Aachen: Aufregung um Neubau an der KGS Hanbruch

Neuer Mehrzweckraum für die Grundschule Hanbruch : Mehr Platz an der Schule – aber nur für 200 Leute

Die Katholische Grundschule (KGS) Hanbruch wird erweitert und bekommt einen Neubau. Geplant ist auch ein großer Multifunktionsraum, den die Schule für vielerlei Zwecke nutzen kann. Aus Sicht der Schulpflegschaft wird hier aber eine Chance vertan. Denn in dem neuen Raum dürfen sich nicht mehr als 200 Personen aufhalten.

Die KGS Hanbruch ist ein traditionsreiches Haus. Das erste Schulgebäude an der Hanbrucher Straße 29 geht auf das Jahr 1896 zurück. Über die Jahrzehnte wurde das Haus immer mal wieder um- und ausgebaut, es wurde nicht nur als Schule genutzt, sondern war zeitweise auch Lehrerwohnung, öffentliche Badeanstalt und Luftschutzbunker. Jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Schule wird gründlich aufgemöbelt und erhält einen Neubau nach zeitgemäßem Standard. Die alte Pausenhalle und der marode Toilettentrakt werden dafür abgerissen. Im Sommer soll es losgehen.

Die Schulgemeinschaft freut sich seit langem auf ihren Neubau. Schließlich hat die Politik den Baubeschluss bereits im Juli 2017 gefasst. Neuerdings allerdings ist die Vorfreude deutlich getrübt. Wie die Elternschaft zwischenzeitlich erfahren hat, ist der geplante Multifunktionsraum nur für höchstens 200 Personen ausgelegt. „Und das finden wir bei aller Freude über den Neubau überhaupt nicht toll“, sagt der Schulpflegschaftsvorsitzende Henrik Burghardt. Für viele Veranstaltungen der Schule sei der Raum damit nicht nutzbar.

Aktuell hat die zweizügige Grundschule genau 200 Schülerinnen und Schüler. Würden die sich alle in dem neuen Raum versammeln, dann dürften Lehrerinnen, OGS-Kräfte und Eltern schon nicht mehr rein. Und es gibt an der KGS Hanbruch viele Gelegenheiten zusammenzukommen. Die Schule hat einen ausgeprägten musischen und musikalischen Schwerpunkt. „Es gibt eine Streicherklasse, es gibt den Chor, die Theater-AG und die Band“, zählt Burghardt auf, „und die treten natürlich alle schon mal auf.“

Einen passenden Raum dafür gibt es in der Schule bisher nicht. Die Pausenhalle ist zwar geräumig, aber vor allem im Winter eher kühl und streng genommen als Veranstaltungsraum nicht einmal genehmigt. Die Pausenhalle wird zugunsten des Neubaus abgerissen, und deshalb waren die Elternvertreter davon ausgegangen, dass der neue Multifunktionsraum künftig genutzt werden könne, wenn zum Beispiel die Band ihr neues Stück vorstellt, die Sternsinger empfangen werden oder im Advent alle gemeinsam singen. Ausgelegt ist der Raum aber nur für bis zu 200 Leute.

Die Verwaltung habe auf Nachfrage darauf verwiesen, dass die Grundschule für große Veranstaltungen ja die Sporthalle des Couven-Gymnasiums in der Nachbarschaft nutzen könne, berichtet der Schulpflegschaftsvorsitzende. Das wird auch bisher schon so gehandhabt, ist aus Elternsicht aber nur bedingt eine Lösung, allein schon, weil solche Buchungen weit im Voraus vorgenommen werden müssen. Von dem neuen Raum hatte man sich dagegen mehr Möglichkeiten, auch für kurzfristig geplante Veranstaltungen erhofft.

Auch aus dem städtischen Sportamt gebe es in der Sache eindeutige Signale, hat Burghardt erfahren. Vier bis fünf Termine im Schuljahr für Veranstaltungen der KGS Hanbruch seien auch künftig am Couven-Gymnasium drin, zusätzliche Hallenstunden aber wohl nicht zu bekommen. Das findet der Pflegschaftsvorsitzende sogar verständlich. „Das Gymnasium braucht seine Hallenzeiten ja selbst dringend.“

Bei der Stadt kann man die Aufregung indes nicht nachvollziehen. Die Verwaltung teilt auf Anfrage mit, durch den neuen Multifunktionsraum erhalte die Schule „einen vielseitig nutzbaren Raum nach aktuellen Standards, der weit über die bestehende Pausennutzung hinausgeht und Nutzungen bis zu 200 Personen zulässt“. Mit dieser „Versammlungsstätte light“ werde die bisherige Infrastruktur erheblich erweitert.

„Mit den Umbauten und Nutzungsoptimierungen werden also große Verbesserungen im OGS-Alltag der Grundschule Hanbruch erreicht“, betont Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt. Zwei Jahre lang sei die Planung der Baumaßnahme von der Schule „wohlwollend begleitet worden“, merkt Herrmann zudem an. Deshalb sei man über die aktuelle Kritik doch etwas irritiert.

Aus Sicht der Eltern ist guter Rat nun teuer. Alle politischen Beschlüsse sind längst gefasst, die Planung steht. Die ersten Aufträge für Herrichtungs- und Bauleistungen sind bereits vergeben. In den Sommerferien sollen die Abrissbagger anrollen. Und in einem Jahr etwa soll alles fertig sein.

Am kommenden Mittwoch will das städtische Gebäudemanagement die Eltern über Details der Baustelleneinrichtung informieren. Die Schulpflegschaft hat Mütter und Väter aufgerufen, an diesem Infoabend zahlreich dabei zu sein, damit man das Thema Multifunktionsraum mit den Verwaltungsvertretern erörtern könne. Die Eltern sprechen von einer „Fehlplanung“:

Und nicht nur Henrik Burghardt fragt sich, ob das Geld, das die Kommune in den Neubau steckt, wirklich gut angelegt ist, wenn der neue Raum für manche Anlässe nicht nutzbar sein wird. Die Kosten für den Neu- und Umbau an der Hanbrucher Straße sind immerhin mit gut 1,5 Millionen Euro veranschlagt.

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