weitere Banken und Versicherungsgesellschaften ein. Mehrfach wechselten die Eigentumsverhältnisse. Lange stand die verwaiste Sonderimmobilie zum Verkauf. Bis die Briten zahlten – wobei über den Verkaufspreis Stillschweigen vereinbart wurde.

Klar ist, dass einige Millionen Euro investiert werden müssen. Jetzt setzt man auf Beständigkeit. „Wir entwickeln die Immobilie nicht nur, wir betreiben das Basecamp auch vor Ort – wir wollen bleiben“, betont Junius. Für viele, viele Semester.

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