Aachen: Aseag prüft Alternativen für bestellte Elektrobusse von Sileo

Der Hersteller Sileo hat Probleme: Aachen wartet weiter auf Elektrobusse

Von den 14 Elektrobussen, die die Stadt bei dem Hersteller Sileo vor mehr als zwei Jahren bestellt hat, hat es nach wie vor erst ein Fahrzeug auf Aachens Straßen geschafft – und das mehr schlecht als recht. Die Aseag prüft nun Alternativen.

Die Bewertung ist eindeutig: „Elektrobusse von Sileo überzeugen auf ganzer Linie.“ Das schreibt zumindest der deutsch-türkische Omnibus-Hersteller Sileo über sich selbst, prominent auf der Startseite seiner Internetseite platziert. Das Votum der Kunden, zumindest das der Aseag, sieht indes anders aus. Von einer „vollkommen unbefriedigenden“ Situation ist in dem Sachstandsbericht der Aseag die Rede, der am Donnerstag im Mobilitätsausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor, Lagerhausstraße) diskutiert wird.

Noch immer ist völlig unklar, wann die längst bestellten Elektrobusse in Aachen ankommen werden. Im Jahr 2016 hatte die Aseag 14 E-Busse in Auftrag gegeben: zwölf Gelenkbusse, zwei Doppelgelenkbusse. Von denen hat es einer auf Aachens Straßen geschafft – allerdings mehr schlecht als recht. Der elektrisch betriebene Gelenkbus ist zwar im Herbst vergangenen Jahres in den regulären Linienbetrieb gegangen. Verlässlich eingesetzt werden kann er aber nicht. „Das Fahrzeug weist immer wieder neue technische Mängel auf. Die Verfügbarkeit ist dadurch sehr gering“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Sie liege weit unter der von Dieselbussen. „Das ist nicht zu akzeptieren“, betont die Aseag. Zumal sich die Situation selbst nachdem der Bus im Frühjahr zur Nachbesserung zurück an den Hersteller geschickt worden war nicht wesentlich verbessert habe.

Deutliches Verbesserungspotenzial besteht auch in Bezug auf die noch ausstehende Bestellung. Mehrfach seien „verbindlich zugesagte Liefertermine aus unterschiedlichen oder nicht erkennbaren Gründen verschoben worden“. Nach dem Großbrand in einer Produktionshalle des Herstellers in Salzgitter im August 2017 hatte sich bereits angedeutet, dass die Fahrzeuge nicht fristgerecht geliefert werden könnten. Im darauffolgenden Dezember hatte Aseag-Vorstand Michael Carmincke die Verkehrspolitiker im Mobilitätsausschuss darauf vorbereitet, dass sich die Ankunft von vier Bussen mit Batteriebetrieb bis April 2018 hinziehen könne. Acht weitere Fahrzeuge sollten im Juni folgen. Doch die Aseag wartet noch immer. Und befindet sich damit wohl in guter Gesellschaft. Anderen Bestellern sei es ebenfalls so ergangen, heißt es in der Vorlage.

Komplettausfall nicht ausgeschlossen

Gegenwärtig befinden sich nach Angaben der Aseag zwei für Aachen vorgesehene Fahrzeuge – ein Gelenkbus und ein Doppelgelenkbus – aus der neuen Serie von Sileo am Standort Salzgitter. Dort liefen Funktionsprüfungen, um die Abnahme der Busse vorzubereiten. Doch auch diese Fahrzeuge müssen offensichtlich erst noch erheblich nachgerüstet werden, bevor sie in Aachen zum Einsatz kommen. „Aufgrund zulassungsrechtlicher, technischer sowie konstruktiver Anforderungsstandards, die noch nicht erfüllt sind, ist derzeit aber nicht absehbar, wann und wie der Hersteller die vielen bisher bekannten offenen Punkte und Aufgaben lösen kann“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Selbst, dass die Bestellung bei Sileo komplett ausfällt, schließt die Aseag nicht mehr aus. Und prüft deshalb, wie anderweitig zeitnah Elektrobusse angeschafft werden könnten, um die Linien 33 (von Fuchserde nach Vaals über Bushof, Campus Melaten und Uniklinik) und 73 (von Bahnhof Rothe Erde zur Uniklinik über Bushof und Campus Melaten) zu elektrifizieren.

Denn die Zeit drängt: Spätestens im Jahr 2020 müssen die Busse beschafft und im Jahr 2021 abgerechnet werden, damit die Stadt Fördermittel über das Kommunalinvestitionsförderungsgesetz abrufen kann.

„Drei Jahre verplempert“

Dass die Aseag erst jetzt in dieser Deutlichkeit den Ernst der Lage mitteilt, sorgt bei Ye-One Rhie, mobilitätspolitische Sprecherin der SPD, für Unverständnis. „Wir haben drei Jahre verplempert, weil wir keine regelmäßigen Berichte von der Aseag bekommen“, kritisiert sie diese „Salamitaktik“.

Zumal seitens der Aseag immer wieder betont worden sei, dass es eigentlich keine Alternative zum Elektrobus-Hersteller Sileo gebe. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wie es weitergeht.“ Dazu gehörten auch alternative Antriebsarten wie Wasserstoff und Erdgas.

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