Aachen: Ausstellung „Pratschjeck op Fastelovvend“

Rahmenprogramm vorgestellt : Ein prall gefüllter Museumskoffer

Es ist gar nicht so richtig zu glauben, wie viele Sachen in einen handelsüblichen Reisekoffer passen. Schon mit dessen Inhalt könnte man die Ausstellung „Pratschjeck op Fastelovvend“, die aktuell im Centre Charlemagne am Katschhof zu sehen ist, füllen.

Doch dafür ist der Koffer nicht gedacht, schließlich ist die Ausstellung auch bereits gut gefüllt – sein Inhalt richtet sich an Kindertagesstätten, an Schulen und an Seniorenheime, und Erziehern, Lehrern und Betreuern eine Handreichung sein, um den Kindern den Karneval näherzubringen und bei Senioren mit vergangenen Erinnerungen zu arbeiten.

Der „Museumskoffer“ ist ein Teil des großen und umfangreichen Rahmenprogramms, das nun zur Ausstellung veröffentlicht wurde – und das beste ist: die ersten beiden Einrichtungen, die sich bei Pia vom Dorp und der Museumspädagogik (Tel.: 4324998, E-Mail: museumsdienst@mail.aachen.de) melden, erhalten den Koffer gratis. Das Programm besticht durch seinen Facettenreichtum: von lustigen karnevalistischen Veranstaltungen bis hin zu wissenschaftlichen Auseinandersetzung: Der erste Vortrag ist von einer besonderen Relevanz, vor allem vor dem Hintergrund, dass Karneval sich auch satirisch mit der politischen Realität auseinandersetzt: „Der Aachener Karneval im Dritten Reich – ein Überblick“, so der Titel von Philipp Hoffmanns Vortrag am Donnerstag, 13. Dezember. Historisch wird es auch am Donnerstag, 10. Januar, wenn Prof. Armin Heinen über „Aachens Prinzen Karneval“ referiert sowie am Donnerstag, 17. Januar, bei Prof. Frank Pohles Vortrag „Karneval in Aachen vor 1829 – ein Bilderbogen“.

Weitere Vorträge zur Rolle der Frau im Rheinischen Karneval (Donnerstag, 31. Januar) und zu den Karnevalswagen im Aachener Rosenmontagszug (Donnerstag, 21. Februar) folgen. Doch nicht nur wissenschaftlich soll es zugehen: Gerade für Kinder bietet die Ausstellung und auch das Rahmenprogramm viele Anknüpfungspunkte. Sowohl für Frank Prömpeler, Präsident des Festausschuss Aachener Karneval (AAK), als auch für Reiner Spiertz, Ehrenpräsident des Verbands der Aachener Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreis, ist besonders die Förderung des Nachwuchses eine Herzensangelegenheit. Für Spiertz ist die Sprache dabei von besonderer Bedeutung: „Es gibt leider immer weniger, die heute noch in ihrer Mundart reden“, stellt er mit Bedauern fest. Um so besser, dass bei den Büttenreden-Workshops Kindern nicht nur gezeigt wird, wie man eine Büttenrede schreibt, sondern diese auch Hilfe bei der Formulierung in Öcher Platt bekommen.

Die beiden Workshops, von denen sich der erste vor allem mit dem Inhalt, der zweite mit der Rhetorik, beschäftigt, finden statt am Samstag, 15. Dezember, und Samstag, 5. Januar, jeweils von 14 Uhr bis 16 Uhr. Wer seinem Kind den Karneval abseits von Büttenreden näherbringen möchte, der hat am ersten von zwei Mottotagen – dem Kinder-Aktionstag – die Gelegenheit dazu. Anwesend sein wird dann auch Märchenprinz Paul IV. Eher an Erwachsene richtet sich dann auch der zweite Mottotag am Sonntag, 17. Februar. Dann ist auch Prinz Karneval Tom I. zu Gast.

Eine besonderes Highlight findet zudem am Samstag, 2. Februar statt. „Öcher Verzäll“: Oral-History-Projekt zum Aachener Karneval. Alle Aachener sind eingeladen, ihre eigenen Erinnerungen an den Aachener Karneval weiterzugeben. Mittels Bilder, Anekdoten, Erzählungen, Orden und vielen weiteren Möglichkeiten kann jeder hier Stadtgeschichte mitschreiben. Weitere Termine, die sich am jecken Wissen Interessierte vormerken können, sind Donnerstag, 10. Januar und Sonntag, 3. Januar. Unter dem Motto „Karneval und Kanappee“ führt Kuratorin Julia Samp gemeinsam mit den Aachener Karnevalsexperten Nina Krüsmann und Kurt Christ durch die Ausstellung. Im Anschluss gibt es Sekt und Puffel für alle Teilnehmenden. Und wer dann noch nicht genug hat, der kann den extra für das CentreCharlemagne gestalteten bunten Karnevalsanstecker im Museumsshop erwerben.

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