Aachen: Aseag rüstet bis Ende März 98 Busse mit Stickoxid-Filtern aus

Aseag rüstet fast 100 Busse um : Saubere Luft durch moderne Filter

Endspurt in der Werkstatt: Die Aseag ist gerade dabei, 98 Dieselbusse mit neuen Filtern auszustatten, die sie auf Euro-6-Norm bringen. Unter anderem damit möchte das Verkehrsunternehmen den Stickoxid-Ausstoß der Flotte deutlich verringern. Doch auf dem Weg zur avisierten Mobilitätswende und damit zu besserer Luft in Aachen ist dies nur ein erster von vielen Schritten.

Noch glänzt der silberne Fahrzeugfilter so hell, dass man sich fast in ihm spiegeln könnte. Nur wenige Tagen nach Inbetriebnahme dürfte das schon wieder ganz anders aussehen, kündigt Emmo Kuhn an. Statt glänzenden Edelstahls ist dann dunkler Belag angesagt. Den Kfz-Meister kümmert das nicht weiter. Schließlich zählt bei dem neuen SCRT-Filter nicht das Aussehen, sondern das, was am Ende herauskommt: und zwar so wenige Stickoxide wie möglich.

Damit die Luft in Aachen deutlich sauberer wird, legen Emmo Kuhn und sein Team von der Firma Kufatech Kuhn Fahrzeugtechnik seit November in der Aseag-Werkstatt an der Neuköllner Straße meterweise Kabel, Schläuche und Leitungen und tauschen im Akkord mehrere hundert Kilo schwere alte Filter gegen neue aus. An diesem Montagabend wird Kuhn den 91. Bus umgerüstet haben.

„Zwischen acht und zehn Stunden“, so lange dauert es nach Angaben des Firmeninhabers zu zweit einen Linienbus mit einem sogenannten SCRT-Filter nachzurüsten. Mit dieser Methode sollen Stickoxide, Feinstaub und Partikel aus Dieselabgasen gefiltert werden. An diesem Tag werde er vermutlich etwas länger als sonst werkeln müssen, sagt Kuhn, zwei Mitarbeiter hätten sich krank gemeldet. Doch das Ende ist absehbar. Ende März sollen 98 ältere Linienbusse, bei denen eine Umrüstung möglich ist, fertiggestellt sein. „Ich bin gut im Plan“, sagt Kuhn.

Das freut auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. Die Umrüstung der Aseag-Flotte ist Bestandteil des aktualisierten Luftreinhalteplans der Stadt Aachen, der Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Und mit dem die Stadt und die Bezirksregierung Köln nicht zuletzt auch drohende Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge abwenden wollen. Die Umrüstung wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit rund 700.000 Euro gefördert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 1,8 Millionen Euro.

Mit Blick auf die SCRT-Technik spricht Philipp von einer „kurzfristigen Lösung für den Bestand“, um die Schadstoffbelastung in den Griff zu bekommen. Der Beitrag allein dieser Maßnahme zur Senkung der Stickoxide ist nach Berechnungen der Aseag immens: Stieß die Busflotte im Jahr 2015 noch insgesamt 114 Tonnen Stickoxid-Emissionen aus, sollen es 2020 gerade mal 14 Tonnen sein. Dabei verlassen sich die Verantwortlichen nicht allein auf die Angaben der Hersteller: „Wir testen den Ausstoß im Realbetrieb“, betont Aseag-Vorstand Michael Carmincke am Montag im Rahmen eines Pressetermins.

48 neue Busse bestellt

Im Frühjahr 2020 soll die Aseag-Flotte, insgesamt 224 Fahrzeuge, nur noch aus sauberen Bussen bestehen, die die Euro-6-Norm erfüllen oder elektrisch betrieben werden. Um das zu erreichen, drückt die Aseag neben der SCRT-Technik auch beim Ankauf neuer Fahrzeuge aufs Tempo. 48 neue Euro-6-Dieselbusse seien bereits bestellt, teilt Carmincke am Montag mit. Davon sollen 24 bis September diesen Jahres geliefert werden, weitere 24 werden bis März 2020 erwartet. Auch die Subunternehmen sollen Schritt für Schritt ihre rund 200 Fahrzeuge nachrüsten. Allerdings sei das Prozedere dort etwas komplizierter, räumt Carmincke rein, unter anderem weil die Finanzkraft anders sei. Immerhin: Bis Ende 2020 sollen rund 60 Fahrzeuge, die im Auftrag der Aseag in der Region unterwegs sind, nachgerüstet werden.

Damit insbesondere an den neuralgischen Punkten in Aachen bessere Luft herrscht, müssen die Verantwortlichen auch an der „Umlaufplanung“ der Linienbusse tüfteln. Denn: Ab September dürfen – dem Luftreinhalteplan der Stadt Aachen entsprechend – innerhalb der Umweltzone nur noch Fahrzeuge mit Euro-6-Norm fahren.

Umweltdezernent Markus Kremer erwartet dadurch eine „signifikante Verbesserung“ der Luftqualität. Bedenken, dass damit „dreckige Fahrzeuge“ der Aseag verstärkt die Luft in den übrigen Kommunen der Städteregion belasten, versucht Aseag-Sprecher Paul Heesel indes auszuräumen: „Insgesamt sieht die Situation ja schon ziemlich gut aus.“ So erfüllten zum 1. September nur noch 28 Linienbusse der Aseag mit Euro-3- beziehungsweise Euro-5-Norm nicht den aktuellsten Standards.

Dass die Umrüstung nur ein kleiner Teil der avisierten Mobilitätswende ausmacht, betont indes OB Marcel Philipp. „Am Ende geht es ums Gesamtbild“, sagt er. Und dies sieht neben einem Ausbau des Radverkehrs und der E-Mobilität auch weiterhin eine Elektrifizierung der Aseag-Flotte als langfristige Maßnahme vor.

Deshalb investiert die Aseag zusätzlich zu den bereits bestellten E-Bussen in zwölf neue elektrisch betriebene Fahrzeuge – mit einer Finanzspritze von 3,7 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Wann die Busse auf Aachens Straßen nicht nur sauberer, sondern auch leiser unterwegs sein werden, ist indes noch unklar. Nach wie vor ist von den 14 beim Hersteller Sileo bestellten Elektrobussen nur einer geliefert worden, der zudem noch mit massiven technischen Problemen zu kämpfen hatte.

Trotzdem steht für Carmincke fest: „Langfristig wird die Entwicklung in Richtung Elektromobilität gehen.“ Bis September 2019 sollen sieben E-Busse geliefert werden, bis März 2020 wird mit weiteren fünf gerechnet. „So wurde es uns versichert“, betont der Aseag-Vorstand. Denn: In der Vergangenheit wurden wiederholt Liefertermine durch den Hersteller nicht eingehalten – zum Ärger der Aseag und der Politik.

Statt langfristigen Wartens ist an der Neuköllner Straße kurzfristige Freude angesagt: wenn Emmo Kuhn mit seinem Werkzeug Schritt für Schritt für bessere Luft sorgt.

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